Stadt teilen: Gohlis

Ein Rundgang durch Gohlis

Neben Schiller lebten viele weitere berühmte Persönlichkeiten im damaligen Gohlis. Wir nehmen euch mit auf einen Rundgang.
Montagehalle in den ehemaligen Bleichert-Werken.
Montagehalle in den ehemaligen Bleichert-Werken.

Wir stehen inmitten der Menckestraße – vor uns ein kleines uriges Gebäude. Krumm und schief, mit weiß getünchten Wänden. "Hier wohnte Schiller" steht in goldenen Lettern an der Hausfront geschrieben. Friedrich Schiller verschlug es 1785 in das Bauernhaus im angesehenen Gohlis. Schon zu seiner Zeit pflegte man zu sagen: "Wem es zu wohl ist, der geht nach Gohlis." Dietmar Schulze, Mitarbeiter des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig erzählt, was es mit dem Sprichwort auf sich hat:

Und jeder, der es sich leisten konnte, ging, um frische Luft zu haben aufs Land. Deshalb auch dieser Begriff – erst einmal: Wem es nicht wohl ist, der geht nach Gohlis. Und da aber Gohlis durch die gute Lage auch die beliebteste und teuerste gleich wurde, gibt es nun den Begriff: Wem es zu wohl ist, geht nach Gohlis. Seit dem 18. Jahrhundert ist dieses Sprichwort in den Mündern der Leipziger.

Dietmar Schulze, Mitarbeiter des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzigs

Dem Dichter Schiller war es zu wohl. Während seines Aufenthalts in Gohlis schrieb er am zweiten Akt von Don Carlos und die erste Fassung der Ode "An die Freude". Ein anderer Autor hatte in Gohlis nicht viel Glück. Karl May zog 1865 in die Möckernsche Straße 28b. Der Winnetou-Erfinder ging nicht nur als Pelzdieb in die Leipziger Geschichte ein, sondern verwendete unechte Visitenkarten unter falschem Namen. May war auf Rache aus – eine Leipziger Zeitung weigerte sich eine seiner Indianergeschichten abzudrucken. Die Polizei überführte May im Rosental und verkürzte seinen Gohlis-Aufenthalt auf wenige Monate.

Schokoladiges Gohlis

Zurück in der Menckestraße gehen wir zur ehemaligen Kakao- und Schokoladenfabrik. 1872 verlegte der Konditor Wilhelm Felsche seine Schokoladenproduktion nach Gohlis. Obwohl Felsche seine Schokolade hauptsächlich innerhalb Leipzigs verkaufte, wurde er durch den Ruf seiner begehrten Kakaopralinen zum königlichen Hoflieferanten. In den fünfziger Jahren wurde aus der traditionsreichen Fabrik ein volkseigener Betrieb mit dem Namen "Goldeck". Bis in die 1970er hinein wurde hier Schokolade produziert. Heute dienen die Räumlichkeiten als Loft-Wohnungen. Allein das große Firmenlogo "VEB Goldeck" an der Hausfassade erinnert an die schokoladige Vergangenheit.  

Historiker und Gohlis-Experte Dr. Manfred Hötzel kennt sich mit der industriellen Bedeutung des Stadtteils aus.

Zuerst war Felsche, dann kam die Aktien-Bier-Brauerei und dann kam Bleichert. Man sagt zwar im Allgemeinen Gohlis ist ein Wohnstandort, aber es gab eben auch Industrie, wo man in der Regel nicht dran denkt.

Dr. Manfred Hötzel, Historiker

Was verbindet Tansania und Gohlis?

Er führt uns durch die ehemaligen Bleichert-Werke. Adolf Bleichert betrieb dort seine Fabrik für Drahtseilbahnen. Einst war sie die größte Seilbahnfabrik der Welt. Heute sind es nur noch Ruinen aus Ziegeln und zerbrochenem Glas. Wir stehen zu dritt in einer alten Montagehalle. Man kann noch deutlich das Öl riechen, das die damaligen Drehmaschinen antrieb. Literweise soll es im Boden versickert sein. Bleichert wollte Drahtseile zukünftig für den Transport von Metallen und Baumaterialien nutzen. Manfred Hötzel erklärt:

Er kam auf die Idee eben dazu die Seilbahn einzusetzen und hat erstmal welche konstruiert. Und die zweite Idee war: Ich könnte die eigentlich auch selber bauen. Und hat dann eine Fabrik angemietet und hat also nicht nur konstruiert, sondern eben dann auch Seilbahnen dann gebaut. Es gibt ganz wenige Länder in die keine Bleichertschen Seilbahnen geliefert wurden.

Manfred Hötzel

Von Norwegen bis Chile, von Tansania bis Australien – überall fuhren die Drahtseilbahnen aus Gohlis. Wir verlassen Adolf Bleichert und das Fabrikgelände und folgen der Hufeisenform der Mencke-Straße  – vorbei an der Schokoladenfabrik und am Schillerhaus. 

Rundgang durch Gohlis – Ein Beitrag von Charlotte Schulze (Sprecherin) und Albrecht Buder
Rundgang Gohlis

 

 

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Albrecht Buder, Charlotte Schulze
05.03.2015 - 11:31
  Kultur

Öffnungszeiten Schillerhaus :

April bis Oktober
Dienstag bis Sonntag: 10 - 17 Uhr

November bis März
Mittwoch bis Sonntag 11 - 16 Uhr