Konzertbericht

Ellenbogengesellschaft

Mit ihrem bisher erfolgreichsten Album „Hurra die Welt geht unter“ gehen K.I.Z. dieses und nächstes Jahr auf Tour. Sie füllten in den letzten Wochen große Hallen überall in Deutschland. Am Freitag rissen sie (fast) das Haus Auensee in Leipzig ab.
K.I.Z. auf ihrem ausverkauften Konzert im Haus Auensee.
"Die Fahne hoch, die Reihen pogen." K.I.Z. spielen ihr ausverkauftes Konzert im überfüllten Haus Auensee.

Erwartungen

Obwohl ich die “Kannibalen in Zivil” schon seit längerer Zeit liebe und ihre Musik mit aggressiven Beats und bösen doppeldeutigen Texten sehr feiere, bin ich noch nie dazu gekommen bei einem K.I.Z. Konzert dabei zu sein. Umso mehr war mir an diesem Freitag ein gelungener Abend mit vielen alten Liedern wichtig. Scheinbar war ich damit nicht der Einzige, das Haus Auensee war nahezu überfüllt.

Der erste Eindruck

Trotz des Einlasses um 19 Uhr war ich erst um halb neun in der Halle. Das war vor allem der großen Menschenmenge vor dem Eingang und der strikten Sicherheitsmaßnahmen geschuldet. Außerdem hat sich wohl das Haus Auensee mit seiner Garderobe verkalkuliert, was witzig ist, denn schließlich war dies nicht das erste Konzert dort. Nun ja, dann tanzten wir eben wie “Vollidioten um den Rucksack wie ums Lagerfeuer”. Zwar habe ich die Support Acts Audio88 & Yassin verpasst, doch ich war ja eigentlich wegen K.I.Z. dort. Die betreten auch sofort, unter tosendem Applaus, in Fantasieuniformen gekleidet, die Bühne. Auf der stehen gigantische Statuen der Vier. Los geht’s! Und ich merke sofort, dass ich deutlich zu nüchtern bin. Massen von betrunkenen grölenden Leibern drängen zur Bühne.

Musik

Mit dem letzten Album zeigten K.I.Z., dass sie doch “reifer” geworden sind. Das gefällt nicht allen. Ich jedenfalls habe die Mischung aus den Liedern von damals, wie “Spast” oder “Geld essen”, die nicht unbedingt für ihren Tiefgang bekannt sind und den neuen wie “Hurra die Welt geht unter” sehr genossen. Die aggressiven Lieder ließen das Publikum ausrasten und wie wild durcheinander springen: Nicht nur beim Klassiker “Pogen - Ellenbogengesellschaft”. Doch es gab auch viele Zuhörer, die das Neue als weichgespülten Mist verteufeln und nur den Klassiker “Hurensohn” hören wollten. An dem Lied zeigt sich dann auch der Wandel von K.I.Z. Denn am Ende wird das brutale und sexistische Lied nur in veränderter Form gespielt. Auf seichten Klavierklängen singen die vier und das ganze Publikum, Feuerzeug schwenkend: “du Hurensohn. Ihr Hurensöhne. Deine Mutter wird gefickt, so lang bis sie erstickt!”

Show

Die Bühnenshow ist großartig! Auch wenn es am Anfang zu Buh-Rufen kommt, als Nico erklärt, dass wegen eines Vorfalls in den USA auf die Pyrotechnik verzichtet wird. Mehrere Salven von Luftschlangen und einmal von „D-Markscheinen“ werden auf die tobende Menge geschossen. DJ Craft hat auf einem großen Militärfahrzeuggebilde Platz genommen. Die Lightshow ist auch ohne die Pyrotechnik atemberaubend und jedes Lied bekommt so eine individuelle Note. Mein persönliches Highlight waren die riesigen gespreizten Frauenbeine, zwischen denen ein halb nackter und blutverschmierter Maxim herausbricht, um das Lied “Käfigbett” zu performen.

Fazit

Ein großes Spektakel war das. 3000 Menschen ließen das Haus Auensee erzittern. Die vier von K.I.Z. feierten mit ihren schwarzen Humor in ihrer provokanten Musik eine gelungene Etappe ihrer großen Tour. Sie schafften es auf jeden Fall den unterschiedlichen Ansprüchen des Publikums gerecht zu werden. Wenn der grölende besoffene Assi am Ende Arm in Arm mit dem schmächtigen Fanboy aus vollem Halse das Hurensohnlied schmettert, können die “Klosterschüler im Zölibat” nicht allzuviel falsch gemacht haben. Ein kleiner Wermutstropfen ist aber leider die teilweise katastrophale Organisation vom Haus Auensee. Desweiteren waren es ein bisschen zu viele Menschen, was zu starkem Gedränge an den Seiten führte. Alles in Allem war es jedoch ein sauberes Ding und ich freue mich auf das nächste Konzert.

 

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