Workshop

In einem Tag zum Songwriter?

Singer-Songwriter gibt es viele, auch in Leipzig. In einem Workshop konnte man beim Seeklang-Festival seine Fertigkeiten verbessern und sich mit anderen Songwritern austauschen und vernetzen. Unsere Redakteurin war dabei.
Papiere liegen auf einem Tisch
Kreativitätstechniken regen zum Schreiben an

Am Morgen habe ich mich gefragt: Was treibt Menschen an, einen eigenen Song zu schreiben? Und kann man das wirklich lernen?

Mit diesen Fragen bin ich zum Songwriter-Workshop gegangen. Dabei kann ich selber weder singen, noch ein Instrument spielen. Damit bin ich eine richtige Exotin beim Songwriter-Workshop. Alle hier haben zumindest schon erste Erfahrungen gesammelt. Doch bei der Vorstellungsrunde stellt sich heraus: Auch wenn einige schon selber Songs geschrieben haben, so leicht ist das doch nicht. Leona ist eine der Teilnehmerinnen. Für sie war das eigene Lied bisher nur ein Traum:

Ich habe noch nie einen Song geschrieben. Aber das steht auf meiner Liste: 10 Dinge, die ich machen will im Leben. Und vielleicht komme ich dem Ziel heute näher.

Lisa-Leona, Teilnehmerin

Nach der Vorstellung möchte Wencke Wollny zuerst unsere Kreativität anregen. Die 28-Jährige ist Singer-Songwriterin aus Leipzig und mit ihrer Band "Karl die Große" im Geschäft.

Ein Handout für Songwriter
Wencke Wollny hat ein Handout vorbereitet

Wir gehen alle nach draußen, das Wetter ist schön und am Ulrichsteich in Plagwitz lässt es sich gut aushalten. In kleinen Gruppen sollen wir uns gegenseitig unsere Assoziationen zu Begriffen erklären. Die sind auf Karten geschrieben, wir haben jeweils 30 Sekunden Zeit. Danach soll jeder eine Geschichte schreiben, in der alle Begriffe vorkommen. Wie bringe ich Eiffelturm, Gästebuch, Spaghetti, wunderschön und Lachen in einem Text unter? Bevor ich zu viel nachdenken kann, schreibe ich einfach drauf los – es funktioniert.

Manchmal muss man einfach machen und sich sagen: jetzt schreibe ich. Man muss nicht immer auf die Kreativität warten.

Lisa, Teilnehmerin

Eine Musikerin probt auf einer Bühne
Das Seeklang-Festival bietet jungen Musikern eine Bühne

Und das ist der springende Punkt. Man kann nicht darauf warten, dass einem der fertige Songtext mit Melodie einfach einfällt. Man muss sich aktiv hinsetzen und daran arbeiten. Und man sollte spontane Ideen immer sofort festhalten, rät Wencke. Sie habe immer ein Notizbuch dabei oder spricht ihre Ideen ins Smartphone ein.

Später lesen wir unsere Geschichten vor. Auch ich muss meine präsentieren. Und es macht mir echt Spaß. Nachher werde ich gelobt, das macht mich glücklich. Die Geschichten sind sehr unterschiedlich. Besonders witzig wird es, als Wencke uns verrät, aus welchen Songs sie die Begriffe hat. Diese stammen zum Beispiel aus Sophie Hungers „Spaghetti mit Spinat“. Aus ihrem lyrischen Ich habe ich einen melancholischen Spaziergänger gemacht.

Wir hören die anderen Songs von Moritz Crämer und Moop Mama. Es sind deutsche Interpreten, die selbst auf Deutsch singen. Eine der Teilnehmerinnen textet lieber auf Englisch. Weil man dann nicht sofort alle Schwächen raushören würde. Ich muss schmunzeln. Aber was ist denn nun besser, deutsch oder englisch? Darauf gebe es keine Antwort, das müsse jeder für sich entscheiden, sagt Wencke.

Und welche Themen kommen in Songs vor? Wir machen ein kleines Brainstorming. Liebe, Beziehungsende, Alltag, Fernweh steht auf der Tafel. Ich bin skeptisch. „Was ist mit Politik?“, frage ich und ernte einen überraschten Blick meiner Sitznachbarin. Natürlich können alle Themen in Songs verarbeitet werden. Und dann kann man sich überlegen, was man damit erreichen will. 

Vier Personen stehen vor einem Whiteboard
Wencke Wollny hat mit den Teilnehmern ein Brainstorming gemacht

Musik als Geschenk - ich finde, das ist ein sehr schöner Gedanke.

Julia, Teilnehmerin

Der Gedanke gefällt auch mir und ich nehme mit: Man kann Musik als Geschenk an den Zuhörer sehen. Als Sänger gibt man ihm etwa Mut, Inspiration, Trost, Aufklärung oder Unterhaltung. Darüber sollte man sich schon beim Schreiben Gedanken machen.

Ich habe heute gemerkt, dass ich oft darauf warte, dass es kommt und ich es aufschreibe. Aber es gibt Wege und Tricks das anzukurbeln.

Lisa, Teilnehmerin

Ich bin heute nicht zur Songwriterin geworden. Aber wie es bei allen Dingen im Leben ist, kann man auch lernen, einen guten Song zu schreiben und das Instrument zu spielen. Gesangsunterricht kann man schließlich auch nehmen.

Und was treibt die anderen an? Die Antwort ist so einfach, wie unter der Dusche zu singen: Es muss einfach raus.

Hören Sie hier den ganzen Beitrag:

Nadja Bascheck hat an einem Songwriter-Workshop teilgenommen
2507 Songwriter
 

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