Skateboarding

Ein Lifestyle wird olympisch

Skatebording - mehr Sport als Lifestyle? Jedenfalls hat das IOC Gefallen daran gefunden. Was vorerst als Demonstrationswettbewerb dienen soll, könnte bereits 2020 Teil der Olympia-Wettkämpfe sein. Aber was halten die Skater davon? Eine Reportage.
Julia beim Skaten im Heizhaus.

Medaille mit zwei Seiten

Von außen eine buntbemalte Platte, innen mit riesigen Halfpipes und anderen Hindernissen ausgestattet. Das Heizhaus in Grünau lockt täglich viele Skater an und so ist es meistens laut und voll. Kinder aller Altersstufen wuseln im Vorraum umher, ausgerüstet mit Skateboards, BMX-Rädern und Skootern. Zwischen ihnen auch ein paar Erwachsene, hauptsächlich Betreuer und ein paar Rollbrett-Profis. Was Olympia angeht, haben die Skater noch eher gemischte Gefühle, wie auch Sven Bielig. Der Leiter der Halle sitzt in seinem Büro, dem wohl einzig ruhigen Raum im ganzen Gebäude. 

"Einerseits ist es schön, dass Skateboarding auf eine hohe Plattform gehoben wird, auch medial, und dass es Anerkennung bekommt – für einige der Skater wird es eine Lebensgrundlage werden – und für viele ist es halt auf der anderen Seite ein Ausverkauf des Skatens." Sven Bielig - Leiter des Heizhauses

"Es gehört auf die Straße, dahin wo es herkommt!"

Kommerz, Werbung und Sponsoren gab es zwar auch schon vor Olympia, trotzdem soll das Skaten seinen Status als individuellen Straßensport nicht verlieren. Dafür setzen sich viele Border vehement ein, wie auch Martin. Der ehrenamtliche Betreuer gibt im Heizhaus Skateboard-Kurse. Sein langes Haar hat er im Nacken zu einem Pferdeschwanz gebunden. Etwas müde überlegt er. Martin findet, Skaten gehört auf die Straße, dahin wo es eigentlich herkommt. Er ist besorgt um die Qualität, wenn die Sportart wirklich olympisch werden sollte:

"Find ich schwierig, weil es einfach zu individuell ist und es würde dann bedeuten, dass irgendwelche vergleichbaren Kategorien geschaffen werden müssen, um da faire Punkte zu verteilen." Martin - Skater

"Wir hätten uns solch eine Chance als Kinder gewünscht"

Doch es gibt auch Befürworter unter den Skatern. Julia und Mirko sausen in der Halle auf den Halfpipes hin und her. Reifen quietschen, Bretter knallen zu Boden, ihre Fahrer gleich hinterher. Wohin man sieht, nichts als rasende Gestalten. Als die beiden zum Stillstand kommen, schnaufen sie vor Anstrengung und strahlen vor Glück. Für sie ist Skaten mehr als nur ein Lifestyle. Es ist ein Sport, der es in ihren Augen verdient hat, aufzusteigen und olympisch zu werden.

"Also ich finde, dass skaten auf jeden Fall olympiawürdig ist. Ist zu ner Trendsportart geworden. Und mit anderen Olympiasportarten ging das ja früher auch so los." Julia

 

"Eine Chance, ganz klar! Skateboard fahren olympisch, dafür braucht es auf jeden Fall eine breite Basis, was auch Parks sind, was Angebote für Schulen sind und das muss erstmal geschaffen werden." Mirko

Neues für den Nachwuchs

Um den hippen Lifestyle olympiatauglich zu machen, müssen Fördermittel her: Neue Trainingslager, Parks und Skateboard-Anlagen. 2013 wurde schon vorsorglich die Anlage bei den Höfen am Brühl vergrößert. Die alten, kaputten Rampen, die damals nur noch zum Rumhängen dienten, wurden ersetzt durch neue Elemente. Auch Sven Bielig ist bereits voll in Planung was den Olympia-Nachwuchs angeht: 

"Also wir als Verein arbeiten gerade im Rahmen des deutschen Rollsport-Innenverband daran, die Sportkommission Skateboard aufzubauen, mit dem Hintergrund, Skateborden olympiatauglich zu machen." Sven Bielig - Leiter des Heizhauses

In Leipzig bringt der Plan, Skateboarding olympiatauglich zu machen, einiges ins Rollen. Weil es aber bisher nur als Freizeitsport gesehen wurde, ist es in Deutschland noch ein weiter Weg, bis man vom Skaten als Profisport leben könnte.

 

Eine Reportage von Anna Hofer über Skateboarding bei Olympia
Skateboarding bei Olympia
 

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Das "IOC" ist das "Internationale Olympische Komitee",  mit Sitz in Lausanne in der Schweiz. Seine Aufgabe ist die Organisation und Betreuung der Olympischen Spiele. Gegründet wurde es am 23. Juni 1894 und besteht seitdem aus bis zu 115 regulären Mitgliedern. Präsident ist aktuell Thomas Bach.

Bei den Olympischen Jugendspielen im chinesischen Nanjing sind bereits seit August 2014 zum ersten Mal Skateboarder zu sehen. Männer und Frauen, die Stunts auf Rampen und auf einem Straßenparcour vorführen. Die coole Show soll ein junges und zahlungskräftiges Publikum ins Olympiastadion locken.