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Ein Friedhof schreibt Geschichte

Der Neue Israelitische Friedhof Leipzigs ist primär ein Ort, an dem die jüdische Gemeinde zusammenkommt. Aber auch Besuchern steht er offen und lädt ein auf eine Reise durch die jüdische Vergangenheit Leipzigs.
IF Leipzig
Neuer Israelitischer Friedhof Leipzig

 Der Beitrag zum Neuen Jüdischen Friedhof hier zum Hören: 

"Der Neue Jüdische Friedhof" – Ein Beitrag von Marlene Schlichtenhorst und Marie Kraja
 

 

Direkt gegenüber vom Eutritzscher Klinikum St. Georg befindet sich der Neue Israelitische  Friedhof Leipzigs. Hinter der schlicht gehaltenen Trauerhalle erschließt sich dem neugierigen Besucher ein von hohen Bäumen gesäumtes Areal. Hier können die Besucher Trauern, Nachdenken und Beten. Steffen Held ist Historiker und erforscht jüdisches Leben in Leipzig. Er besucht den israelitischen Friedhof regelmäßig, denn er interessiert sich für die vielen Geschichten, die sich hier verbergen. In Führungen, die er im Auftrag der israelitischen Gemeinde zu Leipzig organisiert, teilt er sie mit Interessierten.

Und dann wäre natürlich jetzt noch der wichtige große liberale Rabbiner von Felix Goldmann. Er ist 1934 gestorben und wurde hier bestattet. Er war ein ganz beliebter Rabbiner in der Gemeinde.

Steffen Held, Historiker

Auch der bekannte Rabbiner Shalom Joseph Friedmann fand hier seine letzte Ruhe. Noch heute kommen Gläubige nach Leipzig, um sein Grab zu besuchen und hier zu beten. Sie sind Mitglieder der jüdischen Strömung der Chassiden, das heißt „die Frommen“.

Wie es auf einem jüdischen Friedhof üblich ist, werden hier auch Thorarollen begraben. Ihnen ist ein eigener Grabstein gewidmet. Die Inschrift ist aufschlussreich:

Hier ruhen Thorarollen, 1939 aus Polen geraubt und von der Universitätsbibliothek übernommen. 1998 bei Restaurierungsarbeiten geborgen, 1999 im Juni hier beerdigt.

Grabstein, Neuer Israelitischer Friedhof Leipzig

Das, so Steffen Held, war allerdings nicht immer so. Zuvor besagte die Inschrift, mutige Leipziger hätten die Thorarollen aus Leipziger Synagogen gerettet und in der Universitätsbibliothek versteckt. Der Brief eines in Polen stationierten Soldaten, der bestätigte, die Thorarollen befänden sich nun im Zug nach Leipzig, belege jedoch das Gegenteil.

Der israelitische Friedhof ist ein Ort, an dem die jüdische Gemeinde zusammenkommt. Aber auch für Besucher ist er frei zugänglich und steckt voller Geschichten. 

 

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Marlene Schlichtenhorst
01.09.2015 - 12:01
  Kultur