Interview mit Fil Bo Riva

"Es passt nicht zu jedem Menschen"

Zum dritten Mal geht Fil Bo Riva auf Tour. Jetzt waren sie das erste Mal in Leipzig. Vor dem Konzert reden wir mit Filippo über ihren neuen Sound, und was eine Glühbirne mit den Beatles gemeinsam hat.
Fil Bo Riva im UT Connewitz
Fil Bo Riva im UT Connewitz

Fil Bo Riva, bestehend aus Filippo, Felix, Henry und Aaron, sind seit 2 Jahren für ihren warmen, melancholischen Sound bekannt. Und mit dem sind sie auch erfolgreich.  Die Band verkauft mittlerweile auch auf ihrer Headlinetour mehr und mehr Konzerte restlos aus. Für ihn war der große Erfolg aber nicht wichtig. Das meinte er zumindest vor einem Jahr zu uns im Interview. (Hier zum Nachlesen- und Hören: https://mephisto976.de/news/viel-zu-gewinnen-nichts-zu-verlieren-60477

Seitdem ist aber einiges passiert. Wo Filippo seine Band gerade sieht und wo er noch hinmöchte, gibt es hier zum Nachhören:

 

 

Filippo im Gespräch mit Lena Jansen
 

Veränderungen über Veränderungen

Ich glaube an sich wo man die Band sieht, ist für mich gar nicht so wichtig. Ich seh' einfach, dass wir eigentlich schon gewachsen sind als Band. Ich meine einfach nur menschlich, weil wir jetzt zu viert sind, vor einem Jahr waren wir zu zweit. Das heißt, das freut mich persönlich schon. Die Größe, wie groß wir sind, in was für Clubs wir spielen, spielt auch eine Rolle. Es macht natürlich auch mega Spaß vor 800 Leuten zu spielen, genauso wie es aber auch vor 100 Leuten Spaß macht. Also ehrlich gesagt ist das wichtigste, dass du im Team oder unsere Band, egal wie groß wir sind, auf eine Art und Weise alle Freunde sind und Spaß haben an der Sache.

Und was wäre vielleicht noch ein Ziel das du erreichen wollen würdest?

Mein Ziel ist um ehrlich zu sein nur ein neues Album aufzunehmen. Wenn das Album raus ist, dann habe ich alles erreicht, was ich erreichen wollte.

Bei den neuen Songs, die sind ja etwas poppiger und ein bisschen schneller als die davor. Kann man mehr von solchen Songs erwarten?

Die letzten zwei Songs waren um ehrlich zu sein eine Auswahl an Songs die etwas schneller waren, einfach nur um andere Seiten zu zeigen. Aber es gibt auf dem Album auch genug Songs, die etwas ruhiger sind. Das heißt, die letzten zwei sind tatsächlich die etwas präziseren und genaueren Songs, die wir haben. Während die nächsten die rauskommen werden wieder etwas wärmer sind, etwas akustischer.

Ich hätte gedacht, dass das vielleicht eine Trennung sein soll von dem eher melancholischen Sound. Aber würdest du sagen, du willst das durchbrechen, oder bist du immer noch in dem Sound drinnen?

Also ich bin in beiden Sounds. Irgendwann kann ich mir auch vorstellen klassische Musik zu machen. Es ist ehrlich gesagt nicht so wichtig. Ich würd' komponieren, ein Orchester kaufen und die spielen lassen.

Du meintest ja vorhin, ihr seid ja jetzt nicht mehr nur zwei, ihr seid jetzt zu viert. Wie kam das, wer ist der Zuwachs?

Also der Plan war immer, dass die Band größer werden sollte. Einfach aus dem Grund, dass es mehr Spaß macht, und vom Sound her interessanter ist, desto mehr Leute dabei sind. Und ich wollte auch einen echten Schlagzeuger haben. Das heißt, wir haben einen Kollegen von uns angerufen und er hatte Zeit. Und einen Basser, der wohnt auch in Berlin und ein guter Freund ist, und jetzt sind wir vier. Ein normaler Bandwachstum. Vielleicht sind wir nächsten Jahr wieder zu fünft, und dann zu sechst. Das heißt alles noch offen.

 

Der italienische AnnenMayKantereit?

Wenn man über dich liest, ist das immer gleich in Verbindung mit Milky Chance oder AnnenMayKantereit. Nervt das irgendwann?

Ne, also die Frage wird auch relativ oft genauso gefragt in Interviews. Und die Antwort ist immer dieselbe. Und zwar, zum Beispiel, wenn wir in Italien ein interview machen, dann fragen die Leute, weil sie AnnenMayKantereit nicht kennen und Milky Chance auch nicht so sehr, fragen die meisten eher: „Warum klingst du wie Tom Waits?“, und dann sag ich: „Ich klinge nicht wie Tom Waits.“ Und dann meinen sie: „Die Stimme ist aber schon rau und stark.“ Und dann mein ich: „Okay gut.“ Menschen vergleichen einfach Menschen zu anderen Menschen, einfach um einen Vergleich zu haben, weil sie sonst einfach nirgendwo anders einen Anhaltspunkt finden. Das ist meine Erklärung. Ich glaube, wenn wir vor vier Jahren die Songs rausgebracht hätten und vielleicht früher gestartet hätten, dann hätte man gesagt: „Okay wieso klingt Faber oder AnnenMayKantereit wie Fil Bo Riva?“ Andersrum. Aber das spielt keine Rolle an sich. Ich kenne auch die Jungs, das sind Bekannte und Freunde, besonders Faber. Also warum nicht? Es gibt schlimmere Leute mit denen man verglichen werden kann. Eindeutig.

Gibt es jemanden, mit dem du verglichen wollen werden würdest?

Es gibt viele Leute, die man mag. Jeder Mensch inspiriert sich an anderen. Die einzige Möglichkeit wieso eine Person irgendwas erreichen möchte, ist weil er sieht: „Oh, ich möchte so werden wie der!“. Außer die Leute, die irgendwas erfunden haben, aber auch die Erfindung kam trotzdem aus Inspiration, die von einem anderen Bereich kam. Egal, ob es eine Glühlampe ist, oder ein Telefon, kam die Inspiration von was anderem. Das heißt, ich liebe die Beatles, das wäre das größte Kompliment. Aber die Musik klingt komplett anders, also wird’s auch nie passieren, und ich bin auch glücklich darüber, weil das wäre auch nicht gerechtfertigt.

 

Irgendwann werde ich das nicht mehr machen“

Wenn du dich entscheiden müsstest:  Entweder alle zwei Wochen den Ort wechseln, oder für immer am selben 

Ort wohnen, wofür würdest du dich entscheiden?

Ein Leben lang an einem Ort.

Wieso?

Weil ich es nicht mag zu reisen.

Also ist die Tour ein bisschen..

…ja das ist gewöhnungsbedürftig. Also ich liebe es zu reisen, aber für Urlaub und nicht zum Arbeiten. Es ist eine Pflicht, also eine lustige Pflicht, die man erlernt. Aber es passt nicht zu jedem Menschen, jeden Tag im Bus zu sitzen und irgendwo hinzureisen. Es ist sehr, sehr schön und man lernt sehr viel daraus, und ich glaube in jungen Jahren darf  und kann man das auch machen, aber ich glaube irgendwann werde ich das nicht mehr machen. Das heißt, ich liebe es einfach an einem Ort zu sein und da mein Leben zu leben. Das finde ich ist eigentlich das schönste am Leben. Irgendeinen Ort zu haben, der Zuhause ist. Früher waren die Menschen ja alle Normarden, und irgendwann vor so Millionen Jahren haben wir gesagt: „Okay, jetzt bleiben wir hier. Wir bauen jetzt was an.“

Also wird’s noch eine Tour geben oder…?

Jaja, ich glaub schon. Hoffentlich.

 

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Lena Jansen
23.05.2018 - 12:07
  Kultur