Hochschulpolitik der Grünen in Sachsen

"Es gibt einiges zu tun"

Sollten Studenten für digitale Texte bezahlen müssen? Braucht es mehr Frauen an den Lehrstühlen? Dürfen Universitäten Militärforschung finanzieren? Claudia Maicher von den Grünen sagt uns ihre Meinung zur sächsischer Hochschulpolitik.
Welche Meinungen vertreten die Grünen in sächsischer Hochschulpolitik?
Welche Meinungen vertreten die Grünen in sächsischer Hochschulpolitik?

Sollten Studenten für digitale Texte bezahlen müssen?

Im Dezember diskutierten und protestierten Studenten in ganz Deutschland: Für das Hochladen von digitalen Buchtexten im Internet müssen die Lehrenden in Zukunft jeden einzelnen digitalisierten Text der Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) melden – ein enormer Mehraufwand, den viele Dozenten möglicherweise nicht auf sich nehmen wollen. Hinzu kommt, dass jeder Autor pro Student und Textseite 0,8 Cent erhalten soll. Somit käme eine erhebliche finanzielle Belastung auf die Studierenden zu. Ein kontroverses Thema - was denken die Grünen darüber?

Die Hochschulpolitische Sprecherin der Grünen Claudia Maicher hält einen Kompromiss für den richtigen Weg. Studierende bräuchten einen Zugang zu Texten und Lehrmaterialien, aber trotzdem sollten auch die Dozenten nicht für Urheberrechtsverstöße verantwortlich gemacht werden können. Eine konkrete Lösung sieht sie jedoch auch noch nicht - man solle sich zunächst erstmal zusammensetzen und erneut verhandeln. Die Einzelabrechnung der Texte, wie sie momentan geplant ist, sei jedenfalls nicht die Antwort.

Claudia Maicher
Die Grünen-Abgeordnete im Sächsischen Landtag Claudia Maicher

Claudia Maicher, Hochschulpolitische Sprecherin der Grünen

Braucht es mehr Frauen an den Lehrstühlen?

Knapp 60 Prozent der Studierenden an der Universität Leipzig sind Frauen. Damit ist die Uni in Sachsen eine Seltenheit - an sächsischen Hochschulen ist der Großteil der Studierenden meist männlich. An den Lehrstühlen in Sachsens Universitäten und Fachhochschulen sieht es nicht anders aus: Hier hier ist sogar nur jeder fünfte Dozent eine Frau. Sehen die Grünen hier Handlungsbedarf?

Claudia Maicher hält ein Eingreifen für wichtig, sieht aber in harten Quoten für den Prozentsatz weiblicher Dozenten keine Lösung. Im Berufungsverfahren müsse sich gerade in der Wissenschaft derjenige durchsetzen, der am besten geeignet sei – geschlechtsunabhängig. In der Praxis hieße ein solches Eingreifen: Die Stärkung der Rolle der Gleichstellungsbeauftragten an den Hochschulen und eine aktivere Förderung und Unterstützung für Frauen in lehrenden Positionen.

Um den Geisteswissenschaften die Eigenschaft "weiblich" und den Naturwissenschaften die Eigenschaft "männlich" abzuerkennen, müsse vor allem das festgefahrene Rollenverständnis aufgebrochen werden, das schon Kindern eingeredet wird:

Es gibt keine männlichen und weiblichen Fächer. Faktisch gibt es sie, wenn man sich die reinen Zahlen anschaut. Aber generell können Frauen natürlich genauso gut sein in Naturwissenschaften, wie Männer. Das ist immer eine Sache von Vorbildern, eine Sache von Förderung, von Ermutigung, von Rollenverständnissen.

Claudia Maicher, Hochschulpolitische Sprecherin der Grünen

Dürfen Universitäten Militärforschung finanzieren?

Die "Zivilklausel" oder "Friedensklausel" verpflichtet Universitäten, nur für friedliche Zwecke zu forschen. Die Universität Leipzig untersteht einer solchen Klausel nicht. Was denkt Claudia Maicher darüber?

Ich persönlich finde Verbote in der Hochschul- und Wissenschaftspolitik schwierig – ich achte stark die Hochschul- und Wissenschaftsfreiheit. Aber ich begrüße es sehr, wenn Hochschulen sich selbst dazu verpflichten und sagen: ‚Wir machen mit öffentlich finanziertem Geld und auch mit Drittmitteln an unseren Hochschulen keine militärische Forschung, die Kriegseinstätze unterstützt.'  

Wichtig sei vor allem Transparenz. Zur Zeit werden die Senate der Hochschulen nur über Kooperationen in militärischem Kontext informiert, nicht aber über die konkreten Projektinhalte oder die Kooperationpartner. Das sollte sich per Gesetz ändern: Die Senate müssten in Zukunft genaue Informationen über die militärischen Forschungen an den einzelnen Hochschulen erhalten.

Statt der Miltärforschung sollten die Hochschulen die Friedensforschung etablieren. Denn mit Forschung zum Frieden könnten eher Lösungen für die Konflikte der Welt gefunden werden, als mit Forschung für den Krieg.

Details und Hintergründe zur Meinung der Grünen über sächsische Hochschulpolitik hören Sie im mephisto 97.6-Interview:

Moderator Nico van Capelle im Interview mit Claudia Maicher, Grünen-Abgeordnete im Sächsischen Landtag.
1101 Claudia Maicher von den Grünen über sächsische Hochschulpolitik
 

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