Konzertbericht

Ewige Jugend

Seit 10 Jahren sind die drei Energiebündel von The Subways nun schon unterwegs. Beim letzten Teil ihrer Tour zum selbstbetitelten, vierten Album hat das Trio auch im Conne Island Halt gemacht und gezeigt, dass sie es immer noch drauf haben.
The Subways auf der Bühne
Ohne viel Geschnörkel: The Subways auf der Bühne

Erwartungen

"Young For Eternity". So schön phrasenhaft und plakativ haben die Subways ihr erstes Album genannt. Die damals gerade 18-jährigen Engländer haben damit sicher den Soundtrack für viele Teenager und junge Leute geschrieben. Ein Album, das vor purer Energie und Jugendlichkeit nur so trotzt. Minderjährig sind Billy, Charlotte und Josh zehn Jahre später definitiv nicht mehr. Auf das freche Debüt folgte mit "All Or Nothing" ein emotionales, auf-die-Fresse Album. Mit dem dritten und vierten Album haben The Subways jedoch ein bisschen an Energie und Einfallsreichtum eingebüßt. Die Songs klingen längst nicht mehr so dynamisch und viele Fans bekommen gar nicht mit, dass ein neues Album erschienen ist. Das ist wohl auch der Grund, wieso die Band im doch verhältnismäßig kleinen Conne Island spielt. Haben The Subways auf den Alben zwar etwas nachgelassen, kann man sich eines eigentlich immer noch sicher sein: Auf der Bühne geben die drei immer noch so richtig Vollgas - egal ob bei neuen oder alten Songs. Ein bebendes Conne Island am Sonntagabend schwebte wohl den meisten vor Augen.

Erster Eindruck

Hui, ganz schön lange Schlange da am Eingang. Kaum zu glauben, dass die alle ins kleine Conne Island passen. Na gut, das ganze dauert auch ein bisschen länger, weil die Security am Einlass brav einen Frei.Wild-Shirt-Träger dazu zwingt, dieses auszuziehen. Irgendwie auch blöd, damit ins Conne Island zu gehen. Drinnen geht die Schlange dann gen Garderobe weiter. Während der Großteil noch in Winterjacke bepackt mitten im Raum steht, fängt die kanadische Vorband Die Mannequin an. Das Quartett knarzt, rockt volles Rohr durch ihr 30-Minuten-Set und gibt alles. Ein fettes Rock'n'Roll Konzert ist also angerichtet.  

Do It or Die and Bad Medicine, LIVE from LEIPZIG. Thank you to Frank Streber.

Posted by Die Mannequin on Montag, 14. Dezember 2015

 

Ein Blick auf die Bühne verrät, dass heute die Musik im Vordergrund steht. Ein simples The Subways-Banner, weiß auf schwarzem Hintergrund. Überraschend ist, dass das Subways-Drumset nicht wie gewöhnlich auf einem Podest im Hintergrund der Bühne steht. Als die Subways nach "Tagesschau"-Intro die Bühne betreten, knallt Drummer Josh dreimal auf seine Snare und Billy und Charlotte steigen mit ihren Instrumenten in "Kalifornia" ein. Keine Kompromisse - hier wird gerockt!

Musik

The Subways wissen schon, was ihren Fans gefällt. Als zweites spielt Sänger Billy ohne große Ansage den Hit "Mary" vom Debütalbum an. Das kleine Conne Island wird schnell zum Raum voller zappelnder, glücklicher Menschen. Vor allem die alten Songs werden naturgemäß abgefeiert. Auf der Bühne lassen es sich die drei Engländer wirklich gut gehen. Josh haut nach wie vor wie sonst nichts in die Trommeln, Charlotte springt mit ihren pinken Haaren und ihrem Bass immer noch wie ein Flummi durch die Gegend und Billy baut nach wie vor zahlreiche Schreie in seinen Gesang ein. Irgendwie hat sich außer an den Frisuren und an der Gesichtsbehaarung der männlichen Bandmitglieder wenig geändert. Selbst neue Songs wie "Taking All The Blame" reihen sich überraschenderweise gut in Klassiker wie "Shake Shake" oder "Oh Yeah" ein. Natürlich machen The Subways nach wie vor nicht übermäßig anspruchsvolle Musik oder Texte. Dafür beherrschen sie ihre Instrumente gut und rocken durchweg nach vorne, ohne irgendwie abgehoben zu wirken. 

Setlist

In knapp 90 Minuten spielt sich das Trio wie erwartet bunt durch die vier Alben. Dafür, dass es schon immer noch die Tour zum letzten, selbstbetitelten Album ist, befinden sich davon schon sehr wenige Songs auf der Setliste (insgesamt nur vier). Neben den vielen erwartbaren Hits wie "I Want To Hear What You've Got To Say" überraschen The Subways auch mit mehreren Albumtracks wie zum Beispiel "Always Tomorrow" und "Popdeath". Daher bleiben manche Singles wie "Celebrity" oder "Alright" auf der Strecke liegen. Trotz kurzen, besinnlichen Momenten wie beim schönen "Move To Newlyn" knallt das Set ansonsten ordentlich durch. Highlights sind vor allem die Tracks die härteren Sorte wie "Girls & Boys" oder "Turnaround", zu dem Billy dem Songnamen entsprechend zum größtmöglichen Circle-Pit im Conne Island auffordert. Das Ende steht im Zeichen der Hits - allen voran natürlich "Rock'n'Roll Queen", was trotz aller Bekanntheit und Einfachheit live wirklich wie eine Bombe einschlägt. Wie immer singt dabei den letzten Vers auf deutsch. Vollkommen ausgepowert stürzen die drei danach von der Bühne.

 

 

 

Setlist
 

Was in Erinnerung bleibt

Zwei Fans verlangen zwischen den Songs immer wieder den für-die-Subways ungewöhnlichen Song "Strawberry Blonde", der in der Trennungsphase von Billy und Charlotte (die zur Bandgründung noch ein Paar waren) entstanden ist. Billy geht darauf schließlich ein und fragt, ob eine Strophe+Refrain denn genügen würde. Das wurde dann schnell verworfen mit einem "Fuck it, let's play the whole song". Man merkt, dass der Song der Band ein bisschen nahe geht und sie sich über den Zuruf aus dem Publikum gefreut haben. Nach wie vor zeigen The Subways, dass sie bodenständige, sympathische und freundliche Menschen sind, die wissen wie man eine Party schmeißen kann. Sie versuchen immer noch das Motto "Young For Eternity" zu verkörpern und das gelingh ihnen auch weiterhin sehr gut. Am Ende bleibt zu sagen: Und wenn es nur ist, um in den schönen alten Erinnerungen der ersten zwei Alben zu schwelgen, es lohnt sich immmer wieder Billy, Charlotte und Josh auf der Bühne zu sehen.

 

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Till Bärwaldt
15.12.2015 - 10:54
  Kultur