Filmrezension

Ein filmischer Phantomschmerz

Der indonesische Schauspieler Iko Uwais gilt seit „The Raid" als Star des Martial-Arts-Kinos. Mit „Headshot" ist nun sein neuester Actionfilm im Handel erhältlich.
Headshot - Der neue Actionfilm mit Iko Uwais
Iko Uwais schlägt zurück

 

Ein junger Mann (Iko Uwais) wacht in einem Krankenhaus ohne Gedächtnis auf. Warum er dort gelandet ist und was vorher passierte, weiß er nicht mehr. Nicht einmal an seinen Namen kann er sich erinnern. Die Krankenschwester Ailin (Chelsea Islan) nennt ihn Ishmael und kümmert sich fürsorglich um ihn. Während sich die beiden ineinander verlieben, wird Ishmael von seiner brutalen Vergangenheit eingeholt, als Ailin entführt wird. Ishmael macht sich auf die Suche nach ihr und muss sich den Schergen eines gefürchteten Mafiabosses stellen... 

The Raid 3?!

Regisseur Gareth Edwards gelang mit The Raid (2011) und The Raid 2 (2014) ein Sensationserfolg. Während es im ersten Teil der Martial-Arts-Actionreihe eine blutrünstige Prügelei in einem Hochhaus zu sehen gab, konnte der zweite Teil neben seinen brillanten inszenierten und kaum zu ertragenden Kampfszenen auch noch mit einer spannenden Gangstergeschichte überzeugen, die mit ihrer Komplexität beinahe an den Paten erinnert. In beiden Teilen glänzte der Kampfsportler Iko Uwais in der Hauptrolle, der auch maßgeblich an der Entstehung der Action beteiligt war. Für den dritten und letzten Teil der Reihe müssen sich die Fans wahrscheinlich noch bis 2019 gedulden. Headshot von den Regisseuren Kimo Stamboel und Timo Tjahjanto dürfte jedoch jedem Action-Liebhaber die Wartezeit versüßen. Die beiden konnten Iko Uwais für ihren Film gewinnen, der bereits in den ersten Minuten The Raid ordentlich Konkurrenz macht. Die unzähligen Kampfszenen sind auch in Headshot überwältigend choreografiert und so brutal, dass man sich an der ein oder anderen Stelle am liebsten vom Bildschirm abwenden möchte. Hier werden reihenweise Menschen mit Metallrohren, Macheten oder auch den bloßen Fäusten regelrecht zu Brei geschlagen. Schade ist nur, dass in Headshot öfter auf eine Wackelkamera zurückgegriffen wird, die das blutige Treiben etwas unübersichtlich wirken lässt.

Uninspirierte Schlachtplatte

Insgesamt erreicht Headshot nur selten die inszenatorische und vor allem erzählerische Raffinesse seiner Vorbilder. Wo insbesondere The Raid 2 noch mit perfekter Balance zwischen seiner Erzählung und schockierendem Gemetzel gefunden hat, feuert Headshot in der ersten Hälfte ein Dauerfeuerwerk ab, das er in der zweiten Hälfte einfach nicht mehr toppen kann. So ist leider schon auf halber Strecke die Luft aus der Geschichte raus. Fast wirkt es so, als wäre den Regisseuren plötzlich aufgefallen, dass sie ja auch noch ihre Geschichte auflösen müssen. Besagte Auflösung ist dann mit fehlenden Überraschungen und aufgesetzter Gesellschaftskritik eher uninteressant ausgefallen. 

Lohnt sich der Trip?

Alle Martial Arts Fans und (volljährigen) Filmfreunde, die mal wieder einen wahrhaft brutalen Actionfilm sehen wollen, sind bei Headshot gut aufgehoben. Die grausamen Kampfszenen sind besonders in der ersten Hälfte eine Wucht. Insgesamt bleibt bei dem enttäuschenden Finale jedoch der Eindruck zurück, dass es dem Film vor allem nach den beiden The Raid - Filmen eindeutig an neuen Einfällen mangelt.

 

 

Die ganze Rezension von mephisto97.6 Redakteur Janick Nolting gibt es hier zum Nachhören: 

Moderator Paul Materne im Gespräch mit mephisto 97.6 - Redakteur Janick Nolting über "Headshot"
 
 

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Titel: Headshot

Laufzeit: 114 Minuten

keine Jugendfreigabe (Spio JK - geprüft)

seit dem 9.6.2017 auf Blu Ray und DVD erhältlich (Koch Media GmbH)