Filmkritik "Foxtrot"

Ein Tanz im Kreis

Beim Filmfestival Venedig wurde er mit dem Silbernen Löwen ausgezeichnet, im Herkunftsland gab es heftige Kritik. Nun läuft Samuel Maoz Skandalfilm "Foxtrot" auch in den deutschen Kinos.
Szene aus "Foxtrot"
Tanz gegen den trostlosen Alltag

Karge Ödnis, überall Matsch. Eine einsame Landstraße. Hier sitzt Jonathan Feldmann (Yonaton Shiray) unter einem kleinen Sonnenschirm. Das Gewehr im Arm, immer einsatzbereit. Ab und zu kommt ein Kamel die Straße entlanggelaufen, dem die Schranke geöffnet werden muss. An spannenden Tagen kommt manchmal sogar ein Auto vorbei, dessen Insassen kontrolliert werden müssen. Ein trostloser Alltag voller blindem Gehorsam und übertriebener Paranoia. Plötzlich schnappt sich Jonathan sein Gewehr, fröhliche Musik setzt ein und er tanzt ekstatisch auf der Straße.

Mit solch befremdlichen Szenen sorgte Regisseur Samuel Maoz im Herkunftsland Israel für kontroverse Diskussionen. In Foxtrot zeigt Maoz das deprimierende Bild einer Gesellschaft, die immer noch tief vom Holocaust traumatisiert und von Kriegen gebeutelt ist. Jegliche Selbstkritik im Umgang mit Krieg und Militär wird von Gesellschaft und Politik niedergeschmettert. Genau diese Kritik wagt Samuel Maoz und legt den Finger in die Wunde.     

Kinoredakteur Janick Nolting im Gespräch mit Moderator Janek Kronsteiner über "Foxtrot"
Kinoredakteur Janick Nolting im Gespräch mit Moderator Janek Kronsteiner über "Foxtrot"

Hiobsbotschaften

In seinem gefeierten Erstlingswerk Lebanon (2009) zeigte Samuel Maoz den Libanonkrieg in Form eines beklemmenden Kammerspiels. Da wurde das Publikum zusammen mit einer Gruppe Soldaten in einen Panzer gesteckt. Eingepfercht auf engstem Raum ist die Gewalt in der Außenwelt nur über Fernrohre zu beobachten. Maoz war selbst im Libanonkrieg Teil einer Panzerbesatzung. Auf diese Erfahrungen greift er nun in seinem filmischen Schaffen zurück.

Szene aus "Foxtrot"
Gesellschaft in Schräglage

In drei Akten und auf drei verschiedenen Zeitebenen erzählt der Regisseur und Drehbuchautor vom Tod eines Soldaten. Eines Tages klingelt es an der Tür von Familie Feldmann. Frau Feldmann fällt sofort in Ohnmacht, ihr Ehemann (großartig gespielt von Lior Ashkenazi) ist fassungslos. Sohn Jonathan sei im Dienst für das Land gefallen, heißt es. Das Leben der Familie gerät außer Kontrolle und es bleibt nicht bei dieser einen überraschenden Nachricht. Wie eine antike Tragödie nimmt die Handlung in Foxtrot ihren Lauf und recht schnell wird deutlich, dass ein Happy End immer mehr in weite Ferne rückt.

Gesellschaft in Schräglage

Samuel Maoz hat mit Foxtrot eine brilliante Regiearbeit auf die Leinwand gebannt. Jedes einzelne Bild, jede Kamerafahrt ist durchdacht und mit teils (alb-)traumhafter Schönheit inszeniert. Besonders im Gedächtnis bleibt Maoz Art und Weise der Raumgestaltung. So hausen die Soldaten beispielsweise in einem heruntergekommenen Container, der im Morast versinkt und dadurch von Tag zu Tag mehr in Schräglage gerät. Maoz kreiert damit nicht nur eine eindringliche Metapher für das Innenleben der Soldaten, sondern auch eine Vorausschau auf die Katastrophe, die sich anbahnt.

Foxtrot springt gekonnt von dramatischen über lustigen bis zu verstörenden Szenen hin und her. Man kann dem Film vorwerfen, dass nach der Hälfte der Zeit die Botschaft ausformuliert ist, aber dennoch wird es nie langweilig. Dafür bleibt die Geschichte zu unvorhersehbar, das Familienportrait zu packend. Gekrönt von einem erschütternden Endbild. 

Fazit

Der Skandalfaktor der Geschichte wirkt in der westlichen Welt wenig nachvollziehbar. Davon abgesehen ist Foxtrot eine mitreißende, herausragend inszenierte Parabel. Wiederkehrendes Element: Der Foxtrot als ein Tanz, der immer am gleichen Punkt ankommt und zum Sinnbild für eine Gesellschaft wird.

 

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Janick Nolting
18.07.2018 - 10:38
  Kultur

Foxtrot

Regie: Samuel Maoz

Laufzeit: 108 Minuten

FSK 12 

Cast: Lior Ashkenazi, Sarah Adler, Yonaton Shiray, Shira Haas und andere

Kinostart: 12.07.2018