Sexismus

Eingrenzung sexistischer Werbung

Im öffentlichen Raum gibt es viel nackte Haut zu sehen. Auf Covern von Erotikmagazinen, auf Plakaten mit Dessous-Werbung, aber z.B. auch bei Pizzawerbung. In Leipzig sollen solche Werbungen seit der Stadtratssitzung von Mittwoch eingedämmt werden.
Nackte Haut in Werbungen muss nicht sexistisch sein. Es hängt u.a. vom Verwendungszweck ab.
Nackte Haut in Werbungen muss nicht sexistisch sein. Es hängt u.a. vom Verwendungszweck ab.

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Ein Beitrag von Hendrik Zimny
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Vor kurzem warb der Hallenser Lieferdienst UNO-Pizza mit einer Frau in Unterwäsche und dem Untertitel „Hot & Spicy“. Im Leipzig soll es nun zu einem Verbot sexistischer Werbung kommen. Mit nur fünf Gegenstimmen und einer Enthaltung traf der Stadtrat eine eindeutige Entscheidung: Künftig sollen entwürdigende und diskriminierende Inhalte auf öffentlichen Werbeflächen untersagt werden. Betroffen sind davon alle genehmigungsbedürftigen Flächen über einem Quadratmeter.

Ein langwieriger Prozess

Das Ganze ist Teil eines über einjährigen Prozesses. Katharina Kleinschmidt, Mitglied des Gleichstellungsbeirates Leipzig, hatte diesen mit angestoßen. Laut ihr sei die UNO-Pizza Werbung ein Paradebeispiel für sexistische Werbung, das sie zum Objekt gemacht werde, indem sie das "Hot and Spicy" versinnbildlichen solle.

Durch Anträge Kleinschmidts und ihrer Mitstreiter wurde bereits vor einem Jahr ein Verbot für diese Art von Werbung erlassen. Dieses bezog sich allerdings nur auf Plakate, Straßenbahn-Haltestellen und Oster- so wie Weihnachtsmärkte. Nun soll es auch bei Stadtfesten gelten und Werbung an Laternenpfählen betreffen. Bei dem Verbot geht es sowohl um stereotypische Frauen- als auch Männerbilder. Laut Kleinschmidt gebe es neben eindeutigen Fällen auch subtilere sexistische Werbungen, wie beispielsweise Waschmittelwerbung in welcher ausschließlich Frauen vorkämen, die sich über das baldige Waschen freuen.

Wenn das eine Werbereihe ist und es in gleichem Maße auch Männer gibt, die überglücklich die Waschmaschine befüllen, dann ist es nicht mehr sexistisch.

 Katharina Kleinschmidt, Mitglied des Gleichstellungsbeirates Leipzig

Stadt veröffentlicht Kriterienkatalog

Gerade bei solchen subtilen Fällen zeigt sich ein Problem: Es gibt keine allgemeingültigen Regeln, wo sexistische Werbung anfängt. Deshalb veröffentlichte die Stadt Leipzig dazu einen Kriterienkatalog.

Bei der Beurteilung von Werbung spielen das persönliche Werteverständnis und das subjektive Empfinden der Betrachtenden - und nicht zuletzt auch deren Geschlecht - eine große Rolle. Eine Annäherung an den Begriff "sexistische Werbung" ist aber sehr wohl möglich.

Auszug aus dem Kriterienkatalog zu sexistischer Werbung in Leipzig

An diesem Punkt gehen die Meinungen auseinander. Thomas Kochmann, Hallenser Inhaber des UNO-Pizza Lieferdienstes, empfindet das Motiv der Frau in Unterwäsche nicht als sexistisch. Laut ihm sei es vergleichbar mit Motiven der Unterwäschebranche. Auch der Leipziger AfD-Stadtrat Christian Kriegel steht der Entscheidung vom Mittwoch kritisch gegenüber. Aus seiner Sicht gebe es bereits eindeutige Regeln vom deutschen Werberat, die jeder einzuhalten habe. Er verstehe nicht, wieso nun noch einmal aus ideologischer Sicht nachgehakt werden müsse.

Dabei war es der Deutsche Werberat selbst der UNO-Pizza für dessen Werbung rügte. Für Kriegel gestaltet sich eine Grenzziehung bei solchen Werbungen allerdings aus mehreren Gründen schwierig. Laut ihm seien schöne Frauen schon immer dafür benutzt, Produkte an den Mann zu bringen. Männer selbst seien aus Sicht der Werbeindustrie weniger dafür geeignet.

Ich will ja jetzt nicht unbedingt sagen, dass das toll ist, was diese Pizza "Hot and Spicy" Werbung betrifft. Aber wer bestimmt denn, wie groß diese Pizza und wie knapp der Bikini auf der Werbung sein darf?

Christian Kriegel, AfD-Stadtrat

Darüber hinaus seien Inhalte aus dem Netz oder Sex-Zeitschriften laut Kriegel wesentlich bedenklicher. Vor allem letztere würden sich in Läden häufig auf Kinderaugenhöhe befinden.

Auswirkungen des Stadtrat-Beschlusses?

Unter die neue Regelung in Leipzig fallen keine privaten Werbeflächen. Dafür benötigt es ein Gesetz auf Bundesebene. Katharina Kleinschmidt ist allerdings der Meinung, dass der Beschluss weitere Prozesse ins Laufen bringen könne.

Der Pizzadienst muss künftig überlegen. Er kann sagen „Ich kann ja noch an die Litfaßsäule mit meiner sexistischen Werbung, aber die städtischen Flächen sind mir verwehrt."

  Katharina Kleinschmidt

Kleinschmidt hofft, dass Werbetreibende sich künftig fragen, ob sie zweigleisig fahren sollten oder direkt eine vernünftige Werbung machen, die überall Gültigkeit habe.

 

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Hendrik Zimny, Theresa Willkomm
19.05.2018 - 14:41

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