Interview

"Es war wieder geil!"

We Butter The Bread With Butter haben als eine der ersten Bands den Hardcore mit ordentlich viel Bounce gemischt. Der ist auch auf dem neuen Album 'Wieder Geil' zu erkennen. Wir haben die Band in Berlin zur Tour und dem aktuellen Album interviewt.
We Butter The Bread With Butter spielen im Rahmen ihrer Tour im ehemaligen Magnetclub in Berlin

 

 

Boah Alter, BERLIN, immer noch geflasht! Danke für diesen Abend!#wiedergeiltour #wiedergeil© Kai Marks

Posted by We Butter The Bread With Butter on Samstag, 19. Dezember 2015

 

Ihr tourt gerade zu eurem neuen Album 'Wieder Geil'. Wie zufrieden seid ihr mit dem Album?

 

Paul: Ja, das Album ist geil, steht ja auch drauf. Ich finde es ist bisher unser bestes Album. Das ist alles viel frischer, viel jünger, viel moderner und …

 

Marci: Und spontaner!

 

Axel: Vor allen Dingen die Ansagen. Die sind sehr spontan.

 

Was war zuerst da, die Songs oder der Albumtitel? Habt ihr das Album gemacht und euch gedacht: ja ist wieder geil, und das gleich so benannt?

 

Axel: Das Huhn!

 

Marci: (lacht) Das Huhn oder das Ei. Nein das war so, dass wir gar nicht wussten, wo das hingeht mit dem Album. Wir hatten davor kurz mal nichts gemacht, weil wir so viel getourt sind und ein bisschen k.o. waren. Das lief halt überhaupt nicht. Die Band kam wieder und war erstmal total blank. Dann haben wir die Songs geschrieben. Wir haben wieder alles komplett selbst gemacht, auch das Booking und alles, was drumherum ist. Kein Management mehr gehabt und es gab halt nur noch uns und die Musik. Das hat sich verdammt cool angefühlt. Wir haben uns gesagt, dass die Zeit mit dem Album jetzt einfach wieder geil wird im Vergleich zu vorher und dann war das quasi der Albumname.

 

Ihr habt bisher nur deutsch getextet. Jetzt macht ihr auch englische Lieder. War es euch auf Dauer in deutsch zu langweilig oder wie kommt das?

 

Axel: Das liegt an dem Englischkurs, den Paul gemacht hat.

 

Marci: Wir haben jedes deutsche Wort einmal gesungen. Jetzt brauchen wir neue.

 

Axel: Paul liegt Englisch mittlerweile mehr und das klingt einfach besser bei ihm.

 

Marci: Das Album wurde sehr modern, was wir selbst nicht wussten und zu manchen Songs hat Englisch einfach besser gepasst.

 

Can: Wir wollten es halt einfach mal machen.

 

Paul: Explizit zu den drei Songs, war es einfach so, dass Englisch da besser gepasst hat. Es hat uns gefallen und wir haben es dann direkt so gelassen.

 

Dann habe ich gelesen, dass ihr ein Refugees Welcome Projekt am Start hattet, bei dem ihr Flüchtlinge zu euren Konzerten eingeladen habt. Erstmal 'Hut ab' dafür. Wie kam es zu dem Projekt und was habt ihr bis jetzt für Erfahrungen damit gemacht?

 

Marci: Nur junge Männer. (lacht) Nein, nur geile Erfahrungen. Es haben sich ziemlich viele Organisationen gemeldet. Die haben dann mit Jana, unserer Tourmanagerin, abgeklärt, wie das nun läuft. Wir wussten es auch nicht. Wir wollten nur erstmal etwas starten und haben es dann so gemacht, dass jeden Abend eine Gruppe von 10 bis 15 Leuten aus einer Unterkunft mit einem Betreuer kommen konnten. Und das war super geil. Die waren mega happy, endlich mal auch einen anderen Abend zu haben. Die waren auch so dankbar und wollten Bilder machen, total niedlich die ganze Zeit.

 

Axel: In Hannover, das war super stark. Da kam der Hinnerk von den Excrementory Grindfuckers. Der ist ja auch Flüchtlingsbetreuer und kam da auch mit so einer Gruppe an. Das waren die dankbarsten Menschen, die wir auf der Tour überhaupt hatten. Jeder Fan, hin oder her, das ist super, dass sie da sind, aber die Flüchtlinge waren so unendlich dankbar. Die haben sich verbeugt und wollten Fotos machen. Die wussten wahrscheinlich nicht, dass die Musik so hart ist. Da stand wahrscheinlich nur 'Ist ein Konzert' und die waren auch alle richtig schön hergerichtet. Aber die waren so unendlich dankbar. So eine Dankbarkeit wirst du hier wahrscheinlich nicht erfahren, vor allen Dingen nicht in Berlin.

 

Marci: Jetzt machen wir mal die Hauptstadt nicht so runter. Berlin ist nämlich auch geil.

 

Paul: Berlin ist super, denn wir spielen ja heute in Berlin.

 

Axel: Achso und in Leipzig war das auch so. Da waren wir nämlich … gar nicht.

 

Paul: Ich glaube auch, von denen, die da waren, hat noch keiner vorher schonmal Metal gehört. Und die haben gefeiert, Spaß gehabt ….

 

Axel: In Dresden haben die doch gebangt, ne? Da war der Punker-Flüchtlingsbetreuer und der hat mit denen gebangt.

 

Marci: Das kann man jetzt aber auch zweideutig verstehen. (lacht)

 

Axel: Aber er war doch ein Punker. Er war doch ein super nicer Punker. Wir sind doch alle Punks.

 

Paul: Am Ende geht es darum, dass wir den Leuten versuchen eine gute Zeit zu machen und das ist uns bisher auch gelungen.

 

Ihr macht ja ziemlich viel: Musik schreiben, Konzerte geben, Hilfsprojekte starten und dann hab ich gehört, ihr habt auch noch einen Job?

 

Paul: Ich bin Koch.

 

Can: Ich mache Haare und Make Up.

 

Axel: Ich bin Promoter.

 

Marci: Und ich bin Musiker. Ich mache noch andere Musik nebenbei. Von einer Band leben kann keiner mehr.

 

Axel: Wer aktuell von seiner Band leben kann, ist auch in den nächsten zwei Jahren wieder weg.

 

Dann habe ich eine Frage an Axel. Du bist ja selbst nicht nur als Basser unterwegs, sondern auch viel journalistisch. Ist es seltsam, wenn man dann selbst interviewt wird?

 

Axel: Ne, viel besser eigentlich. Es ist relativ schwierig, sich zu seiner eigenen Arbeit noch über alle Bands so krass zu informieren. Jetzt, wo wir mit mir hier in der Band routinierter werden oder auch in dem anderen Projekt, mal selber was über sich erzählen zu dürfen ist ganz nice. Also Can macht das halt den ganzen Tag bei WhatsApp einfach so, ohne gefragt zu werden. Und hier ist es einfach mal schön, auch von dir gefragt zu werden. Vielen Dank für diese eigenständige Frage.

 

Ihr seid ja gerade am Ende eurer Tour. Seid ihr traurig oder eher erleichtert?

 

Marci: So teils teils. Irgendwie weiß man, man hat dann mehr Zeit zu Hause. Aber andererseits war die Tour sehr sehr cool. Wir hatten lange Zeit schon nicht mehr so eine lockere Tour und das hat eine Menge Spaß gemacht. Was sagt Axel dazu?

 

Axel: Ich fands auch wieder cool.

 

Ich weiß ja, ihr seid alle aus Berlin, nicht aus Lübben, wie ich das letztens in einem Video nochmal erfahren habe.

 

Marci: Danke. Wir wurden gerade im letzten Interview schon wieder gefragt, wie es denn in Lübben so ist.

 

Axel: Das war bestimmt das Interview von Berlin Metal TV oder? Ein toller Sender ist das aber auch. (lacht)

 

Spielt ihr gerne in Berlin? Ist es anders als woanders zu spielen?

 

Marci: Ich finde Berlin ist am schwierigsten zu spielen, egal ob als Berliner Band oder sonst wie. Man merkt das ja auch, wenn so Riesentouren hierher kommen. Bruce Springsteen z.B. spielt ja gar nicht mehr hier. Berliner sind ja oft ein bisschen zu cool, um bei so einem Konzert richtig abzugehen. Aber wir hatten immer sehr sehr viel Glück und es war immer sehr sehr cool hier.

 

Paul: Ich glaube, es liegt auch daran, dass Berliner mittlerweile so hart verwöhnt sind was Konzerte angeht. Da überlegt man sich drei- oder viermal, ob man überhaupt auf ein Konzert geht, weil morgen schon wieder drei oder vier andere Konzerte sind.

 

Can: Aber keins ist so geil wie unsere und ich finde die machen immer ganz schön gut mit.

 

Okay, da habe ich nur noch eine letzte Frage: Habt ihr noch irgendeine coole Story von der Tour, die ihr unbedingt mal erzählt haben müsst?

 

Paul: (überlegt) Wir haben angefangen Alkohol zu trinken.

 

Marci: Wir wurden erstaunlich oft in Polizeikontrollen reingezogen.

 

Axel: Zweimal!

 

Marci: Weil alle dachten, dass wir junge Männer hinten im Kofferraum haben. Nee wirklich, Kritik: Da fährt man von der Schweiz nach Hause, ist auf einmal die Grenze wieder da und die erste Frage ist die nach der Nationalität von allen. Da hab ich mir gedacht: Hallo Ballo!

 

Axel: Also es war nicht die Schweiz, sondern Tschechien. Wir wussten ja nicht mal, dass da wieder eine Grenze hochgezogen wurde.

 

Paul: Das, was Marci meinte, ist schon hart. Man kurbelt das Fenster runter und dann hört man erstmal stinkhart: Nationalität? Ich wollte schon zurückschreien: Deutsch! Hab ich mich dann aber nicht getraut.

 

Axel: Was aber wirklich besonders war, das war in Wilhering in Österreich in der Nähe von Linz. Da war so ein Club, der wahrscheinlich nur für Hochzeiten und …

 

Marci: Tanz in den Mai!

 

Axel: … und Silvester benutzt wird. Im Club war ein LKW, der die Bühne war. In dem LKW war ein Sternenhimmel, den man nicht ausmachen konnte, weil sonst alles ausgegangen wäre.

 

Marci: Ein bunter Sternenhimmel!

 

Paul: Man konnte ihn anmachen, dann war alles an. Oder man konnte ihn ausmachen, dann war alles aus.

 

Axel: Und der Veranstalter hat uns dann aus dem Backstage-Bereich rausgeschmissen. Dem hat das zu lange gedauert.

 

 

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