m19 mit Maximilian Lehmann

"Es war vielleicht Selbstüberschätzung"

Als Vorsitzender des Stadtschülerrates vertritt Maximilian Lehmann rund 40.000 Schüler. Das ist nicht immer einfach und kostet viel Zeit. Warum es sich trotzdem lohnt, hat er uns im langen Interview erzählt.
Maximilian Lehmann und Moderator Raimund Groß
Maximilian Lehmann und Moderator Raimund Groß

Maximilian Lehmann interessiert sich schon lange für Politik. "Die Politik ist die Kraft, die alles zusammenhält", fasst er seine Faszination zusammen. Von Familie und Freundeskreis inspiriert, begann er in der zehnten Klasse, eine Möglichkeit zu suchen, sich politisch zu engagieren. Er wurde Schülersprecher und fand so den Weg in den Schülerstadtrat, der ihn schnell begeisterte. Vom Mitglied wurde er zum Berater und schließlich zum Vorstandsvorsitzenden gewählt.

Der Stadtschülerrat hat die Aufgabe, die rund 40.000 Schüler in Leipzig gegenüber der Kommunalpolitik zu vertreten. In Vollversammlungen werden schulpolitische Themen diskutiert und Ziele formuliert, die der Vorstand dann in monatlichen Treffen mit dem Sozialbürgermeister vorträgt. Dabei sagt Lehmann selbst, der Stadtschülerrat habe "zu wenig Einfluss" - aber auch, wenn er keine konkreten Änderungen hervorbringe, sei es wichtig, die Meinung der Schüler zu vertreten.

40.000 Schüler unter einem Hut

Dass es schwer ist, für so viele Persönlichkeiten und Meinungen gleichzeitig zu sprechen, ist Lehmann dabei klar. "Es ist nicht möglich, dass man mit einer Stimme für alle sprechen kann", sagt er. Manchmal sei es auch schwer, im Plenum Kompromisse zu finden - zum Beispiel bei Themen wie der Inklusion. Dann kann keine öffentliche Stellungnahme formuliert werden. Aber auch diese Schwierigkeit ist Teil der politischen Arbeit, die der Stadtschülerrat simuliert. Durch ihn soll Schülern ein erster Einblick in politische Prozesse ermöglicht werden.

"Wir verschließen vor vielen Dingen die Augen", sagt Lehmann, denn in der Schulpolitik laufe einiges schief. Der Lehrermangel sei das große Thema: Jedes Jahr gehen mehr Lehrer in Rente als neue hinzukommen, und das bei steigenden Schülerzahlen. Lehmann versteht es als seine Aufgabe, auf solche Zustände aufmerksam zu machen, auch wenn er sie nicht unbedingt ändern kann.

"Man muss alles hinterfragen"

Für sein politisches Engagement opferte der Abiturient auch während der Schulzeit jede Woche sieben bis 15 Stunden seiner Freizeit. Das ist es ihm aber wert: man müsse alles hinterfragen und sich eine eigene Meinung bilden, fordert Lehmann. Der Stadtschülerrat sei dann eine gute Möglichkeit, diese Meinung auch einzubringen und in die Politik hineinzutragen. Viel Freizeit bleibe da natürlich nicht, deshalb sieht Lehmann sein Engagement auch nicht als Arbeit, sondern als Hobby. "Anders ginge es auch nicht", glaubt er. Dass ihn manche Mitschüler deswegen für verrückt halten, scheint ihn nicht zu stören: "Das verstehen nicht alle, müssen aber auch nicht alle verstehen".

 

Maximilian Lehmann im Gespräch mit Moderator Raimund Groß

Redaktion: Paula Wittenberg, Christine Warnecke

Maximilian Lehmann im Gespräch mit Moderator Raimund Groß
 

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