Rezension

Einmal Auszeit, bitte

Gesucht: Songs, die uns die kalten Herbsttage überstehen lassen - gefunden! Trevor Hall ist ein unbeschwerter amerikanischer Sänger, Songwriter und Gitarrist. Im Sommer ist sein siebtes Studioalbum mit dem schönen Namen "KALA" erschienen.
Trevor Hall mit einer Gitarre
Sonne, Gitarrenmusik, Trevor Hall und das graue Herbstwetter ist vergessen

Du entfernst langsam die letzten Sandkörner von deinen Füßen. Denkst an den Tag, der hinter dir liegt. Deine Haare sind noch von Salzwasser getränkt, du spürst den Sonnenstrahlen auf deinem Körper nach.. Und du weißt, dass alles gut ist, so wie es ist. Weit weg von gesellschaftlichen Zwängen und Fragen der Altersabsicherung. Du spürst das Jetzt, das Ist, Dich. Fühlst dich gut.
Doch dann wird dir bewusst, dass dies ein Ende nimmt und du dich bald wieder mit Abgabeterminen von Hausarbeiten, dem wöchentlichen WG-Putzdienst und überfüllten S-Bahnen abfinden musst. Trotzdem weißt du, dass du zu diesem Tag immer wieder zurückkehren kannst. Und das ganz ohne Flug nach Südamerika.
Trevor Hall’s neues Album, erschienen am 21.08. diesen Jahres, vermittelt genau diese Stimmung. Surfen im Sonnenaufgang. Eine Reise in einen verschollenen Tempel im Hinterland des Himalayas. Es ist wie eine Stunde Yoga und dabei null klischeemäßig, obwohl er das gesamte spirituelle Ressortement durchgeht, von dem man in Liedern wohl singen kann.

Wer ist Trevor Hall eigentlich?

Ja, wer ist dieser guru-mäßige Rock/Reggae Sänger überhaupt? Möchte man ihn mit anderen Künstlern vergleichen, so würde man wahrscheinlich an Matisyahu oder Jack Johnson denken. Die amerikanische "Reggea mit HipHop/Rock/Indie" Szene lebensfroher Surfer scheint groß. Und auch erfolgreich. Doch neben den 6 Millionen Likes der Jack Johnson Facebook Seite wirkt Trevor Hall mit etwas über 120.000 folgenden Fans eher mickrig. Auch in Deutschland ist seine Bekanntheit auf jeden Fall noch sehr ausbaufähig. Vielleicht kann sein neues Album KALA daran etwas ändern.

Ist Zeit nicht ein wunderbares Geschenk?

13 Songs sind auf seinem neuen Werk zu finden, die uns für jeweils ungefähr fünf Minuten zu den entlegensten Orten reisen lassen. Die Idee zum Album, entstand als seine Großmutter den scheinbar einfachen Satz sagt „Ist Zeit nicht ein wunderbares Geschenk?“. Damit schaffte sie es, seine Denkweise grundlegend in Frage zu stellen. Weg von dem Gedanken an Zeit belastet durch das Gefühl von Restriktion, Stress und Druck hin zu der Beziehung von Zeit mit Wachstum, Schöpfung, Unendlichkeit. Genau dieses Gefühl vermittelt uns Trevor Hall mit KALA, was übrigens auf Sanskrit auch "Zeit" bedeutet. Der erste Song nennt sich „To Zion“, wobei Zion hier spirituelle Erleuchtung meint. Ein Lied umramt vom Mantra „To Zion.. I fly on“/"Ich fliege zu dir Zion", das von Anfang an Trevor Halls Neigung zum Rastafari Kult spiegelt. „You can’t rush your healing“, „All in Due Time“, „Bowl of light“ und weitere Lieder vermitteln den Sinn von Frieden, Ruhe, Glücklichkeit durchzogen von sogenannten Sanskrit Gesängen, einem einfachen Rhythmus und vielen akkustischen Elementen. Schön ist auch, wie das Album endet. Das letzte Lied mit dem Namen „We call“ malt nochmal das ganze Bild seines beschriebenen Zeitgefühls auf, über tiefe und gleichzeitig weiche Melodien hinweg.

Fazit

Dieses Bildermalen, wodurch uns Trevor Hall Gefühle vermitteln kann, lässt es leider auch manchmal schwierig werden den lyrischen Songtexten inhaltlich zu folgen. Doch darum geht es hier wahrscheinlich gar nicht. Eher um eine meditative Reise, die wir uns in unserer hektischen Gesellschaft, die wenig Sympathien für Langsamkeit, Gelassenheit und Uneffektivität zulässt, öfters mal gönnen sollten. Es ist eines dieser Alben, die einem wohl nie aus den Ohren hängen werden. Fast könnte man meinen es ist zeitlos.

 

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Verena Meyer
06.11.2015 - 13:18
  Kultur

Trevor Hall: KALA

Tracklist:

1. To Zion*
2. All in Due Time
3. Forgive (feat. Luka Lesson)
4. Samay
5. Uncle Jo (feat. Nahko)*
6. Back to You*
7. Mother (feat. Xavier Rudd & Tubby Love)
8. You can't Rush Your Healing
9. Mama and Papa
10. Indigo*
11. Yirawala
12. Bowl of Light
13. We call

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 21.08.2015
Vanguard Records

Trevor Hall im Web 2.0:

Das gesamte Album kann man sich ganz bequem bei guitarhero anhören.

Lust bekommen? Trevor Hall kommt nach Deutschland! Zum Beispiel am 25.01. nach Köln in Begleitung von Ron Pope und den Nighthawks. Mehr Infos zu den Tourdaten gibt es hier.