Band im Interview

Die etwas andere Hausnummer

Es ist nicht lange her, da jammten Six60 nur zusammen in ihrer Studentenbude in Neuseeland. Aber mit außergewöhnlichen Sounds und Charme haben sie ihre Wohnzimmerbühne verlassen und stürmen seither allerorts die Konzertsäle.
Mann auf der Bühne, um seinen Hals eine Gitarre
Matiu Walters, Leadsänger der Band Six60, bei deren Konzert in der Moritzbastei

Dunedin, Südinsel, Neuseeland – Studentenstadt, landesweit bekannt für seine eskalativen Parties und Geburtsort von Six60. Als Studenten gründen sie ihre Band, benennen sie nach der Hausnummer ihrer WG und starten durch. Bis heute können sie sich nicht erklären, woher der Erfolg eigentlich kam. Plötzlich füllen sie nicht mehr ihr Wohnzimmer sondern Bars und später Konzerthallen. Heute sind Six60 eine etablierte Größe in ihrer Heimat Neuseeland, hierzulande wärmen sie sich bei ihrer zweiten Tour binnen sechs Monaten gerade erst auf.

 

Als ich die Jungs von Six60 treffe, dauert es noch zwei Stunden bis zu ihrem Konzert in der Leipziger Moritzbastei. Sie haben gerade den Soundcheck beendet und die Location finden sie „very cool“. Seit über drei Jahren touren die fünf durch die Welt. Zunächst um ihr Debütalbum in Neuseeland und Australien zu promoten, dann zieht es sie „over on the other side“. In Berlin finden sie für ein paar Monate ein neues Zuhause und machen sich langsam aber sicher auch hier einen Namen. Was bedeutet das Touren ihnen, frage ich Matiu Walters, Sänger und Frontman der Band.

Das ist es, worin wir wirklich gut sind. Ein Album und eine Live-Show – das sind zwei komplett verschiedene Paar Schuhe. Es gibt einen Unterschied zwischen Zuhörern und Fans und der zeigt sich bei unseren Konzerten. Wir freuen uns sehr, hier in Deutschland spielen zu dürfen, man spürt da eine Bewegung. Es fühlt sich an, wie in Neuseeland vor 4 Jahren.“

Rock-Drum-and-Bass-Reggae-Experimentell – oder "just good"

Wer Songs von Six60 zu beschreiben versucht, wird sich schnell in einer Zwickmühle wiederfinden. Ein bisschen Rock, ein bisschen Drum and Bass, ein bisschen Reggae, mal hart, mal einfühlsam, hier und da ein bisschen Pop. Wer es sich einfach machen möchte mit der Beschreibung, betitelt ihre Musik mit „just good“. Marlon Gerbes, der Mann am Synthesizer, bringt den „Six60-way-to-play“ auf den Punkt: „Die Musik ist einfach gut, aber du kannst sie nicht beschreiben. Und wenn du es versuchen würdest, würdest du daran scheitern.“ 

 

Es scheint gerade diese Art, jedes Mal neu an die Dinge heranzugehen, zu sein, die sich Six60 auf die Fahne geschrieben haben und sie unverwechselbar macht. „Das einzige was unsere Musik zusammenhält ist Gefühl und Ehrlichkeit“, sagt Matiu. Klingt pathetisch? Wenn man die fünf auf der Bühne sieht, dann kauft man ihnen alles ab. Sie geben sich sympathisch, offen, witzig und am allermeisten merkt man ihnen an, dass sie sich ehrlich freuen, hier zu sein.

 

"Die Deutschen sind aufmerksamer als die Neuseeländer"

Ob die deutschen Fans anders sind, als die neuseeländischen?

„Ja schon“, sagt Matiu, „aber nicht schlechter oder besser als die anderen. Während die Leute in Neuseeland schon beim ersten Ton anfangen zu schreien, warten die Deutschen länger und sie hören aufmerksamer zu. Aber das ist vielleicht nur eine Frage der Zeit. Vielleicht drehen hier in ein paar Jahren, wenn wir bekannter sind, auch alle durch.“

 

Das eindrucksvollste Erlebnis ihrer derzeitigen Tour erzählt Bassist Chris Mac.

Ein Pärchen hat sich während der Show verlobt! Ja, ich hab hochgeguckt und hab einen Typen gesehen, der von seinen Knien aufgestanden ist und eine weinende Frau umarmt hat. Also hab ich gedacht, es hätte einen Tod in der Familie gegeben. Aber dann haben sie angefangen, sich zu küssen und ich dachte, dass das eine etwas komische Reaktion auf die Todesnachricht eines Verwandten oder so ist. Ja, das war toll. Wahrscheinlich das beste und komischste Erlebnis unserer Tour bisher.“ 

 

Was ihnen ihre Herkunft bedeutet, die merkwürdigsten Eigenschaften der Deutschen und warum "Forever" der perfekte Titelsong für den Film Vaterfreuden ist, haben Six60 mephisto 97.6-Reporterin Laura Kneer verraten. (Originalversion)
six60-interview

Interpretieren lassen statt etwas vorschreiben

Vielleicht ist es gar keine so große Überraschung, dass Menschen in Songs wie Forever oder Don't forget your roots Liebeserklärungen interpretieren. Six60 schaffen es, ihre Texte so offen zu halten, dass jeder sich von ihnen angesprochen fühlen kann, ohne an klaren Aussagen sparen zu müssen. „Wir schreiben unsere Lieder auf eine Art und Weise, die offen genug ist, dass die Menschen ihnen einen eigenen Sinn geben können. Wäre das nicht der Fall, würden wir ihnen ja nur etwas vorschreiben.“

Six60 - Don't Forget Your Roots [Official Video]

Dilemma Produktivität

Anfang des Jahres haben Six60 den Titelsong zu Matthias Schweighöfers Film Vaterfreuden beigesteuert und ihr Album auch in Deutschland veröffentlicht. Nun sind sie auf Tour, aber die Neuseeländer sind sich immer schon zwei Schritte voraus. Und tatsächlich: Wenn es nach ihnen ginge, stünden sie schon bald wieder im Studio. Schätzungsweise 45 neue Songs haben sie in den letzten drei Jahren geschrieben, erzählen sie und man sieht förmlich, dass die nicht mehr länger unter Verschluss bleiben sollen.

 

Ein Dilemma, erklärt Matiu. Weil ihr drei Jahre altes Debütalbum in Deutschland gerade erst veröffentlicht wurde, müssten sie taktisch sein und mit dem zweiten noch ein bisschen warten. Bleibt nur eines: Six60 auf Konzerten spielen sehen. Da fühlen sie sich eh am wohlsten und packen auch jetzt schon den ein oder anderen neuen Song aus.   

 

 

 

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Laura Kneer
13.05.2014 - 13:05
  Kultur