Tanztheater La Frontera

Eine Grenze als Inspiration

An der Grenze zwischen Mexiko und den USA tobt ein Drogenkrieg - seit 2006 sind dort knapp 70.000 Menschen gestorben. Verantwortlich dafür sind unter anderem wir, behauptet Choreograph Robert Phillips. Das thematisiert er im Tanztheater: La Frontera.
Choreograph Robert Phillips zu Gast bei mephisto 97.6

In Mexiko herrschen bewaffnete Konflikte, die häufig auch als Drogenkrieg bekannt sind. Dabei treffen Polizei- und Militäreinheiten auf kriminelle Organisationen - mit verheerenden Folgen: Zwar sind die exakten Zahlen umstritten, dennoch gehen Experten von etwa 70 000 Menschen aus, die dem Konflikt seit 2006 zum Opfer gefallen sind.

Unheimliche Kontraste und Gewalt

Inspiriert von Bildern will Choreograph Robert Phillips vor allem visuell die aktuelle Lage der Gesellschaft in Mexiko zeigen. Bei seiner Recherche ist er auf Statistiken, Berichte aber auch schockierende Fotografien gestoßen. Diese haben Phillips beeindruckt, dennoch hat er sich gegen eine übermäßige Darstellung der Gewalt entschieden. "Ich habe versucht, so wenig wie möglich davon zu zeigen." Stattdessen möchte er auf die normalisierte Gewalt hinweisen, die sich seiner Meinung nach vor allem in der Gleichgültigkeit vieler mexikanischer Bürger dem Krieg gegenüber äußert.

Auch wir tragen Schuld

Mithilfe von Drogen lassen sich große Gewinne erwirtschaften, das würde wiederum die Mittel ausbauen, Waffen zu kaufen. Ein weiteres Problem sieht Phillips in den mexikanischen Kartellen, die zunehmend auch nach Europa kommen – genauso wie etwa Kokain. Dieser Tatsache müsse man sich stellen. "Wie bei jedem Krieg ist es so, dass man eine Weile zuhört und dann ist das kein Thema mehr."

Trotz allem nur Tanztheater

Phillips wünscht sich, mit seinem Stück eine Debatte zu entzünden und ein wenig die Situation in Mexiko ins Gedächtnis zu rufen. Dennoch relativiert er, "man kann nicht zu viel davon erwarten, es ist nur ein Tanztheater." Gerade das findet er hier in der Stadt Leipzig aber gut angesiedelt. Schließlich sei die Stadt Heimat vieler junger Leute und auch interkulturell offen.

 

 

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