Musik-Highlights: KW 45

Einmal alles, bitte!

Ein neuer Releasefreitag ist da, und das bedeutet: Es ist mal wieder Zeit für die Empfehlungen unserer Musikredaktion! Dieses Mal gibt es ein bisschen von allem: Metal von Emma Ruth Rundle & Thou, Rap von Symba und Indie-Folk von Jade Bird.
v.l. Jade Bird, Symba, Emma Ruth Rundle
Musihighlights der Woche: KW 45

Frisch Gepresst: Unser aktuelles Album der Woche heißt "VI" und kommt von The Spits. Eine ausführliche Rezension gibt's hier.

 

Emma Ruth Rundle & Thou - "May Our Chamber Be Full"

Album-VÖ: 30.10.

 

Hat man Emma Ruth Rundle einmal für sich entdeckt, begibt man sich in ein Rabbit Hole, aus dem man schwer wieder herausfindet. Nicht nur ihre Solo Alben lassen einen kaum wieder los, auch die zahlreichen Projekte und Bands, in denen die Künstlerin involviert ist, tragen ihre eigene Handschrift. Und lang muss man meist nicht warten, um von Emma Ruth Rundle wieder einmal überrascht zu werden. So kam sie am 30.10. 2020 mit dem Album „May Our Chambers Be Full“ um die Ecke. Die Platte ist eine Kollaboration mit der Sludge Metal Band Thou. Die kokettieren nämlich schon eine Weile miteinander: was zunächst nur Begeisterung für die gegenseitige Musik war, entwickelte sich zu mehr und so standen Emma Ruth Rundle und Thou 2019 zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne des Roadburn Festivals. Da performten sie dann auch den Song „Ancestral Recall“ und gaben einen Vorgeschmack auf die Platte „May our Chambers Being Full“.

Das Album vereint die Welten, aus denen die Band Thou und Künstlerin Emma Ruth Rundle kommen. Der schmetterende Sludge Metal und die fauchende Stimme Bryan Funcks trifft die Dark Folk, Post Rock Attitüde Emma Ruth Rundles, deren Stimme unter die Haut geht. Das macht die Platte so kontrastreich und beweist, dass die Symbiose gelungen ist. Die Lead Single „Ancestral Recall“ fühlt sich ein bisschen so an, als hätte man zwei Songs parallel laufen, dies jedoch in perfekter Harmonie. Der Song „Into Being“ wird von Emma Ruth Rundles sanfter, melancholischer Stimme eingeleitet und auch das Gitarrenriff trägt ihre Handschrift. Der Song baut sich schnell auf und Bryan Funks Stimme verleiht dem Song die Härte, die sich durch das Album zieht. Abgeschlossen wird das Album mit dem Song „The Valley“. Mit fast neun Minuten ist das der längste Track der Platte. Der baut sich mit der wabernden Melancholie Emma Ruth Rundles auf und man fühlt Thou mit Bryan Funck förmlich hinter der Ecke lauern und wartet nur auf den gewohnten Twist.

Insgesamt ist „May Our Chambers Being Full“ ein spannendes Album, das in seiner Gesamtheit für die ein oder andere Person Zeit und ein wenig Interesse an den Texten abverlangt. Denn diese grasen ein Spektrum von Melancholie, Wahnsinn, Schwere und Traumata ab. Aber wer Emma Ruth Rundle und oder Thou kennt, sollte darüber nicht überrascht sein.

Wiebke Stark

Symba - "Battlefield Freestyle"

Single-VÖ: 06.11.

Symba ist noch relativ frisch in der Deutschrap Szene, hat sich aber in kürzester Zeit einen bekannten Namen gemacht. Das ist ihm durch seine herausstechende Art gelungen. Anstatt über Autos, Drogen und Geld zu rappen, spielt er in seinen Lyrics mit Ironie und verweigert toxic masculinity. Das schafft er, indem er auch gerne den Softboy zulässt, wie in seiner letzten Single „Mario Run“. Dadurch grenzt er sich ganz klar ab und ist dem Zeitgeist mit seinen eigenen tiefgreifenden Werten voraus.

Symba setzt seinen Stil auch in seinem neuesten Song „Battlefield Freestyle“ um. Der Beat ist relativ einfach, der Text besteht kaum aus ganzen Sätzen, die Message ist aber klar erkennbar: Er bleibt der Deutschrapszene mit dem Rücken zugekehrt und macht auch weiterhin nur was er wirklich möchte.
 

Die woll'n ein Album, doch bekommen kein Album
Das 'n 3-Gang-Menü und nicht all-you-can-eat

Symba - “Battlefield Freestyle“
 

Es ist ganz einfach: Entweder spricht man Symbas Sprache oder eben nicht. Auch mit seinem neusten Song sticht er aus der Menge und fährt seine eigene Schiene. Genau das ist es, was ihn ausmacht.

Lia-Joana Fuchs

Jade Bird - "Headstart"

Single-VÖ: 04.11.

 

Die amerikanischste Britin der jüngeren Musikgeschichte ist zurück! Jade Bird konnte mit ihrem Debütalbum jede Menge Lob und einen ganzen Haufen Fans auf der ganzen Welt für sich verbuchen, nachdem sie vorher schon vor Fist Aid Kit und London Grammar auf der Bühne stand. Inspiriert von Neil Young, Joni Mitchell und Dolly Parton klingt Jade Bird eigentlich eher wie jemand, den man eher in den Staaten verorten würde. Ihr Indie-Folk mit Americana-Einflüssen ist mal wütend, mal traurig und mal romantisch, vor allem getragen von ihrer bombastischen, kraftvollen Stimme. Und so reiht sich auch „Headstart“ mühelos in die musikalischen Sphären von Jade Bird ein. Geschrieben hat sie den Song Anfang dieses Jahrs während einer Reise durch den Staat New York und sie besingt darin besingt eine recht alltägliche Situation: Das Gefühl in jemanden verliebt zu sein, der die Zeichen nicht erkennt, obwohl die Zuneigung offensichtlich ist.

They say I act around you,
different than I usually do
They say that I’ve even given special treatment
I’d deny it but I can’t
What you don’t seem to understand,
is I won’t just take your hand
I’ve left signs but you take no notice

Jade Bird in "Headstart"

Jade Bird kann Geschichten erzählen und zusätzlich will sie ihren Fans vor dem Jahresende noch ein wenig Freude bringen und auch sich selbst wieder Lust auf das Singen machen. Damit dürfte sie voll ins Schwarze getroffen haben.

Marie Jainta

 

 

 

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06.11.2020 - 12:45
  Kultur

Emma Ruth Rundle & Thou - "May Our Chambers Be Full"

 

Symba - "Battlefied Freestyle":

 

Jade Bird - "Headstart":