Konzertbericht: Fat Freddy's Drop

Ein Flashback der besonderen Art

Für eines von nur drei Deutschland-Konzerten besuchte die Band ‚Fat Freddys Drop‘ aus Neuseeland das Leipziger Werk 2.
Fat Freddy's Drop am 9.6. im Werk 2

Als ich Fat Freddys Drop im vergangenen Jahr durch eine Freundin kennenlernte, war ich sofort fasziniert. Keine mir bis dahin bekannte Band verband Jazz so gut mit Soul, Reggae, Funk, Hip Hop und Folk. Das relaxte Big-Band-Feeling der Neuseeländer mochte ich sofort und schon beim ersten Hören verliebte ich mich in das Lied "Flashback" vom Album "Based on a True Story"‚ "There’s something natural in the way you touch me- it’s feeling that I can’t describe- something mystic in that soul connection- something magic in your misty eyes…" wenn ich diese Zeilen schon höre, bekomme ich quasi Gänsehaut.

Ich habe es wieder und wieder gehört, laut beim Fahrradfahren mitgesungen und wollte die siebenköpfige Band zu gerne mal live sehen. Leider klappte es 2016 nicht, zum Konzert nach Berlin zu fahren und so freute ich mich riesig als ich erfuhr, dass die Band dieses Jahr für drei Konzerte nach Deutschland kommen würde und umso mehr noch, dass eines der Konzerte in Leipzig stattfinden sollte. Es gab zwar seit dem letzten Album ‚Bays‘ im Jahr 2015 kein Nachfolgealbum, aber gerade das machte das Konzert für mich auch so spannend, da vielleicht einige neue Songs zum Besten gegeben werden könnten, die bis dahin noch ungehört waren.

Erster Eindruck

Vor dem Konzert habe ich bewusst versucht, keinerlei Erwartungen zu haben. Trotzdem hatte ich ein gewisses Bild der Konzertbesucher im Kopf. Ich dachte an Studenten, Hippies und tendenziell eher an ein älteres Publikum, die an diesem Abend den Weg in das Werk 2 finden würden. Ich sollte Recht behalten: Als wir in Connewitz ankamen, waren Jugendliche doch eher in der Unterzahl. Es war ein bunt-durchmischtes Publikum: Paare, Hippies, aber auch sehr viele eher ältere Besucher, die sich die neuseeländische Genremixtur nicht entgehen lassen wollten.

Ausverkauft war das Konzert dennoch nicht. Bei einem Ticketpreis von über 40 Euro war das aber auch nicht verwunderlich.

Der Vor-Act der Band gehörte quasi zum Ensemble - MC Slave. Er versorgte die wachsende Menschentraube vorab mit sehr reggaelastigen Songs, die er zugegebenermaßen eher unmotiviert laufen ließ. Ich ging bereits im Vorfeld davon aus, dass während des Konzerts überall ein leichter Marijunaduft den Raum erfüllen würde. Doch davon war vor dem eigentlichen Konzert noch nicht viel zu schnuppern. Das Publikum wirkte stattdessen eher verhalten. Die Bühne war in ein dunkles Rot getaucht und Wolken zierten den Hintergrund. Wie zuvor angekündigt, betrat die siebenköpfige Band um den Frontmann Dallas Tamara alias "Joe Dukie" pünktlich zur Primetime um 20:15 Uhr die Bühne und begann das Konzert mit einem ihrer größten Hits - "Ernie".

Die Show

Von Anfang an merkt man, dass die sieben Neuseeländer richtig Lust aufs Spielen vor dem Leipziger Publikum haben. So gibt die Band die kommenden zweieinhalb Stunden wirklich alles. Die glasklare Stimme von Joe Dukie in Kombination mit Musikern, die einfach gerne Musik machen, erzeugen augenblicklich eine besondere Stimmung im Publikum. Vor allem der Posaunist Joe Lindsay schafft es wie kein Zweiter, durch seine Dance- und Kostümeinlagen die Zuhörer zum Beben zu bringen. Dabei wirkt die Song-Auswahl an diesem Abend sehr ausbalanciert: es wird mit langsameren Liedern gestartet, Songs zum Eingrooven, doch dies steigert sich exponentiell.

Wer am Ende nicht wenigstens kurz mitgesprungen ist, der hat definitiv was falsch gemacht an diesem Abend im Werk 2. Aber nicht nur das Tempo steigert sich, auch die Temperatur erreicht im Laufe des Abends fast den Siedepunkt. Schweißgeruch verbindet sich dann doch mit dem Duft des ein oder anderen Joints. Viele Lieder, auf die man wartet wie "Black Bird", "Wandering Eye" oder "Slings and Arrows" werden gespielt und am Ende mit tosendem Applaus honoriert. Überhaupt habe ich lange nicht mehr so viel und so lauten Applaus nach einzelnen Songs oder nach kurzen Spielpausen erlebt. Was mich besonders fasziniert, sind die minutenlangen Solos der Musiker. Wo bei anderen Bands nur stupide runtergespielt wird, verändern Fat Freddys Drop so gut wie jeden Song, variieren das Tempo oder verbinden einzelne Lieder und ziehen dadurch das Publikum in ihren Bann. Als ich mich während des Konzertes umsehe, sehe ich in durchweg beseelte und glückliche Gesichter. Musik, die mit so viel Herzblut gemacht wird, bekommt man zwischen den in Konserven gepressten Gleichklang nur noch selten geboten und honoriert man daher auch gern.

Fazit

Es hat sich mehr als gelohnt, ins Werk 2 zu kommen.Der charismatische Frontmann, dazu das Bläserarrangement, Gitarre, Bass, Keyboard und Dazugemischtes von DJ Fitchie bilden eine wunderbare Symbiose, die typisch für Jazz ist. Und doch ist die Musik der Neuseeländer viel mehr als das. In den gesamten zweieinhalb Stunden merkt man, dass die Band gerne ‚zusammen jamt‘ und es einfach genießt, ihre Musik vor Menschen zu spielen - und dies authentisch und ohne übertriebene Show. Es geht eben um die Musik und nicht um aufwendige Effekte, Bühnenshow oder anderen Schnickschnack. Auch wenn das silberglänzende Kostüm von Joe Lindsay ein echter Hingucker war. Es wurde zwar nur ein neuer Song gespielt aber gut Ding will eben Weile haben. Ich kann es nur jedem empfehlen bei einer nächsten sich bietenden Gelegenheit den doch recht hohen Eintrittspreis auf jeden Fall zu investieren, um mit dabei sein zu können, wenn richtige Musik von Musikern mit Herzblut gemacht wird. Sie werden es nicht bereuen!

 

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Isabel Meißner
29.06.2017 - 00:54
  Kultur