Stammzellenforschung

Eine Lebensversicherung für Kinder

Eltern wollen nur das Beste für ihre Kinder. Die Sammzellenbank Vita34 friert deshalb die Stammzellen ihrer Sprösslinge ein – eine Absicherung für alle Fälle.
Bei Vita34 wird Blut aus der Nabelschnur von Neugeborenen eingelagert.
Bei der Hauptversammlung der Vita34 AG.

Mit strahlend blauen Augen schaut ein Mädchen von den Vita34-Plakaten, die überall auf der diesjährigen Hauptversammlung aufgestellt sind, herab. Es lächelt, scheint gesund und munter. "Danke Mama" steht daneben geschrieben. Mit so oder so ähnlichen Plakaten wirbt Vita34 für seine Nabelschnurblutbank. Im Grunde genommen ist es eine Art Lebensversicherung für das Kind.

100.000 Blutproben

Das 1997 gegründete Unternehmen mit Sitz in Leipzig entnimmt Stammzellen aus dem Nabelschnurblut oder -gewebe von Neugeborenen und lagert diese ein. Fast 2000 Euro Grundbetrag kostet die günstigste Variante – plus 50 Euro jährlich für die Einlagerung. Inzwischen sind die Stammzellen von etwa 100.000 Kindern aus Deutschland und weiteren europäischen Ländern in den riesigen Tanks bei minus 190 Grad Celsius eingefroren. Die Stammzellen der Nabelschnur sind noch sehr jung und weisen keine altersbedingten Schädigungen oder Veränderungen auf. Sind sind pluripotent, das heißt sie können sich in verschiedene Zelltypen, wie Blut- oder Muskelzellen, entwickeln. Im Fall der Fälle werden sie dann zum Beispiel zur Behandlung von Bluterkrankungen oder für Krebstherapien mit Stammzelltransplantation eingesetzt – auch eine Anwendung innerhalb der Familie ist möglich. Seit 2013 wird bei Vita34 auch Nabelschnurgewebe gesichert und konserviert. In diesem ist der Typ sogenannter mesenchymalen Stammzellen in besonders hoher Konzentration vorhanden. Diese besitzen die Fähigkeit, neben Bindegewebe und Muskeln auch Knorpel sowie Knochen entstehen zu lassen. Das ist vor allem für die regenerative Medizin interessant.

"Geschäfte mit der Angst der Eltern"

Doch ganz unumstritten sind die Entnahme und vor allem die Heilungschancen nicht. Der Bund Deutscher Hebammen äußert sich kritisch zum Geschäft mit Nabelschnurblut. Zum einen werde in zahlreichen deutschen Kliniken Nabelschnurblut kostenlos in öffentlichen Stammzellbanken eingelagert, zum anderen sei die Anwendung eigener Stammzellen zum Beispiel bei Leukämie durchaus fraglich. Denn in diesem Fall sei "nicht auszuschließen, dass die eigenen Nabelschnurstammzellen diese Erkrankungsanlage bereits enthalten."

Einige Teile der Homepage von Vita34 gleichen der eines Handyanbieters. Groß wird für verschiedene Produktpakete mit diversen Optionen geworben: 25 Jahre Vorauszahlung, 900 Euro Preisvorteil, optionales Vorsorge-Screening für zuzüglich 390 Euro. Und das alles zum Wohl des Kindes. Wirklich?

Bereits 2011 verbot das Oberlandesgericht Dresden dem Unternehmen, fälschlich den Eindruck zu erwecken, das eingefrorene Nabelschnurblut könne Krankheiten heilen. Ein halbes Jahr später veröffentlichte Spiegel Online einen kritischen Bericht zu den Werbemethoden des Unternehmens. Vita34 würde verdeckte PR betreiben, "Geschäfte mit der Angst der Eltern" machen. Und die Geschäfte laufen ziemlich gut. 2011 machte Vita34 einen Umsatz von 16 Millionen Euro. Im letzten Jahr rutschte das Unternehmen laut eigener Aussage zwar leicht ins Minus, hat sich davon aber inzwischen wieder erholt.

 

Constanze Müller im Studiogespräch mit Rebecca Nordin Mencke über Vita34.
Vita34.

 

Vita34 in der Bio City Leipzig über ein Gläsernes Labor, in dem Besucher den Ärzten bei der Konservierung der Proben "über die Schulter" schauen können:

 

Kommentieren

Elisa Marie Rinne
28.08.2014 - 21:15
  Wissen