Geschäftsklimaindex

Es geht bergab

Vor drei Tagen wurde der deutsche Geschäftsklimaindex veröffentlich. Und: Es sieht nicht gut aus für die deutsche Wirtschaft!
Der Geschäftsklimaindex sinkt seit vier Monaten.

Vor drei Tagen veröffentlichte das Institut für Wirtschaftsforschung – kurz IFO – ihren monatlichen Geschäftsklimaindex. Dieser ist ein wichtiger Hinweis darauf, wie sich die Konjunktur in Deutschland entwickeln wird. Das Münchener Institut befragt dafür monatlich insgesamt 7.000 Unternehmen nach ihrer Einschätzung der Geschäftslage sowie ihrer Erwartungen für die nächsten sechs Monate.

Bereits im vierten Monat in Folge ist der Geschäftsklimaindex gesunken – und erreicht damit den tiefsten Stand seit einem Jahr. Heute wurden die Werte für den Geschäftsklimaindex in Ostdeutschland veröffentlicht. Robert Lehmann, Doktorand am Institut für Wirtschaftsforschung in Dresden, klärt über die Ergebnisse auf.

 

mephisto 97.6: Wie steht denn der Geschäftsklimaindex in Ostdeutschland im Vergleich zum bundesweiten Wert dar?

Robert Lehmann: Wir sehen derzeit, der ostdeutsche ist ebenfalls gefallen. Aber der Rückgang ist nicht ganz so stark wie in Deutschland insgesamt.

mephisto 97.6: Nach den Berichten vom August ist der bundesweite Geschäftsklimaindex gesunken – und zwar um 1,7 Punkte. Für einen Laien klingt das nach gar nicht so viel. Warum machen sich Ökonomen trotzdem Sorgen?

Robert Lehmann: Ja, das Problem ist daran, dass 1,7 Punkte doch schon ein sehr großer Rückgang sind, auch im Vergleich der letzten Jahre. Wir machen uns deswegen Sorgen, weil die deutsche Wirtschaft eigentlich sehr gut in das Jahr 2014 gestartet ist und jetzt so leicht immer mehr an Kraft verliert. Und das deutet auch darauf hin, dass es vor allem im dritten Quartal dieses Jahres doch wahrscheinlich eine eher schlechtere Wirtschaftsleistung gab, als zunächst noch Anfang des Jahres vermutet.

mephisto 97.6: Warum ist denn der Geschäftsklimaindex allgemein ein Zeichen für eine schlechte Konjunktur in Deutschland?

Robert Lehmann: Das Gute ist daran, dass wir den Indikator unmittelbar auf der Unternehmensebene erheben. Das heißt, wir befragen die Geschäftsführer oder die Leiter in den einzelnen deutschen Unternehmen nach ihrer Geschäftslage, als wie sie ihre Geschäfte zurzeit einschätzen. Und wir fragen sie nach einer Zukunftskomponente, also wie es ihnen in den nächsten sechs Monaten geschäftlich gehen wird. Und der Mittelwert daraus ist der Geschäftsklimaindex. Und der erwies sich in den letzten Jahrzehnten als sogenanntes Barometer für die deutsche Wirtschaft. Das heißt, geht der IFO-Geschäftsklimaindex nach oben, wird auch die deutsche Wirtschaft in Zukunft entwickeln, geht er nach unten, hat das natürlich schlechtere Vorzeichen.

mephisto 97.6: Woran liegt es, dass der Wert im viertel Monat in Folge gesunken ist?

Robert Lehmann: Ja, es liegt ganz klar auf der Hand, dass der größte Teil davon die geo-politischen Spannungen sind, wie die Ukraine-Russland-Krise und die Konflikte im Nahen Osten. Und das führt natürlich letztendlich dazu, dass die Unternehmer zum Einen Angst haben zu investieren, weil sie Unsicherheit verspüren. Sie fragen sich, ob ihre Produkte noch weiterhin verkauft werden – auch in diese Länder. Zum Anderen muss man sagen, dass Volkswirtschaften wie Frankreich und Italien, also die großen Spieler in Europa, derzeit ein bisschen schwächeln und dann natürlich auch unsere Produkte aus Deutschland nicht mehr kaufen. Davon haben die Unternehmer natürlich zunehmend Angst.

 

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