Investigativer Journalismus

"Eurostat war mein Watergate"

Mit seinen Recherchen hat sich Hans-Martin Tillack in den vergangenen Jahren nicht nur Freunde gemacht. Beim Leipziger Netzwerk-Recherche Stammtisch sprach der stern-Journalist über Lobbyismus in der Politik und Polizeirazzien in seiner Wohnung.
Hans-Martin Tillack ist Berlin-Korrespondent für den stern.
Hans-Martin Tiplack (rechts) im Gespräch mit Lutz Mükke beim Leipziger Netzwerk-Recherche Stammtisch.

Ob politische Korruption oder verschwendete Steuergelder: In seiner Zeit als EU-Korrespondent in Brüssel hat Hans-Martin Tillack so einige Missstände aufgedeckt. Seine Berichterstattung gefiel dabei nicht allen EU-Parlamentsabgeordneten.

In Brüssel sind eine kritische Berichterstattung über Missstände im Parlament nicht gewohnt. 

Hans-Martin Tillack

Nachdem er den Betrug im europäischen Statistikamt Eurostat aufgedeckt hatte, wurde Tillack klar, in welches Bienennest er gestochen hatte. In einer Polizeirazzia wurden sein Büro und seine Wohnung durchsucht.

Die wollten wissen, wer meine Quellen waren. Das ist ihnen nicht gelungen.

Hans-Martin Tillack

Der stern-Reporter und sein Arbeitgeber reichten Klage am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ein – und gewannen. Das Urteil wertet Hans-Martin Tillack bis heute als Erfolg für die Meinungs- und Pressefreiheit.

Wir haben denen gezeigt, dass wir den Quellenschutz ernst nehmen und notfalls durch alle Instanzen gehen.

Hans-Martin Tillack

Informationsfreiheitsgesetz - Waffe des investigativen Journalismus

Heute ist Tillack Berlin-Korrespondent für den stern. Er war einer der ersten, die das Informationsfreiheitsgesetz (IFG) anwandten, um Einsichten in Akten von Behörden und Ämtern zu erhalten. Zuletzt konnte er so die enge Verbindung zwischen dem Deutsche Bahn-Lobbyist Roland Pofalla und der Bundesregierung aufdecken. "Natürlich waren auch hier viele Passagen geschwärzt", so Tillack.

Seinen enthüllenden Geschichten gehen oft langjährige Recherchen voraus. Für Tillack gehört es dabei zum Selbstverständnis eines investigativen Journalisten, auch im "Mist von anderen" zu stochern. Vor allem für seine Berichterstattung über den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff erntete der stern-Reporter harsche Kritik von Kollegen.

Ich sehe es als meine Pflicht an, auf Missstände hinzuweisen.

Hans-Martin Tillack

Nach Büchern wie "Die korrupte Republik" und "Raumschiff Brüssel. Wie die Demokratie in Europa scheitert" hat Tillack nun sein neues Buch "Die Lobby-Republik" auf der Leipziger Buchmesse präsentiert. Beim Leipziger Netzwerk-Recherche Stammtisch sprach er über seine Arbeit in Brüssel, über den Umgang mit Repressionen und über die Zukunft des investigativen Journalismus. 

 

Wir sprachen mit dem stern-Journalisten Hans-Martin Tillack.
 

 

 

 

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