Die Kolumne

Ein bisschen Hass? Lass sein!

Die Kolumne. Immer freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal: Marisa Becker über Lärmbelästigung, brennende Mülltonnen und Migranten als vermeintliche Kuriosität.
Kolumne, Symbolbild, Redaktion
Was ist diese Woche passiert? Unsere Kolumnisten und Kolumnistinnen haben sogar Antworten, wenn sie gar nicht gefragt werden.

Die Kolumne zum Nachhören:

Ein bisschen Hass? Lass sein! - Die Kolumne von Marisa Becker
0707 Kolumne

Die LVB plant eine bessere Anbindung für RB Fans. Bis zum alten Schwimmstadion sollen die Gleise laufen. Wie findest du die Idee?

Prinzipiell halte ich das für eine Idee, die zumindest keinem schadet. Die Fans müssen nicht mehr so weit zum Stadion laufen und können sich nach dem Spiel einfach total besoffen in die Bahn werfen. Sie müssen sich nicht einmal Gedanken machen, ob sie denn in die richtige Richtung fahren! Und alle, die nicht aus dem Fußball-Kosmos kommen, müssen sich genau DAS nicht mehr antun. Man kann wieder spontan in die Bahn steigen, ohne Angst auf einen Mob von Fans zu treffen. Für die Anwohner, zu denen ich übrigens auch gehöre, ändert sich aber nicht viel: Wir müssen trotzdem das Gegröle und im schlimmsten Fall auch Helene Fischer ertragen.

Die Stadt Leipzig hat ein Faltblatt heraus gebracht, in der dezidiert nahezu jede Information über Immigranten steht. Jede neunte Ehe hat mindestens einen Immigrant. 18 Prozent aller Schüler sind ebenfalls Immigranten. Sind es für dich wertvolle Informationen?

Diese Informationen sind für mich ungefähr genauso wertvoll wie die Information, dass der Fanshop vom BVB einen Rollator im Angebot hat. Ja, jede Stadt führt Statistiken darüber, wie viele Migranten in ihr leben. Aber ein Prospekt?! Verdammt, es gibt Prospekte über die Tiere im Zoo. Oder über einheimische Vogelarten. Aber doch nicht über Migranten?! Als seien Migranten eine eigene Rasse Mensch, die es penibel statistisch zu erfassen und zu erforschen gilt! Was soll ich denn mit der Information anfangen, dass in jeder neunten Ehe ein Partner Migrant ist? In dem Faltblatt erfährt man ja auch, wo die meisten Migranten wohnen. Ein Wohnkompass für besorgte Bürger? Das sind die einzigen, die das interessiert. Die, die die Zahlen benutzen, um über die Entweihung ihres “heiligen Sachsens” rumzuhaten. Gibt es bald auch Broschüren über Frauen? Schwule? Nazis? Sind ja auch Gesellschaftsgruppen, die nicht von allen akzeptiert werden. Liebe Stadt, damit habt ihr niemandem einen Gefallen getan.

Kolumnistin Marisa Becker
Unsere Kolumnistin Marisa Becker empfindet Weihnachten nicht als stressig – sie liebt es!

Der G20 Gipfel ist im vollen Gange. Die Polizei ist bereits kräftig am Pfefferspray sprühen. Auch in Leipzig wird gegen den G20 Gipfel demonstriert. Stehst du eher auf Seiten der Polizei oder der Demonstranten?

Sich mit anderen solidarisieren ist grundsätzlich eine gute Sache. Wenn man ein gemeinsames Anliegen hat, dann kann und sollte man das zum Ausdruck bringen. Hat ja keiner was davon, wenn man schweigt. Und so lange solche Proteste friedlich ablaufen, sollte sich auch keiner daran stören. Das sah bei der Demo letzten Freitag gegen den G20-Gipfel aber anders aus: Mülltonnen haben gebrannt, ein Bus wurde mit Feuerwerk attackiert und eine Rohrbombe wurde gefunden - Über deren Existenz streiten Antifa und Polizei aber im Netz. Die brennenden Mülltonnen allein wären schon Grund genug, sich aufzuregen. Was habt ihr denn davon? Habt ihr dann ein Zeichen gesetzt?! Ist das in irgendeiner Weise zielführend?! Damit diskreditiert ihr doch nur euere eigenen Anliegen. Und die sind im G20 Fall wichtig. Diese “Demonstrationskultur” ist aber einfach nur peinlich. In dem Fall würde ich also sagen: Demonstranten, ihr habt euch selbst ein Eigentor geschossen. Mal wieder.

Und nächste Woche?

Zündet man vielleicht wieder Kerzen statt Mülltonnen an und liest in Flyern etwas über Frauen. Vielleicht erfahre ich ja dann, in welchem Stadtteil eigentlich die meisten davon wohnen!

 

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