Frisch Gepresst: The Chats

Errockung Öffentlichen Ärgernisses

Am Freitag haben The Chats ihr Debütalbum “High Risk Behaviour” veröffentlicht. Damit können sich alle, denen Pubs, Erregung öffentlichen Ärgernisses und anderer Schabernack im Social Distancing fehlen, wenigstens musikalisch in Bierlaune versetzen.
The Chats

„High Risk Behaviour“ breitet den hochenergetischen “Shed Punk”, wie The Chats ihren Musikstil selbst betiteln, auf 28 knackige Minuten, aufgeteilt in 14 Tracks (die Durchschnittslänge kann sich jedeR errechnen) aus. The Chats gehören dabei zusammen mit Bands wie IDLES, Viagra Boys oder FONTAINES D.C. zu einer kleinen Bandwelle, die zurzeit Punkmusik mit neuem Twist wieder in den Vordergrund spielt.

Punk, fit gemacht für die 2020er

Dabei erfinden The Chats Punkmusik nicht neu, im Gegenteil: Das Klanggerüst ist endstumpfes Punkgeschmetter, pro Song ausgebreitet auf durchschnittlich ein bis zwei Minuten und gefühlt ebenso viele Akkorde – das funktioniert mal besser, mal schlechter: „Better Than You“ oder „4573“ sind Titel, von denen nichts wirklich hängenbleibt - aus den Ohren, aus dem Sinn. Andere Tracks wie „Identity Theft“ oder „Keep The Grubs Out“ schaffen es durch sperrige Lyrics und witzige Stories wiederum, trotz der schon tausendfach dagewesenen Klangästhetik auch nach dem Hören im Kopf zu bleiben. Die starken Momente der Platte haben dabei alle eines gemeinsam: Der Wiedererkennungswert und Spaßfaktor kommt erst durch die Performance vom Bassisten und Sänger Eamon Sandwith und die schrägen Lyrics.

Bowl o' chips, tomato sauce
Can't get enough, I'm beggin' for more
'Cause I came here at a quarter to six
And I ain't gonna leave 'til I get my fix

All I want and all I need
All I crave is a good pub feed
All I want and all I need
All I crave is a good pub feed

Song: "Pub Feed"

Der herrlich hingeschnauzte Aussie-Akzent (der für europäische Ohren zugegebenermaßen immer ein bisschen nach Outbackfarm, harter, ehrlicher Arbeit und nie ganz ernst gemeint klingt), Sandwiths krakeelende Stimme, (die hier und da in jungenhaftes Rumgebläke abrutscht), und nicht zuletzt durch die bewusst salonunfähigen und mit weirdem Aussieslang gespickten Lyrics machen das Album zu mehr als einer x-beliebigen Funpunkplatte.

G'schichtn aus'm Australiergarten

Dabei kommt der Musik zu Gute, dass die Jungs von The Chats selber schon genug Skurriles erlebt haben, das sie für ihre Texte verwenden können: Fast alle Songs basieren auf Anekdoten aus dem Leben der drei. Der Spoken-Word Track „Keep the Grubs Out“ ist zum Beispiel Sandwiths Abrechnung mit einem Türsteher einer Bar in Brisbane, der ihm wegen seines Vokuhila den Eintritt verwehrte; „The Clap“ thematisiert eine STD-Erfahrung eines (anonymen) Bandmitglieds, und auch der Albumtitel hat seinen Hintergrund: Drummer Matt Boggis sah sich nach einer illegallen Skate-Aktion einmal mit dem polizeilichen Vorwurf „High Risk Behaviour“ konfrontiert – das klang für The Chats schräg genug, um ihr Debütalbum danach zu benennen.

Deftig, kräftig würzig, gut:

Wer Punkmusik mit all ihrer Stumpfheit und ihrem Krach nervig findet, wird sich wohl auch schwertun, an „High Risk Behaviour“ Spaß zu haben. Die schrägen Lyrics und der Art und Weise wie Sänger Sandwith sie abliefert bieten aber durchaus auch für die Anknüpfungspunkte, die mit Punk sonst nichts anfangen können. Und für all diejenigen, in deren Herz ein Platz für scheppernde Gitarrenmusik und witzige Lyrics ist, ist „High Risk Behaviour“ ein absoluter Tipp!

 

Kommentieren

The Chats: High Risk Behaviour

Tracklist:

1. Stinker

2. Drunk n Disorderly

3. The Clap

4. Identity Theft *

5. The Kids Need Guns

6. Dine N Dash

7. Keep the Grubs Out *

8. Pub Feed *

9. Ross River

10. Heatstroke

11. Billy Backwash's Day

12. 4573

13. Do What I Want *

14. Better Than You

 

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 27.03.2020
Bargain Bin