Porträt: Laura Gibson

Entkommen!

In einem Album kann viel mehr stecken als nur Musik. Die Sängerin Laura Gibson hat vor ihrem vierten Album "Empire Builder" zwei ereignisreiche Jahre gehabt. Wir haben gefragt, wie die teils tragischen Ereignisse sie und ihre Musik verändert haben.
Laura in NY
Laura Gibson in New York

Wer kann das denn nicht: ein bisschen Gitarre spielen und dazu singen. Wer heute Singer-Songwriter Musik macht, der sollte heraus stechen. Laura Gibson tut das weniger mit ihrer Musik, sondern eher mit den Geschichten die sie in ihren Texten erzählen kann. Die Amerikanerin ist eine spannende Person, die schon viel erlebt hat.

Ursprünglich kommt Laura von der Westküste der USA – aus Oregon. Im naturverwöhnten Staat produziert sie auch ihre ersten drei Alben. Doch dann kommt der Umbruch. Laura will unbedingt ihr Leben verändern, und zieht in die Weltstadt New York. Dort wagt sie einen Neuanfang. Zusätzlich zur Musik fängt sie an „Kreatives Schreiben“ zu studieren. Viel zu tun für die Mitte 30-jährige, der aber beide Dinge sehr wichtig sind.

Ich würde wahrscheinlich mehr in meinem Studium lernen, wenn ich keine Musik machen würde. Und ich würde mehr aus meiner Musik machen können, wenn ich nicht studieren würde. Aber ich kann auf beides nicht verzichten. So habe ich einfach nicht so viel Freizeit.

Laura

Voller neuer Eindrücke beginnt die Amerikanerin mit der Arbeit am vierten Album. Die Hälfte der Songs hat sie bereits geschrieben, als ein (einziger) Tag ihre Welt auf den Kopf stellt. Ein Gasleck sorgt dafür, dass ihre Wohnung komplett niederbrennt. Ihre Nachbarn sterben. Laura selbst kann flüchten, doch sie verliert ihre gesamten Aufzeichnungen. Außer ihrem Handy besitzt sie nichts mehr. In den nächsten Monaten lernt sie New York als eine zuvorkommende Stadt kennen – voller Menschen, die ihr wieder auf die Beine helfen.

Ich kam aus dem Gebäude und hatte nur mein Handy bei mir. Also habe ich meine Mutter angerufen und ihr erzählt, was passiert ist, damit sie es nicht durch die Nachrichten erfährt. Dann kam eine Frau, die das zufällig gehört hatte und drückte mir 40 Dollar in die Hand. Sie meinte: „Das ist alles, was ich gerade bei mir habe, aber du wirst es brauchen!“

Laura

Für Laura stellt sich nun die Frage: was tun? Sie schreibt bereits geschriebene Texte aus dem Gedächtnis wieder auf. Außerdem entsteht in dieser schweren Zeit viel neues Material. Ein Jahr später landet all das zusammen auf Laura Gibsons viertem Album. Sie nennt ihre Platte „Empire Builder“ – so wie der Zug, der sie von Portland nach New York gebracht hat.

Das Album reflektiert sehr genau das innere Leben der Sängerin. Die Flucht und der Neuanfang in New York werden genauso behandelt wie das tragische Ereignis. Das Album ist ruhig gehalten und lädt dazu ein, auf die Texte zu hören. Bei denen hat sich im Vergleich zu früher einiges verändert für Laura. Das liegt an ihrem derzeitigen Studium.

Ich habe beobachtet, dass ich beim Songwriting inzwischen ein viel konkreteres Bild male. Das habe ich zwar schon immer ein bisschen getan. Aber jetzt ist mein Ziel nicht mehr etwas Poetisches zu schreiben, sondern eher ein spezifisches Bild, ohne das groß zu umschreiben. Ich will ein bisschen Pointierter sein.

Laura

In ihren Texten ist Laura direkter geworden. Dass sie eine wortgewandte Person ist, zeigt sie auch im Interview. Sie ist stets freundlich, überlegt aber genau was sie sagt. Nach der zweiwöchigen Europa-Tour sitzt Laura Gibson jetzt wohl wieder in der Uni. Da wird sie weiter daran arbeiten, dass es auch in Zukunft interessante Geschichten über sie zu berichten gibt. Laura arbeitet derzeit nämlich auch an ihrem ersten eigenen Roman.

 

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