Altes Messegelände

Ein vergessener Ort?

Das große Doppel-M der Alten Messe ist schwer zu übersehen - ebenso wie das Porta Möbelhaus daneben. Das Gelände dahinter hat irgendwie niemand so richtig auf dem Schirm. Wir fragen uns, warum das so ist und was verbessert werden könnte.
Auf dem Bild ist das große Doppel-M am Eingang der Alten Messe zu sehen.
Zwischen Prager Brücke und Möbelhaus Porta markiert das Doppel-M den Eingang zur Alten Messe

Das alte Messegelände ist schon so eine Art Black Box. Gefühlt gibt es dort Alles und Nichts. Neben Forschungsinstituten, wie dem Max-Planck-Institut oder Fraunhofer, sitzt dort zum Beispiel das Stadtarchiv. Mit einem Autokino oder der Indoor-Soccerhalle kommen aber auch Freizeitangebote nicht zu kurz. Dennoch verbinden wohl viele Leipziger*innen die Alte Messe mit nicht mehr als einer großen Gewerbefläche.

Damals und heute

Die Messe wurde 1920 zunächst als Technik- und Baumesse eröffnet. Sie boomte direkt und wurde deshalb schon im Laufe der 20er Jahre ausgebaut. Nach dem Krieg wurde das Gelände noch einmal erweitert. So entstand beispielsweise 1950 der sowjetische Pavillon mit dem berühmten roten Stern. Als nach der Wiedervereinigung die Bauarbeiten an der Neuen Messe begannen, verblieb das Gelände im Besitz der Stadt. Die städtische Leipziger Entwicklungs- und Vermarktungsgesellschaft (LEVG) ist seit 1996 mit der Verwaltung betraut. Seit dem Jahr 2000 soll die Alte Messe als Standort für Biotechnologie-Unternehmen nutzbar gemacht werden. Mit dem BioCity Campus siedelten sich verschiedene Labore und Institute an.

„Es war aber immer auch ein Ziel, einen lebendigen Stadtteil zu schaffen“

Kai Thalmann, Geschäftsführer LEVG

Aber das Gelände sollte nicht nur als reiner Wirtschaftsraum wahrgenommen werden. Aus diesem Grund sei auch der Einzelhandel oder Freizeitangebote an diesen Standort gekommen, sagt Kai Thalmann, Geschäftsführer der LEVG.

Das Konzept und die Realität

So vielversprechend das Konzept hinter der Alten Messe auch klingt - ganz aktuell scheint das schier grenzenlose Gelände für viele Leipziger*innen an Bedeutung verloren zu haben.

Auf Twitter wandten wir uns mit der Frage an unsere User*innen, was sie mit der Alten Messe verbinden. Die Antworten klingen ernüchternd. Viele der historischen Messehallen und Straßenzüge seien verschwunden. Schlichtweg müsse mehr getan werden. Die Leipziger*innen erinnern sich aber auch an Veranstaltungen, mit denen das Gelände zeitweise lebendig aufblühte.  Hoffnungsschimmer scheinen Freizeitmöglichkeiten, wie etwa Vorführungen im Autokino und Streetfood-Festivals zu geben.

 

 

Die Worte eines Nutzers auf Instagram scheinen besonders passend: das historische Gelände gehe mit einer seltsamen Faszination einher.

 

Auf dem Bild sind die Ergebnisse der Instagram Umfrage zu sehen. Was verbindet ihr mit der Alten Messe?
Antworten der Instagram-Umfrage
 

Wir gehen der seltsamen Faszination also nach und werfen einen Blick hinter die Kulissen, beziehungsweise in eine der Messehallen.

Katrin Sattler empfängt uns am Eingang der Halle 14. Die graue Fassade der Messehalle ist einer farbenfrohen Gestaltung gewichen. Hier leitet sie den Pavillon der Hoffnung, ein ökumenisches Begegnungszentrum an einem historischen Standort. Für sie ist die Alte Messe ein lebendiger Ort. Der Pavillon der Hoffnung ist Veranstaltungsort von Gottesdiensten, bietet Raum für eine Kleiderkammer, Schulen und einen Indoor-Spielplatz.

Der "Pavillon der Hoffnung" - ein christliches Begegnungszentrum
Der "Pavillon der Hoffnung" - ein christliches Begegnungszentrum

Aber auch über die Arbeit in ihrer Halle hinaus schätzt sie die Alte Messe als einen lebendigen Ort ein. So fand hier 2019 etwa das „Mestival“ statt und 2015 bot sie etwa 2.000 Geflüchteten eine befristete Unterkunft.

Und wie geht es jetzt weiter?

Hinsichtlich der Zukunft soll die Alte Messe lebendiger werden. Sattler wünscht sich, über den Einkaufsmarkt hinaus, einen Ort der Begegnung: "Ich wünsche mir, dass die Leute auch uns wahrnehmen und unsere für uns doch sehr wertvolle Arbeit."

Die LEVG plant die Sichtachse auf das Völkerschlachtdenkmal zu öffnen und die Straße des 18. Oktobers zu erweitern. Hier soll der Autoverkehr zukünftig von einer Fahrradstraße begleitet werden. „Auf dem Gelände soll es auch Ergänzungen geben, beispielsweise in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv, die eben dieses Erleben der Alten Messe wieder mehr in den Vordergrund rücken“, erzählt Thalmann. Ziel ist es, dass Leipziger*innen nicht etwa der Einkauf bei HIT hierher führt - im Mittelpunkt steht die Alte Messe.

Rückblickend hätte man laut Thalmann sicherlich manche Sachen anders gemacht, es tut sich aber etwas auf der Alten Messe. Vielleicht verbinden die Leipziger*innen ja in ein paar Jahren mehr mit dem Gelände, als nur das Doppel-M und die Riesenmärkte

Am Ende ist es ein Lernprozess.

Kai Thalmann, Geschäftsführer LEVG

Der Beitrag zum Nachhören:

Moderatorin Marie Jainta im Gespräch mit Redakteurin Janne Lomb über das Alte Messegelände im Leipziger Osten.
2302_SG_Altes Messegelände
 

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