Corona - Lockerungen

„Eine Strategie vermute ich nicht"

Einerseits werden in Deutschland und Leipzig die Corona-Maßnahmen gelockert und Besserung signalisiert, andererseits warnt die Politk vor einer dritten Welle. Wie passt das zusammen? Eine Einordnung aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht.
In Deutschland haben seit dem 1. März unter anderem Friseure wieder geöffnet.

Das Warten hat ein Ende. Fast drei Monate haben die Leipziger:innen auf den Friseurbesuch verzichten müssen, seit dem 1. März können sie ihren Haaren aber wieder den Kampf ansagen. Nicht nur Friseure durften sich seit dem wieder über Kunden:innen freuen, sondern auch Fußpflegesalons und Musik- und Fahrschulen. Gemein haben alle vier, dass sie nur unter besonderen Bedingungen ihre Pforten wieder öffnen durften. So muss sich das Personal in allen Einrichtungen beispielsweise jede Woche auf Corona testen lassen.

Licht am Ende des Tunnels

Trotz dieser verschärften Sicherheitsvorkehrungen ist aber fraglich, ob diese Lockerungen zum richtigen Zeitpunkt kommen, denn auch in Leipzig steigen die Inzidenzen im Trend. Vor diesem Hintergrund drängt sich daher die Frage auf, warum die Politik trotz des Risikos einer dritten Welle gerade jetzt Lockerungen beschlossen hat und damit Besserung signalisiert.

Professor Dr. Patrick Donges von der Universität Leipzig und Experte auf dem Gebiet der politischen Kommunikation vermutet keine Strategie hinter diesen Entscheidungen. Bürger:innen solle stattdessen vor allem Mut gemacht werden:

Wir sind alle etwas müde von dieser Pandemie, wir sehen nicht so richtig das Ziel vor Augen, (...), aber wir wollen natürlich ein bisschen Licht am Ende des Tunnels sehen und deswegen denke ich, ist man jetzt rangegangen zu sagen, einzelne kleine Geschäfte, zuerst die Friseursalons, dürfen öffnen.

Professor Dr. Patrick Donges, Universität Leipzig

Zu viel Verwirrung

Donges findet diese Art der Krisenkommunikation aber nicht ungefährlich und befürchtet, dass diese Maßnahmen auch nach hinten losgehen könnten:

Weil man sich jetzt die Frage stellen kann, (...), warum nicht andere kleine Geschäfte öffnen dürfen. Weil man eigentlich immer weniger versteht, was für eine Gesamtstrategie dahinter steckt.

Professor Dr. Patrick Donges

Auch werden die Bürger:innen seiner Meinung nach hinsichtlich der Pandemieentwicklung, momentan zu sehr verwirrt. Unter anderem von Politikern:innen, die sich im Wahlkampf profilieren müssen. Denn einerseits werde signalisiert, dass die dritte Welle komme, andererseits aber auch, dass man langsam wieder lockern könne.

Neuer Virus, neue Lernerfahrung

Widersprüchliche Signale im Umgang mit Corona sind ja insbesondere in Anfangszeit ausgesendet worden, so war es vor knapp einem Jahr zum Beispiel noch hoch umstritten, den Virus mit einer Maskenpflicht zu bekämpfen. Donges will dies aber nicht allzu kritisch sehen und nimmt die Politik hier sogar in Schutz:

Wir sind mit einem Virus konfrontiert, über den wir vor einem Jahr noch wenig wussten. Wir müssen auch auf Seiten der Politik eine gewisse Lernerfahrung konstatieren. Wir sind alle schlauer geworden und insofern, (...), sollten wir auf diesen Fehlern des Pandemiebeginns nicht zu sehr rumreiten.

Professor Dr. Patrick Donges

Aus wissenschaftlicher Perspektive war die bisherige Krisenkommunikation also nicht ganz unproblematisch, auch wenn man der Politik vor allem für den Pandemiebeginn eine gewisse Fehlertoleranz zugestehen sollte. Inwiefern das aber auch für die Entscheidung gilt, Friseure und Co. wieder zu öffnen, ist heute noch nicht zu beantworten. Das werden die nächsten Wochen zeigen. 

 

Das komplette Interview zum Nachhören:

 

 

 

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Mehr Infos zum Thema:

  • Aktuelle Corona-Zahlen in Leipzig hier
  • Amtliche Bekanntmachung zu den Lockerungen in Sachsen hier

 

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