Literatur

Englands "Extreme Master" im Interview

Matt Shaw ist ein Star im literarischen Underground. mephisto 97.6 hat den Horrorautor aus Southampton getroffen und mit ihm über guten Horror, seine Filme, Romane, Ängste und schräge Oktopus-Fantasien gesprochen.
Matt Shaw im Interview
Autor Matt Shaw [links] im Interview mit mephisto 97.6 - Redakteur Janick Nolting [rechts]

Es gibt wohl nur wenige Horrorautoren auf der Welt, die einen solchen künstlerischen Output haben wie Matt Shaw. Unzählige Kurzgeschichten, Novellen und Romane hat der Engländer in Eigenregie veröffentlicht, seine Genrevielfalt reicht von Lovestorys zwischen Mann und Truthahn über klassischen Grusel bis zum Extreme-Horror. Mit seinem schrägen Humor und seiner Radikalität hat er über die Jahre eine weltweite Fangemeinde um sich geschart. Nebenbei geht Matt Shaw seiner zweiten großen Leidenschaft nach: dem Film. Mit Monster hat er beispielsweise erfolgreich einen seiner eigenen Horrorromane adaptiert. Der FESTA-Verlag bringt ausgewählte Romane des Schriftstellers auch den deutschen Leserinnen und Lesern näher. 

Trotz abgesagter Buchmesse hat es sich Matt Shaw nicht nehmen lassen, für ein Meet & Greet nach Deutschland zu kommen. mephisto 97.6 - Redakteur Janick Nolting hat ihn im Verlagsbüro zu einem Interview getroffen: 

Matt, die Welt durchlebt gerade schwere Krisen. Wie ist für dich da die Arbeit als Horrorautor, wenn du den ganzen Tag über schlimme Dinge nachdenken musst?

Ich denke, heute, wo die Welt gerade ein Stück weit zur Hölle fährt, ist das schwieriger! Heute hast du einen amerikanischen Präsidenten, der dumme Fehler begeht, in England machen wir auch dumme Fehler. Also immer dann, wenn ich mich hinsetze und mir überlege, Ah, das wäre doch ein gutes Horrorbuch, tun die Leute genau diese Dinge. Dann denkt man sich, Mist, jetzt muss ich mir wieder etwas Neues ausdenken. Ich könnte zum Beispiel eine Geschichte über ein Virus schreiben, aber schon ist das Virus da! Vielleicht sollte ich ab jetzt doch lieber Romanzen schreiben...

Wenn ich mir deine Social-Media-Accounts anschaue, dann… 

Ups…

…habe ich immer den Eindruck, dass du rund um die Uhr beschäftigt bist und ständig an neuen Büchern und Filmen arbeitest. Wie sieht ein gewöhnlicher Arbeitstag für dich aus?

Das ist eigentlich ziemlich langweilig, wenn du die Wahrheit wissen willst. Meine Frau steht um 5 Uhr morgens auf und bewegt sich durch das Haus wie ein Elefant, sodass ich auch wach werde und mit der Arbeit anfange. Sie kommt dann gegen 19 Uhr nach Hause, bis dahin sitze ich am PC und bin hektisch am Tippen. Wenn Sie von der Arbeit kommt, koche ich Abendessen und wenn sie dann ins Bett geht, schreibe ich weiter.  Das Problem ist nur: Ich habe einen kleinen Mops zu Hause und der kuschelt sich dann an mich und fängt an zu schnarchen und dann war´s das. Dann lege ich mich mit hin und schlafe den halben Tag auf dem Sofa.

Das Schreiben kam bei dir zuerst, dann das Filmemachen. Was hat dich zum Schreiben gebracht?

Ich bin damals zum Arzt gegangen, weil ich ein sehr wütender Mensch war. Wenn wir uns draußen treffen und du sagst etwas, das mich aufregt, dann hätte ich wohl in eine Wand geschlagen oder mein Haus zerstört. Also bin ich zum Arzt gegangen, um das unter Kontrolle zu kriegen, weil du so einfach nicht leben kannst. Und die haben vorgeschlagen, ich solle doch meine Gefühle in einem Buch aufschreiben. Das fand ich erst etwas dämlich, aber dann habe ich angefangen, mein ganzes Leben niederzuschreiben. Alle Teile, die irgendwie schiefgelaufen sind und die mich zu dieser wütenden Person gemacht haben. Ich habe ein Buch geschrieben mit dem Titel The Autobiography Of A Nobody, in dem alles drin stand, was ich durchgemacht habe, und ich hatte beim Schreiben eine wunderbare Zeit. Also dachte ich mir, ich nehme jetzt alle Skripte, die ich mit 15 verfasst habe, mache Romane daraus und veröffentliche sie. Also es war im Grunde genommen alles ein großer Zufall.

Du hast ein Tattoo von Roald Dahl. Ist er ein Vorbild für dich?

Ja, er ist einfach der beste Autor. Ich lese ja selbst keinen Horror. Also alle Autoren, die hier vom FESTA-Verlag veröffentlicht werden, lese ich gar nicht. Ich habe riesigen Respekt vor ihnen, das sind großartige Autoren, aber ich will nicht, dass sich irgendwann meine Worte wie ihre anhören. Also lese ich Kindergeschichten und Autobiographien und Roald Dahls Kindergeschichten sind ja ziemlich düster. Er tötet Kinder. Das finde ich fantastisch! Du weißt schon, das ist doch das beste Kind... das man einfach so töten kann. (scherzhaft)

 „Hexen, hexen“ war traumatisierend für uns alle…

Ja, damit bin ich aufgewachsen! Das war schrecklich, wie sie da die Kinder in Mäuse verwandelt und sie zertreten haben. Aber das war fantastisch! (lacht)

War das dann auch dein erster Kontakt mit dem Horrorgenre, auch wenn es eher Horror für Kinder ist?

Ja, vielleicht schon. Die allererste Begegnung mit Horror generell war aber eigentlich Nightmare on Elm Street, obwohl mich meine Eltern immer von sowas fernhalten wollten. Sie hatten aber so einen alten Videorekorder im Wohnzimmer und als sie mal nicht zu Hause waren – da war ich neun Jahre alt – habe ich mir den Film heimlich angeschaut. Aber nach vielleicht 10 Minuten habe ich mir in die Hosen gemacht und ihn ausgeschaltet. Ich habe ihn dann erst ungefähr drei Jahre später zu Ende schauen können. Also erst war´s Freddy Krueger, dann Roald Dahl! 

Matt Shaw im Interview
Matt Shaw im Interview   

Was macht für dich eine gute Horrorgeschichte aus?

Das hängt davon ab, welche Art Horror du schreibst! Ich persönlich mag psychologischen Horror, wo alles im Kopf stattfindet. Ich habe zum Beispiel mal ein Buch geschrieben namens The Cabin, wo sehr stark Geräusche im Vordergrund stehen. Es geht da um einen Mann, der völlig isoliert ist, aber ganz viele Stimmen um sich herum hört. Ich denke, so etwas ist viel gruseliger als ständig nur Blut und Eingeweide zu sehen! Aber genau das Blut und all diese Dinge lieben eben auch meine Leser, also versuche ich immer, das alles etwas zu kombinieren.

Wie haben deine Familie und Freunde reagiert, als sie deine ersten Extreme-Horror-Romane gelesen haben?

Die lesen das nicht. Aber ich muss tatsächlich sagen: Meine Mutter redigiert meine Arbeiten, was sehr peinlich ist. In Perverse Schweine gibt es ja die Szene, in der der Sohn Sex mit der Mutter hat. Ich kann ihr wohl nie wieder in die Augen schauen. (lacht) Denke bitte nicht, dass ich so über dich denke, ich liebe dich nicht SO, Mama! …Aber wenn meine Mutter das liest, dann konzentriert sie sich eher auf die Schreibfehler und die Grammatik, weil sie eigentlich keinen Horror mag. Mein Vater liest meine Sachen eher nicht. Ich glaube, er hat nur ein paar gelesen vor langer Zeit, und meine Frau sagt, das ist sowieso sinnlos, weil du mir eh schon verrätst, was passiert. Das mache ich wirklich! Ich bin da immer sehr aufgeregt beim Schreiben und erzähle ihr das Ende.

Ich finde es faszinierend, dass deine Romane in einer sehr kurzen und klaren Sprache verfasst sind und sie sich ganz oft wie Drehbücher lesen. Wie bereichern sich denn der Filmemacher Matt Shaw und der Autor Matt Shaw gegenseitig?

Ich bin kein Fan von Autoren wie Stephen King! Dafür werde ich wahrscheinlich geschlagen, er ist ja hochangesehen. Ich will nicht sagen, dass er nicht talentiert ist, aber ich habe einfach keine Zeit, ewig zu lesen, was das Lieblingsgetränk der Figur ist und solche Sachen. Das ist mir doch egal, ich will zur Sache kommen! Ich habe mit 13 angefangen, Drehbücher zu schreiben. Das ist einfach viel mehr auf den Punkt und das ist dann auch bei den Romanen in meinen Schreibstil übergeschwappt. Ich denke, die Leute heute sind sehr im Stress, und da ist es manchmal schön, einfach ein Buch nehmen zu können, sich hinzusetzen, es auf der Toilette durchzulesen und fertig! 

Matt Shaw
Matt Shaws Romane im Festa Verlag   

FESTA hat vor kurzem zwei deiner Romane veröffentlicht: Boys´ Night, den du zusammen mit Wrath James White geschrieben hast, und Oktopus. Ich habe ja schon sehr viel gelesen und sehe sehr viele Filme jedes Jahr, aber diese Vergewaltigungsszene am Anfang von Boys´ Night, die hat mich wirklich schockiert. Glückwunsch dazu!

Das war ich nicht! Wrath hat die Szene geschrieben und das hat mich auch schockiert. (lacht) Ich dachte mir auch, Verdammt, der legt hier ja richtig los. Dann war mir aber klar: Okay, jetzt bin ich dran! Also Ja, er ist schon ein sehr aggressiver Schriftsteller.

Wie muss man sich denn diese Zusammenarbeit vorstellen? Schreibt da jeder ein Kapitel und dann schickt man sich es gegenseitig? 

Ich kann mich kaum erinnern, Boys´ Night ist schon eine ganze Weile her. Normalerweise schreibt aber jeder abwechselnd ein Kapitel. Ich habe zum Beispiel auch ein Buch mit Michael Bray geschrieben, Art heißt das. Da haben wir es so gemacht, dass er einige Kapitel über eine Figur schreibt und ich mache das dann so mit einer anderen Figur. Die Geschichte, die ich mit Wrath geschrieben habe, war vor allem sehr temporeich. Ich bin dann zu ihm hin und meinte, ich habe eine Idee, aber dann sagt er (mit tiefer Stimme): Nein, ICH hab´ eine Idee! Und ich so: Okay, du gewinnst. Machen wir so.

…und dann hat Amazon euer Buch verbannt, ihr durftet es dort nicht verkaufen. Denkst du, die Gesellschaft ist immer noch nicht offen genug für diese Art Horror?

Oh, ich denke, Amazon sollte mal seinen Kopf aus dem Arsch ziehen und die Leute selbst entscheiden lassen, was sie lesen wollen! Zensur ist ein großes Problem für mich. Ich schrecke nicht vor heftigem Horror zurück und wenn das nicht nach deinem Geschmack ist, dann lies es nicht! Es gibt unzählige andere Bücher für dich. Ich mag dich, aber lies es einfach nicht! Aber hier dreht sich ein Konzern um und sagt: Du darfst das nicht lesen, weil uns das nicht gefällt. Ich würde es verstehen, wenn ich sowas wie Kinderpornografie schreiben würde, aber eine Horrorgeschichte, eine fiktionale Horrorgeschichte sollte man nicht sperren. 

Nochmal konkret zu Boys´ Night: Was macht dich und Wrath zu einem perfekten Autoren-Paar?

Ich denke, auch wenn wir aus zwei völlig verschiedenen Welten kommen, haben wir sehr ähnliche Ansichten, was wir von unseren Geschichten erwarten. Ich fand die Arbeit mit Wrath einfach sehr entspannt. In der Vergangenheit habe ich ja schon öfter mit anderen Autoren gemeinsam geschrieben und das kann manchmal sehr anstrengend sein, weil jeder in seine eigene Richtung gehen und für seine Leser schreiben will. Aber Wrath hat seine Leserinnen und Leser und die sind meinen sehr ähnlich, also konnten wir uns da einfach zusammen voll reinstürzen.  

Matt Shaw
Matt Shaw im Interview   

Als ich gelesen habe, dass du mit Oktopus eine Lovecraft-Geschichte schreibst, dachte ich: Das ist mutig! Wie kam die Idee dazu?

Um ehrlich zu sein, ich habe keine Ahnung! Bevor ich die Geschichte geschrieben habe, hatte ich nur diese eine Szene im Kopf, als ich mich gefragt habe: Was wäre, wenn man einen Oktopus in eine Lady reinstopft? Ich hatte nämlich vorher eine Reportage gelesen über ein Aquarium. Da waren in dem einen Tank ganz teure Fische und in dem anderen Tank war ein Oktopus und jeden Tag war einer der Fische verschwunden. Die Leute dachten schon, die Angestellten in dem Laden würden die Fische klauen, aber in Wirklichkeit hatte der Oktopus einen Weg gefunden, nachts heimlich in den Tank zu gelangen, einen Fisch zu fressen und dann wieder in seinen Tank zurückzugehen. Also habe ich mich gefragt: Könnte man einen Oktopus in eine Lady stecken? Könnte er sie schwängern? Und könnte dadurch Cthulhu zurückkommen? (lacht) Also es war einfach einer dieser Was-wäre-wenn-Momente.

Aber wie hast du diese Herausforderung gemeistert, einerseits H.P. Lovecraft Respekt zu zollen und andererseits auch etwas Neues hinzuzufügen?

Ich habe Lovecraft einfach komplett ignoriert, für mich existiert er nicht. Wenn du über Leute wie mich oder Wrath ein Buch schreiben wölltest, dann kannst du dich auch in so vielen Details verlieren, dass es kompletter Mist wird. Also wenn ich versuchen würde, wie Lovecraft zu schreiben, dann geht das schief, weil er einfach ein Meister in seinem Fach ist. Ich habe stattdessen eher auf die Kulte geschaut, die ihn umgeben. Also besonders die Leute, die tatsächlich denken, Cthulhu sei real und würde eines Tages erwachen. Die haben mich mehr interessiert als der Autor selbst, auf sie habe ich mich konzentriert. Das war sicherer.  

Und wo wir schon über Respekt vor großen Künstlern reden: Du arbeitest gerade an einem neuen Nightmare on Elm Street-Film! Warum ausgerechnet diese Reihe?

Weil sie, wie schon gesagt, mir als Kind richtig Angst gemacht hat, deshalb wollte ich das machen. Andere lieben ja Jason Vorhees, aber ich denke mir immer: Der ist doch langweilig, der rennt nur mit seiner Hockeymaske und dieser kleinen Machete durch die Gegend! Freddy Kruger ist aber in einer Traumwelt, er ist vielmehr Einbildung. Ich habe dann eine Fanfiction auf einer Patreon-Seite darüber geschrieben und war überzeugt, dass man daraus einen ziemlich guten Film machen könnte. Also habe ich eine crowdfunding-Kampagne gestartet, ein Skript geschrieben und das in Angriff genommen. Das war schon eine Erfahrung! Ich habe heute erst die erste Schnittfassung gesehen…

Musst du dafür die Rechte kaufen oder kann jeder einfach so einen Nightmare on Elm Street-Film drehen?

Nein, wir haben das einfach niemandem erzählt. Wir sind ruhig geblieben. Es ist ja nur ein Fanfilm. Das kann man machen, solange man damit nicht in direkter Konkurrenz zu dem Studio steht und kein Geld damit verdient. Dieser Film ist zwar nur um die 14 Minuten lang, aber er hat mich 16 000 Pfund gekostet. Also da ist ziemlich viel Geld reingeflossen, aber ich darf nichts davon zurückbekommen. Aber ich dachte mir: Wenn wir einen Nightmare-Film drehen, dann gehen die Leute, die mich noch nicht kennen, auf YouTube, schauen ihn gratis an und wenn es ihnen gefällt, dann schauen sie danach vielleicht auch nach meinen anderen Filmen und Büchern. Also es hat etwas von Zocken!  

Ich hatte ja eigentlich das Gefühl, dass das Nightmare-Franchise inzwischen tot ist. Es gab zwar noch das Remake von 2010, das war ganz okay, aber was ist jetzt das Besondere an deiner Version von diesem Stoff?

Absolut nichts! (scherzhaft) Nein, also ich wollte schon etwas Anderes machen! Es geht bei Nightmare on Elm Street ja immer um die gleichen Muster, wer Freddy ist, dann will man ihn bekämpfen und Bla Bla Bla, das langweilt mich. In meinem Film weiß die Figur von Freddy, wir verschwenden keine Zeit damit, ihn dem Publikum zu erklären, sondern können uns direkt damit befassen, wie wir Freddy enthüllen wollen und, glaube mir, es ist ziemlich ekelhaft, wie er auf der Leinwand erscheint. Es ist großartig! Ich wollte neue Charaktere einführen und ein neues Freddy-Universum aufbauen, denn zu Hause habe ich noch ein 80 Seiten langes Drehbuch, das genau darauf aufbaut. In dem tauchen dann viele verschiedene Horror-Ikonen auf, aber es ist immer noch das Nightmare on Elm Street-Franchise! Da hat man dann Pinhead, Jason, Chucky, alle kommen zusammen. Ich will so eine Art MARVEL-Universum, in dem dann alle Horrorfiguren gemeinsam auftreten und kämpfen. Das stelle ich mir großartig vor!

Also wie das Dark Universe von Universal, das dann nie passiert ist…

Genau! Danke, Tom Cruise!

Hier in Deutschland ist es ziemlich schwer, Horrorfilme zu drehen, obwohl wir mit HagazussaDer Nachtmahr oder LUZ ein paar spannende Vertreter hatten in den letzten Jahren. Wie schwer ist es in England für dich, Genrefilme zu verwirklichen?

England ist das ziemlich egal. Ich habe ja zwei lange Spielfilme gedreht. Die habe ich gecrowdfundet über meine Leserinnen und Leser, also ich habe mich da nicht bei vielen Film-Leuten vorstellen müssen. Aber wenn ich ein gutes Drehbuch hätte und die richtige Tür wüsste, an die ich anklopfen muss, dann wäre es auch nicht sehr schwer, denke ich. Danke Amerika! Blumhouse Pictures (Der Unsichtbare) hat da als Studio im Moment großen Erfolg und deshalb nehmen auch andere Studios Horror wieder ernster, aber wenn man vielleicht mal zehn Jahre zurückschaut, da hat sich niemand für das Genre interessiert…

Vermisst du manchmal harte Horrorfilme? Ich meine, viele schauen derzeit auf die Arthouse-Horrorfilme vom Studio A24 zum Beispiel von Robert Eggers (Der Leuchtturm) oder Ari Aster (Midsommar) und die andere Hälfte interessiert sich für Spukhausfilme wie The Conjuring. Aber vermisst du das alte Splatter-Kino?

Ja, das tue ich. Ich denke aber, es ist Platz für alles. Ich finde die Blumhouse-Filme ganz okay, ich schaue sehr viele davon im Kino, The Conjuring mochte ich auch ganz gerne. Midsommar hat mir nicht so gut gefallen. Der fängt stark an, aber lässt dann nach. Aber, Ja, ich habe schon lange keinen anständigen Splatterfilm mehr gesehen! Ich glaube, der letzte, der da ganz nah herankommt, war vielleicht The Human Centipede, auch wenn ich den nicht direkt als Splatter bezeichnen würde. Ich glaube, da gibt´s noch Luft nach oben für ein Comeback!

Hast du einen Lieblingshorrorfilm?

Das fragen mich die Leute ständig, aber ich weiß es nicht so wirklich. Ich kann dir aber einen nennen, der mir richtig Angst macht. Über den wirst du vielleicht lachen: Arachnophobia! Ich hasse Spinnen. Wenn ich draußen eine sehe, kann sie leben. Wenn ich sie in meinem Haus sehe und sie keine Miete bezahlt, ist sie tot! Diesen Film habe ich mit zwölf Jahren im Kino gesehen und er hat mir solche Angst gemacht und wenn ich dann eine kleine Spinne in der Ecke sehe, denke ich mir: Nope, ich ziehe aus. Brennt das Haus nieder! 

Gute Wahl! Eine letzte Frage noch, die gleiche habe ich schon Wrath James White und Edward Lee gestellt, als sie in den letzten Jahren hier waren: Was ist dein schlimmster Albtraum?

Ich kann dir eine sehr ernste Antwort geben: Mein größter Albtraum ist schon passiert. Amazon sperrt mich weiterhin. Ich hatte 28 Jobs in meinem Leben, bei denen ich manchmal sehr mit Depressionen zu kämpfen hatte. Nach dem Aufwachen checke ich immer die Liste mit den popuärsten Horrorautoren. So überprüfe ich, wie ich mich verkauft habe. Und eines Tages war ich da plötzlich nicht mehr da. Ich habe meinen Namen eingegeben und da waren keine Bücher. Während ich geschlafen hatte, hat sich Amazon in Seattle beleidigt gefühlt von meinem Buch Uniporn, also haben sie einfach meinen Account abgeschaltet. Auf einmal hatte ich nichts mehr. Alle Bücher weg, Verkaufszahlen weg, Rezensionen weg, das ganze Geschäft ist weg. Da dachte ich mir: Ich gehe jetzt auf die 40 zu. Ich will nicht nochmal neu starten und irgendwas machen müssen, worauf ich keine Lust habe. Und in dem Moment überlegte ich tatsächlich: Der einzige Ausweg ist, mich umzubringen. Das ist mein größter Albtraum! Wenn das Gehirn plötzlich loslegt und dir solche Dinge einflüstert. Also das ist wahrscheinlich etwas ernster als das, was Wrath und Lee gesagt haben. (lacht)

Die beiden haben Angst vor Rednecks!

Ja, gut, das ist ja fast das gleiche. 

Matt, vielen Dank für deine Zeit und viel Erfolg mit deinen Film!  

Danke!

 

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Janick Nolting
18.03.2020 - 18:48
  Kultur

Der FESTA-Verlag veröffentlicht Matt Shaws Horror-Romane in Deutschland. Alle bisher veröffentlichten Romane erschienen in der Reihe "Festa extrem", die Bücher werden nur als Privatdruck ohne ISBN über die Verlagsseite und mit einer Altersbeschränkung ab 18 Jahren verkauft. 

Bisher auf Deutsch erschienen: 

PERVERSE SCHWEINE

PORNO

MONSTER (gemeinsam mit Michael Bray)

BOYS´ NIGHT (gemeinsam mit Wrath James White)

OKTOPUS (limitierter Sonderband zur Leipziger Buchmesse, vergriffen!)