Kindergärten

Erzieher unter Strom

Eltern, Erzieher und Verbände demonstrierten heute in Dresden für mehr Betreuungspersonal in Kitas.
Demonstranten in Dresden

Ein Kind sitzt weinend am Boden, das andere räumt gerade beharrlich einen Schrank aus - und die Erzieher sind mehr als genug mit den übrigen achtzehn Kindern der Gruppe beschäftigt. So kann es in sächsischen Kindergärten durchaus manchmal aussehen, denn es herrscht Fachkräftemangel. Dagegen wurde heute in Dresden demonstriert, die Veranstaltung endete mit einer Kundgebung vor dem Kultusministerium. Einer der Organisatoren ist die Volkssolidarität Elbtalkreis. Geschäftsführer Frank Stritzke sieht die Kita-Situation mehr als kritisch.

Es gab in den letzten Monaten hier auch schlimme Unfälle, Kultus redet das klein, dass es nicht am Personalschlüssel liegt, aber wenn Kinder aus dem Fenster fallen oder sich verbrühen, kann das durchaus mal passieren, es passieren immer Kinderunfälle in den Einrichtungen. Aber wir haben im Durchschnitt bei unseren 3200 Kindern rund 150 Kinderunfälle im Jahr. Und ein Großteil davon könnten verhindert werden, das sagen wir ganz deutlich, wenn wir natürlich entsprechend mehr Personal hätten. Frank Stritzke von der Volkssolidarität Elbtalkreis

Zu viele Kinder für einen Erzieher

Auch Sabine Wöß ist besorgt. Sie leitet die Kindertagesstätte "Riesen- und Zwergenland" in Leipzig-Gohlis. In ihrer Zeit als Leiterin musste sie schon öfter bei den Kindergruppen einspringen, weil einfach nicht genug Erzieher da waren. Schließlich haben auch Kinderbetreuer manchmal Urlaub oder werden krank. Genau diese Möglichkeiten schließt der Betreuungsschlüssel der Regierung allerdings nicht ein. Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung ist ein Erzieher in Ostdeutschland meist für rund 12 Kinder verantwortlich - das seien zu viele. Die Überforderung führt bei vielen Erziehern zu Stress und Ermüdung. Sabine Wöß ist auch schon Fällen von Burn-Out begegnet.

Es geht doch an die Substanz von den Erziehern, weil sie stehen immer unter Hochspannung, immer unter Strom, haben zwar mal drei Wochen Urlaub oder zwei Wochen Urlaub am Stück, aber das bedeutet, wenn sie wieder zurück kommen gehen andere in Urlaub und die Kinder aus den anderen Gruppen müssen ja auch wieder betreut werden. Sabine Wöß, Erzieherin in Leipzig

Die Demonstration in Dresden wird am Freitag durch einen sachsenweiten Tag der offenen Tür ergänzt. Rund 100 Einrichtungen werden teilnehmen und weiter auf das Problem der fehlenden Erzieher aufmerksam machen.

mephisto 97.6 - Redakteurin Alexandra Huth über die Demonstration in Dresden.
Erzieherdemo

 

 

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Alexandra Huth
29.08.2014 - 09:34