GEW gegen Staatsregierung

Ein Maßnahmenpaket für Lehrer in Sachsen

Proteste, Diskussionen und wieder Proteste. Um den unbeliebten Lehrerberuf in Sachsen attraktiver zu gestalten, muss einiges getan werden. Gewerkschaften und Regierung sind sich dabei alles andere als einig.
Lehrerstreik in Leipzig
Bestückt mit Plakaten und Fahnen demonstrierten Hunderte Lehrer auf dem Richard-Wagner-Platz

Am neunten November protestierten mehrere Hundertschaften sächsischer Lehrer vor dem Landtag in Dresden. Allgemeine Kritik der Lehrer am eigenen Beruf besteht, speziell in Sachsen, schon seit langer Zeit. Zu niedrig sind die Löhne, zu lang die Arbeitstage, zu groß ist die Schüleranzahl in den Klassen und zu gering die Zahl der Beschäftigten. Seit dem 26. Oktober existiert ein Maßnahmepaket gegen diese Probleme. Das Paket war allerdings der Grund für die neuesten Proteste. Es soll angeblich nicht genug helfen und den Lehrerberuf auch nicht attraktiver machen.

Zwischen Verständnis und Kopfschütteln

Seit Monaten besteht ein allgemeiner Streit zu dieser Thematik zwischen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Staatsregierung. Schon am 29. September protestierte man vor dem Dresdener Landtag. Damals waren es die Schüler, 300 an der Zahl, die sich über Lehrermangel und zu wenig Investition in die Bildung beschwerten. Einen Tag später führten GEW und die Staatsregierung Gespräche, um Lösungen für diese Problematik zu finden, die jedoch scheiterten. Am 22. Oktober verkündete die GEW nach einer Sitzung weitere Gesprächsbereitschaft, aber auch möglichen Widerstand in Form von Streiks, sollten sich die Bedingungen an Schulen künftig weiter verschlechtern. Nachdem wenige Tage später das Maßnahmenpaket veröffentlicht wurde, setzte die GEW eine Regionalkonferenz für den dritten November an, um es auszuwerten und weitere Aktionen zu planen. Das Ergebnis: Kritik an allen Ecken, die wiederum Grund für die Proteste am neunten November waren. Die Koalitionspartner der Regierung, CDU und SPD, reagierten auf die nach wie vor starke Kritik gemischt. Die SPD kann sie nachvollziehen, die CDU bekundet Unverständnis.

Nicht jedem wird geholfen

Warum aber die Kritik, und warum die Proteste und Streikankündigungen? 213 Millionen Euro soll das Maßnahmepaket kosten, 722 neue Lehrer sollen eingestellt werden und abgesehen davon gibt es höhere Löhne für Oberschullehrer, weniger Arbeitsstunden für Grundschullehrer (27, statt 28 Wochenstunden) und Bonuszahlungen. Lehrer im Rentenalter bekommen die Möglichkeit für höhere Löhne weiterzuarbeiten und Seiteneinsteiger in den Beruf werden durch eine dreimonatige Einstiegsvorbereitung besser qualifiziert. Trotz dieser Unterstützungen ist die GEW der Meinung, dass diese Hilfe bei weitem nicht ausreicht und den Beruf des Lehrers nicht viel attraktiver macht. Nach wie vor wächst die Anzahl der Schüler und es gibt keine Regelung für die Anzahl von Schülern pro Klasse. Der Schwerpunkt des Pakets wird vor allem darin liegen junge Arbeitskräfte anzulocken, die dann auch höhere Löhne erhalten würden als alte, erfahrene Lehrkräfte. Auch die Grundschullehrer hinken Lohnmäßig dann immer noch hinterher. Ebenso bessern sich die Arbeitsbedingungen der Lehrer nicht, da ihnen so etwas wie Mitsprache- und Entscheidungsrecht fehlt. Ein Tarifvertrag würde dies ändern, aber den gibt es nicht. Alles in allem hält die GEW das Paket für unzureichend. Mutiges anpacken der Probleme sähe anders aus und Sachsen liegt in einer Umfrage zur Beliebtheit des Lehrerberufs noch immer auf dem letzten Platz von allen Bundesländern.

mephisto 97.6 führte aufgrund der Proteste und der komplizierten Situation ein Interview mit SPD Politikerin und GEW Gewerkschaftsfunktionärin Dr. Eva Maria Stange über die Kritik am Paket:

mephisto 97.6 zum neuen Lehrerpaket und der Kritik der GEW
1111_SG_Lehrerpaket_Stange
 

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