Leipziger Friedenspreis

Ehrung eines Kämpfers

Er war, was seine Zeit brauchte: jemand, der den Mund aufmachen konnte. Er ist, was wir in der heutigen Zeit noch immer brauchen: ein Vorbild. Pfarrer Christian Führer wird posthum mit dem Leipziger Friedenspreis ausgezeichnet.
Die Leipziger Nikolaikirche

"Wir sind das Volk" – bei den Montagsdemonstrationen in der DDR gab es noch einiges mehr zu sagen, doch dieser Satz vereint alles in sich, was damals an Wut und Revolutionswille durch Leipzigs Straßen wogte. Nach der Wende meldete Christian Führer den Ausspruch zusammen mit Wolfgang Tiefensee als Marke an. Für Führer selbst stellte sich angesichts seines vielfältigen Engagements von allein Respekt ein. Und ein Markenzeichen hatte er auch schon – seine obligatorische Jeansweste. Als ein Initiator der Friedensgebete und Montagsdemonstrationen in Leipzig ist er eng mit der Geschichte der Friedlichen Revolution verbunden. Aber auch nach dem Fall der Mauer setzte Christian Führer sich noch nicht zur Ruhe. Für all seinen Einsatz wird dem vor zwei Monaten verstorbenen Pfarrer heute posthum der Leipziger Friedenspreis verliehen.

Engagement über die Wende hinaus

Die Auszeichnung wird zum siebten Mal vom Initiativkreis "Leipzig gegen Krieg" verliehen. Vereinschef Torsten Schleip sagte, der Preis würde eher Christian Führers nicht ganz so bekannten Verdiensten um Frieden und Nächstenliebe gelten. Er habe schon eine Menge Preise für seine Rolle in der Friedlichen Revolution bekommen. Den Leipziger Friedenspreis hätten bisher eher Menschen und Organisationen erhalten, die sich im Stillen engagieren – ausgezeichnet wird heute also eher der Christian Führer, den es abseits der DDR-Revolte gab.

"Um sein Engagement für den Frieden, gegen Rüstungsexporte, gegen Krieg, einfach mal hervorzuheben, damit es nicht in Vergessenheit gerät in 25 Jahren Wende-Euphorie, deswegen in diesem Jahr den Preis für Christian Führer." 

Unter anderem gründete Führer die "Kirchliche Erwerbsloseninitiative Leipzig" und setzte sich dort gegen Arbeitslosigkeit ein. Zudem war er noch bis 2008 Pfarrer der Nikolaikirche und bemühte sich stets um den Erhalt und die Förderung des Gotteshauses. Führer organisierte Mahnwachen und friedliche Gegendemonstrationen, etwa bei rechtsextremen Aktionen in Leipzig.

Symbolische Übergabe

Der Leipziger Friedenspreis ist allerdings längst nicht mehr die erste Auszeichnung, mit der Christian Führer geehrt wird. Diverse Friedenspreise und auch der Deutsche Nationalpreis wurden ihm schon verliehen – die heutige Trophäe, ein zur Sichel umgeschmiedetes Schwert, kann er allerdings nicht mehr selbst empfangen. Mit 71 Jahren war er am 30. Juni 2014 in Leipzig gestorben. Nun fehlt ein Vertreter, der den Leipziger Friedenspreis entgegennimmt. Torsten Schleip, Chef des Initiativkreises "Leipzig gegen Krieg" erklärt, wie zunächst vorgegangen wird.

"Mit den Kindern der Familie haben wir zwar versucht, Kontakt aufzunehmen, aber es ist uns nicht gelungen, es kam keine Rückmeldung, sodass wir jetzt erstmal symbolisch diesen Preis überreichen und in den nächsten Tagen und Wochen darüber verhandeln, wo er endgültig seinen Stellplatz findet."

Am liebsten wäre ihm allerdings die Nikolaikirche – ein Vorzug, der sich von selbst erklärt. Der Friedenspreis solle dort an eben jenen Grundsatz erinnern, der schon in der DDR-Opposition galt: "Schwerter zu Sicheln machen" – und Konflikte friedlich lösen, egal ob in den eigenen vier Wänden oder international. 

Julia Grünwald im Gespräch mit Torsten Schleip vom Initiativkreis "Leipzig gegen Krieg".
 
 

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