Finanzen

Eine Zukunft ohne Bargeld?

Digitalisierung ist mittlerweile alltäglich geworden. Auch unsere Finanzen werden immer digitaler und abstrakter. Der Grund: Wir sind bequem geworden. Doch wohin führt das?
Bargeldlos zahlen gehört inzwischen zum Alltag
Bargeldlos zahlen gehört inzwischen zum Alltag

Für eine Überweisung wird keine Filiale mehr gebraucht, denn mit ein paar Klicks lässt sich das Problem mit Online Banking ganz einfach lösen. Aus normaler Kartenzahlung entwickelte sich die kontaktlose Variante, für die nicht mal mehr eine PIN benötigt wird. Und die elektromagnetischen Chips aus den Karten bleiben auch längst nicht mehr in Karten, sondern werden individuell in Gegenstände wie Ringe oder sogar an den Handgelenken unter die Haut injiziert.

Vorreiter Schweden

Schweden führte als erstes Land in Europa die Banknote ein und will bis 2030 auch als erstes Land das Bargeld komplett abschaffen. Geplant ist sogar eine eigene Kryptowährung, die e-Krone. Die Einkäufe werden per Karte bezahlt, die meisten Geschäfte akzeptieren dann gar kein Bargeld mehr. Tickets für öffentliche Verkehrsmittel oder öffentliche Toiletten werden schnell per SMS bezahlt. Das Land ist gut vernetzt und die Bevölkerung nimmt die Neuerungen gut an. Warum das in Schweden so gut klappt, weiß Kerry Charles Cherki. Er hat BWL und VWL studiert und beschäftigt sich seit 20 Jahren mit dem Finanzwesen.

„Gerade in Ländern wie Schweden die jetzt von der Infrastruktur ganz anders strukturiert sind, wie dieses eng besiedelte Deutschland, macht natürlich auch ein bargeldloser Verkehr auch mehr Sinn. Weil die Versorgung mit Bargeld ist in Deutschland ein viel Leichteres als in Schweden.“

Kerry Charles Cherki

Deutsche halten am Bargeld fest

Und tatsächlich, die meisten Deutschen bezahlen immer noch am liebsten bar. Sie tendieren dazu große Beträge zu überweisen oder mit Karte zu zahlen. Trotzdem wurden 2017 laut Deutscher Bundesbank 74% aller Zahlungsvorgänge bar bezahlt.

Gründe dafür sind vor allem die Anonymität und die Privatsphäre, die die Menschen scheinbar nicht ganz abgeben wollen. Außerdem habe man einer Umfrage zufolge auch einen besseren Überblick über seine individuellen Finanzen.

Bargeldlos noch unwahrscheinlich

Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband und auch die Deutsche Bundesbank geben an, dass sie komplette Bargeldlosigkeit für unwahrscheinlich halten. Digitales Geld als Alternative sei möglich, allerdings würde physisches Geld, so wie wir es kennen in naher Zukunft nicht verschwinden.

„So ein Transaktionsmedium, Geld, wird es immer geben. Und dann wird es auch immer jemanden geben müssen, der Geld produziert, und das sind nun mal die Banken“

Uwe Vollmer Prof. für VWL der Uni Leipzig

Um ein bargeldloses System aufzubauen, müssen viele bestehende Strukturen verändert werden. Deswegen sei es noch unwahrscheinlich, dass unser fest verankertes Bankensystem mit einem Mal durch etwas Anderes abgelöst wird. Kerry Cherki erklärt, dass solche Veränderungen viel Zeit brauchen und dass etwas langsam in etwas anders hineinwächst.

„Die digitale Revolution ist eine Revolution und was dabei hinten rauskommt, was dabei aber auch wie jede Revolution von der Bevölkerung getragen werden muss, das ist heute nicht abzuschätzen.“

Kerry Charles Cherki

Den Beitrag zum Nachhören finden Sie hier:

Alexandra Möckel über die Zukunft des Bargeldes.
Zukunft des Bargeldes

 

 

 

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Alexandra Möckel
23.07.2018 - 14:54