Theater

Episches Puppentheater

Moritz Sostmann bringt Brechts "Der gute Mensch von Sezuan" in Leipzig auf die Bühne. Die Schauspielenden überzeugen, die Inszenierung könnte aber flotter sein.
Foerderband
Das Bühnenbild (eine Lagerhalle) bleibt leider zu oft tote Kulisse.

Der Beitrag zum Nachhören:

Moderator Max Enderling im Gespräch mit Theaterredakteur Lucas Wotzka.
SG Brecht

Paketdienstleister sind in letzter Zeit häufiger in den Medien, meistens wegen der oft schlechten Arbeitsbedingungen. Das gilt auch für Versandhäuser wie Amazon. Das Bild einer Logistikhalle mit Förderbändern und haufenweise Paketen ist auch das Bühnenbild in Bertolt Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“ am Schauspiel Leipzig. Das Stück hatte am Samstag Premiere.

Das Stück spielt in Sezuan, einer Provinz in China. Die Handlung lässt sich grob wie folgt zusammenfassen: Drei Götter besuchen die Welt um nachzusehen, wie es den Menschen geht, die sie erschaffen haben. Sie treffen dort vor allem auf arme Leute wie den Wasserhändler Wang und die Prostituierte Shen-Te, der sie letztlich ermöglichen, einen Tabakladen zu eröffnen, in dem sie dann auch andere Bedürftige unterbringt.

Parabel auf die kapitalistische Gesellschaft

Brecht schreibt häufig moralische Theaterstücke. Auch der „gute Mensch von Sezuan“ hat politischen Gehalt. Im Zentrum des Stücks steht die Frage, wie und ob man ein guter Mensch sein kann. Die Widersprüchlichkeit zwischen Moralität, Armut und dem Streben nach Reichtum wird exemplarisch an den Figuren vorgeführt. Insofern ist „Der gute Mensch von Sezuan“ eine Parabel auf die kapitalistische Gesellschaft.

Beeindruckende Darstellung

Das Schauspiel Leipzig hat Brechts Text ganz im Sinne des epischen Theaters umgesetzt. Die Zuschauer sollen sehen, dass es Schauspielende sind, und die Illusion des Theaters wird auch durch die direkte Ansprache des Publikums gebrochen. Dargestellt werden alle Figuren von nur sechs Schauspielerinnen und Schauspielern, die ständig die Rollen wechseln – und auch mit Puppen spielen, denn diese Inszenierung ist halb Schauspiel, halb Puppenspiel. Die sechs haben keine Atempause, ziehen sich auf der Bühne um und hetzen von Szene zu Szene.

Die Bühne bleibt hinter den Möglichkeiten zurück

Das Bühnenbild besteht aus einer Lagerhalle mit vielen Paketen. Als Zuschauer sieht man es schon vor Beginn des Stücks und fragt sich, was es damit auf sich hat. Leider wird diese Frage nur unzureichend beantwortet – die Analogie zur modernen Warenlogistik bleibt eine vage Andeutung. Deutlich gelungener sind die großen Mülltonnen, die als kleine Bühnen auf der Bühne dienen. Das ist stimmungsvoll und passt gut zur dargestellten Armut, aber auch zu den klamaukigen Einlagen der Inszenierung. Unter anderem gibt es von der Muppet-Show inspirierte Puppenszenen.

Restlos überzeugen kann das Stück dennoch nicht. Die Leistung der Schauspielenden ist zwar beeindruckend, und auch einige der Gesangsnummern sind sehr gelungen. Die im Stück eigentlich so bedeutsame Musik von Paul Dessau kommt leider insgesamt etwas zu kurz, die Einbindung wirkt teilweise lieblos. Hinzu kommt, dass die Inszenierung mit drei Stunden Dauer (eine Pause) auch viele Längen hat.

 

Kommentieren

"Der gute Mensch von Sezuan" am Schauspiel Leipzig

Text: Bertolt Brecht

Musik: Paul Dessau

Regie: Moritz Sostmann

Bühne: Christian Beck

Dauer: ca. 3 Std. inkl. Pause

Termine (jeweils 19:30h):

07.12.

19.12.

11.01.