Mundraub

Erlaubter Obstklau

Der Apfelbaum am Straßenrand und die Brombeerbüsche im Park – oft verdirbt das Obst hier. Früchte von wildwachsenden Pflanzen für den Eigenbedarf pflücken ist laut Bundesnaturschutzgesetz erlaubt. Einfach wird es dank der Initiative mundraub.org.
Birnbaum
Laut Gesetz dürfte man diese Birne pflücken.

Mundraub beschreibt das Entwenden von Nahrungsmitteln. Das ist dann erlaubt, wenn es sich um eine geringe Menge handelt, die für den eigenen und baldigen Gebrauch benutzt wird. Schon in der Bibel gibt es Stellen, die von erlaubtem Mundraub erzählen. So auch im Fünften Buch Mose:

Wenn du in den Weinberg eines andern kommst, darfst du so viel Trauben essen, wie du magst, bis du satt bist, nur darfst du nichts in ein Gefäß tun. Wenn du durch das Kornfeld eines andern kommst, darfst du mit der Hand Ähren abreißen, aber die Sichel darfst du auf dem Kornfeld eines andern nicht schwingen.

Diese Art von Mundraub würde unter der heutigen Rechtslage als Diebstahl gelten. Mit der Strafrechtsreform im Jahr 1975 wurde der Mundraub nicht etwa entkriminalisiert, sondern ab sofort mit Diebstahl geahndet. Jetzt gibt es laut Gesetz keinen Unterschied mehr zwischen dem Entwenden von Äpfeln auf einer Obstwiese oder dem Diebstahl von Äpfeln in einem Supermarkt. Das unerlaubte Betreten privater Flächen wäre zudem noch Hausfriedensbruch. Aber es gibt eben auch Ausnahmen wie das Bundesnaturschutzgesetz in §39 Abs. 3 erklärt:

Jeder darf abweichend von Absatz 1 Nummer 2 wild lebende Blumen, Gräser, Farne, Moose, Flechten, Früchte, Pilze, Tee- und Heilkräuter sowie Zweige wild lebender Pflanzen aus der Natur an Stellen, die keinem Betretungsverbot unterliegen, in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf pfleglich entnehmen und sich aneignen.

Mit diesem Gesetz wird es legal für den Eigenbedarf Früchte von wildlebenden Pflanzen zu pflücken. Auf dieses Recht bezieht sich auch die Initiative mundraub.org. Hier können sich die sogenannten Mundräuber über Fundorte austauschen. Die Homepage funktioniert wie ein Informationsportal. Dort gibt es eine digitale Landkarte auf der Standorte von Obstbäumen, Beeren, Kräutern oder Nüssen vermerkt sind. Die registrierten Nutzer können selbst entscheiden, welche Informationen sie zu ihrem Fundort angeben möchten. Die Community kann sich hier austauschen und berichtigen, zum Beispiel auch wenn ein eingetragener Fundort Eigentumsrechte verletzt. Jeder kann mundraub.org kostenlos und ohne Registrierung nutzen. Nur wer Fundorte eintragen möchte, muss sich anmelden. Wer also Mundräubern gehen will, braucht nur einen Blick auf die digitale Landkarte zu werfen. Überall in Deutschland und auch im Ausland sind Pflanzen eingetragen. Einen besonders fleißigen Mundräuber gibt es auch in Leipzig, sagt Konstantin Schroth vom Mundraub-Team:

"Und der hat auch schon knapp 200 Einträge gemacht, die auch alle tatsächlich im Raum Leipzig oder direkt in Leipzig in der Stadt sind. Grundsätzlich ist es natürlich für städtische Leute interessant, die keinen eigenen Garten haben. Wir haben gerade in Berlin wahnsinnig viele Einträge und hohe Zahlen haben wir auch im Ruhrpott."

Walnuss

Die meisten aktiven Mitglieder in der Mundräuber-Community kommen also aus Ballungsräumen. Gerade dort hat sich in letzter Zeit das Bewusstsein gegenüber Nahrungsmitteln verändert. Containern und Foodsharing sind schon Vielen ein Begriff.  Mit mundraub.org sollen in Vergessenheit geratene Früchte wieder bekannter werden. Abgesehen von den kostenlosen Früchten, gibt es für viele Mundräuber auch folgenden Grund: Viele der Früchte von wilden Pflanzen würden sonst einfach vergammeln. Nichts verkommen zu lassen scheint gerade ein Trend zu sein. Aber Konstantin Schroth hat dazu eine andere Meinung:

"Aber ich würde sagen das ist schon ein bisschen mehr als ein Trend geworden. Bewegung ist so ein großes Wort, aber wenn man sich jetzt anguckt, dass es echt knapp 20.000 registrierte Nutzer und ein Vielfaches an Leuten, die die Seite tatsächlich nutzen. Ich glaube, dass sich das schon ein bisschen verstetigt hat. Ein Ende ist gerade nicht absehbar."

Bei mundraub.org gehe es um eine gemeinschaftliche Nutzung erklärt Schroth und darum, die Leute für die Obstressourcen, die es sowohl in der Stadt als auch auf dem Land gibt, zu sensibilisieren. Diesen Herbst wird es zum ersten Mal ein Ernte-Camp geben. Für die Zukunft erhofft sich das Mundraub-Team mehr Offline-Aktionen, aber dafür brauche es eben auch die Leute vor Ort. 

Ein Beitrag über Mundraub von Simone Voit.
 
 

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