Stadtteilentwicklug in Leipzig-West

Eine Stadt für alle?

Hypezig, Boom, Zuzug – Stichworte, die nicht alle Menschen freut. Steigende Mieten machen alternative Wohnräume und kreativen Freiraum rar. Im Stadtteilladen Leipziger Westen trugen Bürgervertreter gestern ihre Bedenken zusammen.
Die Sorge der Bewohner von Plagwitz und Lindenau ist groß: Wird die Gentrifizierung sie vertreiben?

Ungebremstes Wachstum

Leipzig wächst und freut sich dabei besonders bei jungen Menschen großer Beliebtheit. Viele Studierende, Künstler und junge Familien zieht es in die Messestadt auf der Suche nach günstigem Wohn- und künstlerischem Freiraum. In Leipzig, so heißt es oft, sei eben noch vieles möglich. Der noch immer vorhandene Leerstand in einigen Stadtteilen biete die Möglichkeit sich auszuprobieren und sein Umfeld selbst mitzugestalten. Und das bei verhältnismäßig niedrigen Lebenshaltungskosten. Die Folge sind wiederbelebte Stadtteile, alternative Wohn- und Lebensformen, durchmischte Bevölkerungsstrukturen und vor allem eine große kreative Szene. Und: ein weiterer Anstieg auf der Beliebtheitsskala Leipzigs weit über die Stadtgrenzen hinaus.

Kehrseiten der Medaille

Der ungebrochene Zuzug bringt aber auch viel Konfliktstoff mit sich, darüber war man sich im Stadtteilladen Leipziger Westen am Mittwochabend einig. Bürgervertreter diskutierten dort über die Gentrifizierung in Plagwitz und Lindenau. Denn die gesteigerte Attraktivität besonders in den Stadtteilen im Leipziger Westen - allen voran in Plagwitz - führt zu steigenden Mietpreisen. Menschen, die schon lange in den Stadtteilen leben und die wachsenden Kosten nicht stemmen können, werden auf diese Weise verdrängt.

Doch auch diejenige, die schon vor vielen Jahren zuzogen und halfen, den Leipziger Westen wieder attraktiv zu machen, müssen teilweise fürchten, die Früchte ihrer Arbeit nicht ernten zu können. Zudem wächst die Zahl der Menschen, die sich vom Wandel im Westen nicht mitgenommen fühlen. Die Veränderungsprozesse ihres Lebensraums, so scheint es, werden vornehmlich von anderen vorangetrieben.

Ohnmächtige Bürger?

Stehen die Bürgerinnen und Bürger nun diesen Entwicklungen ohnmächtig gegenüber? Nicht ganz, so der Tenor in der Diskussonsrunde am Mittwochabend. Natürlich diktierten die Hausbesitzer, häufig Investoren und große Immobilienfirmen, weitestgehend die Mietpreise. Und natürlich wollten diese ihr investiertes Geld wieder reinholen - ganz nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage. Steigt die Attraktivität einer Gegend, so steigen eben auch die Mitpreise.

Allerdings gäbe es auch Mittel um diesen Trend zumindest ein wenig abzufedern: eine Mietpreisbremse oder ein hoher Anteil an städtischem Wohnraum etwa. Zudem sei es wichtig, auch auf die Attraktivität anderer Stadtteile aufmerksam zu machen. Klare Antworten darauf, wie Alteingesessene und Zugezogene zukünftig besser gemeinsam ihr Umwelt gestalten können, gab es hingegen nicht. Insgesamt diente der Abend aber auch mehr als Bestandsaufname. Den Bürgerinnen und Bügern wurde ein Forum geboten, um über die vorhandenen Probleme zu sprechen, Lösungsmöglichkeiten anzudenken und sich untereinander weiter zu vernetzen.

Der Leipziger Westen berät über seine bezahlbare Zukunft. Moderatorin Constanze Müller sprach mit Reporter Manuel Rademacher über seine Eindrücke des Abends.
Leipziger Westen
 

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