Interview: Alex Banks

Auf einen Döner mit Modeselektor

Wer einen Drink mit dem eigenen Namen bekommt, der hat es geschafft im Leben. Verkatert von zu vielen Alex Banks' stand uns eben dieser auf dem Melt! Rede und Antwort. Freunde von Trentemøller und Portishead sollten sich dies zu Gemüte führen.
Down To Earth mit Alex Banks ist Redakteur Chris Saulnier

Man hört ihm den Kater nicht an. Sehr eloquent  beantwortet der britische Producer uns alle Fragen zu seinem grandiosen Debut-Album "Illuminate" und wirkt dabei immer bodenständig – im wahrsten Sinne. Auf dem staubigen Festivalboden im Schatten eines knorrigen Baums, nehmen wir mit Alex Banks Platz. Die ersten Bässe am frühen Abend wummern schon und Banks kann sich eigentlich viel besser selbt vorstellen (die englische Version des Interviews steht unten):

 

"Ich wusste schon sehr früh, dass ich wirklich für den Rest meines Lebens Musik machen wollte. Als ich zehn war, fing ich an Gitarre, Schlagzeug und Klavier zu spielen. Und sogar davor habe ich schon auf ein paar Gitarren gespielt, die bei uns im Haus rumlagen. Mein älterer Bruder spielte Gitarre. Und ich wollte auch unbedingt darauf spielen. Und als ich mit dem Unterricht anfing, da war's das. Es packt dich einfach. Und du bist besessen davon. […]"

"Man versucht seinen Weg im Leben zu finden. Aber alles, worauf ich mich immer konzentriert habe, war die Musik. Ich war schon immer besessen davon. Ich lebe sie, ich atme sie."

 

"Als ich 14 oder 15 war, besuchte ich einen Musikkurs. Da lernte ich zum ersten Mal das Konzept vom mehrspurigen Aufnehmen mit dem Computer kennen. Wir hatten einen sehr simplen Atari ST. Er hatte einen Midi-Ein- und Ausgang. Und wir haben das Musikprogramm Cubase benutzt. Es war sehr aufregend für mich, als ich mitbekam: Wow, ich kann diese Keyboardsounds spielen. Und dann kann ich noch mehr Keyboardsounds aufnehmen und ich kann sogar Drums hinzufügen. Und ich denke, das war der Punkt, ab dem ich mich wirklich für Technologie begeisterte.

"Es hat mich wirklich gepackt."

Und dann, wie gesagt, als ich etwa 15 war – das war etwa 1995 – da gab es Bands wie Orbital, Massive Attack, Portishead, Chemical Brothers, Faithless und Leftfield. Die wurden alle zu der Zeit bekannt und hatten einen sehr interessanten Sound. Sie brachten elektronische Musik in ein Umfeld, in dem die Leute normalerweise nur Live-Instrumente kennen. […]

Es hat mich wirklich gepackt. Und alles was ich machen wollte, wofür ich mein ganzes Geld ausgab und wofür meine ganze Zeit draufging, das war neues Equipment zu kaufen. Jeder Groschen der übrig blieb, wurde für mehr Equipment ausgegeben. Und ich lernte, wie man es benutzt und Lieder damit macht.

 

Ich wurde nie wirklich durch eine bestimmte Sache beeinflusst. Trotzdem findet man wahrscheinlich immer mal was Neues, wie als ich Portishead oder Massive Attack für mich entdeckt habe. Da dachte ich: OK, cool. Das ist gerade angesagt. Und ich kann mich noch erinnern, vor ein paar Jahren habe ich Trentemøller auf dem Big Chill Festival in Großbritannien spielen sehen. Das war das erste Mal, dass ich seine Musik gehört habe. Und es war einfach ein Wahnsinns-Konzert. Er tourte mit seinem Album 'The Last Resort'. Ich habe dieses Album geliebt, und wie es produziert war. Also man könnte vielleicht sagen, eine Zeit lang hat das einige meiner Songs beeinflusst, an denen ich damals gearbeitet habe.

 

Ich habe Elizabeth Bernholz durch meinen Manager Johnny kennengelernt. Er kannte sie über Connections und der erste Track, den wir zusammen gemacht haben war 'All You Could Do'.

 

Ich habe ihr ein Demotape geschickt. Sie skizzierte ein paar Ideen in ihrem Studio und schickte sie mir zurück. Und als ich sie hörte, saß ich gerade mit einem Kumpel am Küchentisch. Wir hörten die Musik zwar nur über Laptop-Lautsprecher, aber es war eine sehr schöne Erfahrung. Wir haben also diesen Track 'All You Could Do' gemacht. Und dann ... was kam dann? 'A Matter Of Time' haben wir, glaube ich, danach gemacht.

 

Das ist etwas unpassend, aber es gibt eine Textzeile in dem Lied, die heißt 'to get caught in a storm' – in einem Sturm gefangen sein – oder so ähnlich.

 

Ich weiß nicht, ob du dich erinnerst, aber vor ein paar Jahren verwüstete Hurricane Sandy die USA. Und da war ich bei einem Freund in New York. Der Hurricane kam tatsächlich als ich gerade dort war. Es hat mich nicht wirklich betroffen, weil wir in Connecticut etwas außerhalb der Stadt waren. Aber ich saß gerade am JFK-Flughafen und wartete auf einen der ersten Flüge nach dem Hurricane. Und da bekam ich die E-Mail von Elizabeth Bernholz mit dem Song 'A Matter Of Time'. Und ich saß da und dachte, OK sie redet davon, in einem Sturm gefangen zu sein. Das war ein seltsamer Zufall. Jedenfalls haben wir diesen Song gemacht und dann produzierten wir 'Silent Embrace'. Und danach haben wir noch einen gemacht, der 'Be The One' heißt und auf der aktuellen 'Modeselektion' Compilation vertreten ist.

 

"Ein Album fertigzustellen, das ist ein intensiver Prozess."

Ich denke, dass das Album fertigzustellen tatsächlich einen größeren Einfluss auf mein Leben hatte, denn es ist so ein intensiver Prozess. Du verbringst so viel Zeit damit, an dem Album zu arbeiten und darüber nachzudenken. Wie gesagt, man wird fast besessen davon. Wenn du dann wirklich die E-Mail mit den Stems – also den einzelnen Instrumentalspuren - zum Mastern geschickt hast, und dann bekommst du die master-tapes zurück und nach ein wenig Feinschliff ist es fertig. Das ist ein sehr seltsames Gefühl.

Dann ruft dich vielleicht ein Freund an und fragt: 'Hey wie wär's mit 'nem Bierchen?' und du sagst 'Äh, OK, ich trink' ein Bier mit dir, denn mein Album ist fertig. Ich muss nicht mehr ins Studio und daran arbeiten.'

"Wir haben einen Döner gegessen, ein bisschen geplaudert und das hat sehr gut funktioniert."

Von allen Labels war Monkeytown definitv sehr hoch oben auf der Liste der Labels, die ich anschreiben wollte. Doch ganze ohne Vorwarnung, bekam ich eine E-mail von Szary und Gernot von Modeselektor, in der stand: 'Hey, wir finden deine Musik super. Komm doch mal nach Berlin und wir hängen ein bisschen zusammen rum!' Also sind wir dahingegangen, haben einen Döner gegessen, einen Kaffee getrunken. Wir haben ein bisschen geplaudert und dann die Details geklärt. […] Und das hat sehr gut funktioniert."

 

Interview Alex Banks

English version:

"I think I knew from a very early age actually that I really wanted to make music for the rest of my life. When I was ten I started playing guitar, drums and piano. And even before I started officially learning there were a couple of guitars lying around the house. My older brother played the guitar. And you know, I just really wanted to pick them up and play and get involved with it. And then as soon as I started having lessons that was it. You know you just get the bug. You get obsessed. […]

And you’re trying to work out your direction in life. But all I was ever really focused on was music. Just always been obsessed by it. I live it. I breathe it.

 

When I was fourteen and fifteen, uhm you get to select different modules you want to do. And I was doing music. And I was first introduced to the concept of multitrack recording and computer technology. We had some very basic Atari STs. It had a midi-in and a midi-out. And we were using Cubase. […] That for me, that was really exciting kind of discovering wow I can play these keyboard sounds. I can record more keyboard sounds. I can do the drums and I think that was the point when I really started to get into technology.

"I really got the bug."

So then around the time, as I said I was around fifteen years old and it was about 1995. And there were a lot of people like Orbital and Massive Attack, Portishead, Chemical Brothers, Faithless, Leftfield. All kind of, all coming around, all coming out around that time making some really interesting sounds. They were taking electronic music into an environment where people would traditionally only see live instruments. […]

I really got the bug. And all I wanted to do. All I spent my money on. All I spent my time on was just buying more equipment. You know, any spare cash I had, I was just buying more equipment and learning how to use it and learning how to make tunes.

 

I've never really been influenced by one in particular thing that was overriding. Uhm that said I mean, I guess you discover new things, like when I discovered maybe Portishead or Massive Attack. I'll be like allright, cool you know that's the thing at the time. And I remember a few years ago seeing Trentemöller at Big Chill Festival in the UK. And it was the first time I'd heard his tunes. It was just an amazing gig. It was when he was touring with his album called the last resort. And I really loved that album. I really loved the production on it. So maybe for a while I would say that, you know, that became an influence maybe in a couple of tracks I was working on at that time.

 

So I met her through, it was actually my manager Johnny who I worked with. He knew her through some connections and uhm the first track we did together was 'All You Could Do'.

 

And I sent her a demo. She sketched out some ideas in her studio and sent them over for me to listen to and as soon as I heard it, I just listened to it from my laptop speakers like I sat at the kitchen table with a mate of mine. Uhm, it was a really nice experience. So we did that track. And then we did uhm. Which was next after that? 'A Matter Of Time' I think we did after that.

 

Down To Earth mit Alex Banks ist Redakteur Chris Saulnier

This is kind of random, but there's a lyric in there which uh something like 'It was my intent...' or something 'to get caught in a storm.' It refers to being caught in a storm.

 

Now I don't know if you remember: A couple of years ago hurricane Sandy hit in the states. And I've been to a friend of mine in New York. And the hurricane actually hit while I was out there. I didn't really get affected by it, ‘cause we were actually in Connecticut just outside the city. But I was actually sitting at JFK airport, waiting for like one of the first flights out after the hurricane. And I downloaded ... she sent me this e-mail, saying 'Hey, check this out!'. And I just sat there at the airport listening to ... said well OK, she's talking about getting caught in a storm. It was kind of coincidental. So anyway we did that track and then we did 'Silent Embrace' after that. And then we've done another tune actually called 'Be The One', which is on the recent Modeselektion compilation.

"Finishing an album is such an immersive process."

I think actually finishing the album had more of an impact really because it's such an immersive process. You spend so much time working on it, so much time thinking about it. As I said you become almost obsessed by it. And then when you've actually sent that e-mail, where you send the stems of to get mastered and then you get the masters back and then after a bit tweaking it's done. That's a very strange feeling. You know maybe a friend phones you off 'You wanna come for a beer?' you're like 'Yeah Ok, I'll come for a beer, because I finished my album.' (laughs) 'I don't need to go to the studio and do that.'

"We had a kebap, had a chat and it worked out very well."

Out of all the labels there I mean Monkeytown is, I knew would definitely be like very high up on the list of lables I want to approach. So without even actually trying or expecting getting an e-mail out of the blue from Szary and then eventually Gernot from Modeselektor saying like: 'Hey yeah, we love your music. We want you to come to Berlin and hang out.' So we went over there, had a kebap, had some coffee, had a chat and uhm sorted out the details. […] It's worked out very well."

 

Interview Alex Banks (english)
Interview Alex Banks (english)
 

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Felix Schmidt/Chris Saulnier
29.07.2014 - 20:35
  Kultur

Alex Banks: Illuminate

Monkeytown