Themensendung Grenzen

Ein Leben an der Mauer

Grenzen faszinieren, vor allem wenn sie – wie die Berliner Mauer – eingerissen wurden. Doch auch heute noch werden Mauern gebaut. Die wahrscheinlich Berühmteste ist die Sperranlage in Israel, die das israelische Gebiet vom Westjordanland trennt.
Grenzübergang von Israel nach Palästina.

Das Westjordanland, oder auch Westbank, befindet sich seit dem Sechstagekrieg von 1967 unter der Kontrolle des israelischen Militärs. Schon 1995 schlug der damalige Ministerpräsident Yitzhak Rabin vor, die Westbank mit einem Sicherheitszaun abzutrennen, um Selbstmordattentate im israelischen Kernland einzuschränken.

Allerdings wurde die Idee erst fünf Jahre später erneut aufgegriffen, da sich die Gewalt zwischen israelischen und palästinensischen Sicherheitskräften verschärft hatte. 2003 wurde der Bau in die Tat umgesetzt, wodurch sich das Leben der Palästinenser enorm verändert hat.

Familien zertrennt, das Land zerstückelt

Der 759 Meter lange Sperrwall verläuft durch die palästinensischen Gebiete und trennt Familien und Menschen von ihrem Besitz. Bauern sind von ihren Feldern abgeschnitten, um sie zu bestellen, müssen sie erst die Checkpoints passieren, die willkürlich geöffnet und geschlossen werden. Die Armut vieler Familien hat sich dadurch drastisch verschlimmert, da für die Palästinenser Agrarwirtschaft zu den wichtigsten Einnahmequellen gehört.

Die Grenze verläuft nicht auf der sogenannten 'Grünen Linie', der Waffenstillstandslinie von 1949, sondern schneidet tief ins Westjordanland ein.
Sie verläuft dort, wo es die reichsten Wasserressourcen gibt. Circa 37 Kilometer Wasserrohre wurden beim Bau zerstört, 100.000 Oliven- und Zitrusbäume gefällt und das Land zerstückelt.

Nichts bleibt unberührt

150.000 Palästinenser sind von drei Seiten der Mauer eingeschlossen. Das Leben gestaltet sich enorm schwierig. Sowohl der Zugang zu den Krankenhäusern, Schulen und Universitäten als auch zu Freunden und Verwandten ist von der Sperranlage bestimmt und erschwert. Insgesamt 520 Checkpoints erstrecken sich über die Anlage und lange Wartezeiten sind vorprogrammiert. Ohne Aufenthalts- und Ausreisegenehmigungen ist das Passieren nicht möglich.

Frau Amal El Abd, die selbst Palästinenserin ist, will Aufklärungsarbeit leisten und über das Schicksal der Menschen berichten, die von einer Mauer weggesperrt werden. Sie hat selbst Familie in der Westbank und hat die Grenze mit eigenen Augen gesehen. Als sie das erste Mal vor der Mauer stand, sei sie sprachlos und innerlich zerrüttet gewesen. Eine solche Grenze lässt keinen Teil des Lebens unberührt. Ein Leben an der Mauer kann wohl nur der beschreiben, der er selbst miterlebt hat.

 

Ein Leben an der Mauer. Beitrag von Lisa Scheyer
 

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