6. Bibliothekskongress

"Erstanlaufstellen für Flüchtlinge"

Bibliotheken werden immer mehr zu Datenbanken. Am besten, der Nutzer findet alles digitialisiert im Internet. Aber wie wichtig sind Bibliotheken heute überhaupt noch als Ort? "Wichtiger denn je", so der Kongress – auch zur Integration von Geflüchten.
sieren ihre Bestände zunehmend
Bibliotheken digitalisieren ihre Bestände zunehmend

Unter dem Motto „Bibliotheksräume – real und digital“ findet bis Donnerstag der Bibliothekskongress statt. Veranstaltet wird der Kongress vom Verband Bibliothek und Information Deutschland, kurz BID. In verschiedenen Veranstaltungen soll darüber diskutiert werden, wie man Bibliotheken attraktiver gestalten kann. Entscheidend dafür ist laut Heinz-Jürgen Lorenzen, dem Präsidenten des BID, digitale Medien einzubinden.

Der Bericht von mephisto 97.6-Reporterin Marisa Becker zum nachhören:

Marisa Becker berichtet vom 6. Bibliothekskongress in Leipzig
Marisa Becker berichtet vom 6. Bibliothekskongress in Leipzig

Bibliotheken zur Integration

Bibliotheken seien aber jetzt schon weit mehr als nur Hallen voller Bücher, so Lorenzen weiter. Sie würden einen erheblichen Teil zur Willkommenskultur in Deutschland beitragen:

Bibliotheken sind Erstanlaufstellen für Flüchtlinge. Durch das WLAN in den Bibliotheken können sie Kontakt zu ihren Familien aufnehmen, was für sie sehr wichtig ist. Wir versuchen natürlich auch Wege in die Angebote der Bibliothek zu ebnen.

Heinz-Jürgen Lorenzen, Präsident des BID

Dieses Angebot müssten Bibliotheken als Bildungs- und Kulturinstitutionen dringend ausweiten, erklärt Lorenzen. Dazu gehöre auch, Lexika, Arbeitsplätze, Sprachkurse und Fachpersonal flächendeckend bereit zu stellen.

Gastland USA

Jedes Jahr wird ein Gastland auf den Kongress eingeladen. Das Gastland des diesjährigen Kongresses sind die USA. Die Kooperation beschränkt sich aber nicht nur auf die Veranstaltung in Leipzig, wie Lorenzen erklärt. Bis 2019 werde der BID mit den Kollegen aus den USA kooperieren und den Austausch über den Ozean hinaus deutlich intensivieren. In Amerika sehe man ein großes Innovationspotential. Man hoffe, voneinander zu lernen, wie man Bibliotheken neu denken kann. Sari Feldman, Präsidentin der American Library Association, erklärt, dass die Deutschen und Amerikanischen Bibliotheken sich bis auf einen Punkt ziemlich ähnlich seien:

Es gibt einen großen Unterschied: In Amerika geht es weniger darum, was wir den Leuten an Büchern bieten, sondern mehr darum, was wir für die Menschen tun. Wir unterstützen die Menschen beim Entdecken von neuen, digitalen Medien und zeigen ihnen, wie sie eigenen digitalen Inhalt erzeugen können.

Sari Feldman, Präsidentin der American Library Association

Bibliotheken seien nie wichtiger für die Gesellschaft gewesen, als sie es heute sind, sagte Feldman weiter. Im Dschungel der digitalen Medien müsse man den Menschen Fachpersonal an die Hand geben. Das unterstützt sie, effektiv mit den neuen Medien zu arbeiten. Dass Bücher in Zukunft aus den Bibliotheken verschwinden werden, hält Lorenzen vom BID für unwahrscheinlich. Trotz der zunehmenden Digitalisierung gäbe es immer einen Grund, zum klassischen Buch zu greifen.

 

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Magnus Folten, Marisa Becker
14.03.2016 - 17:50