#vulvarious

Echte und falsche Steuern

Eine Frau zu sein, kann ganz schön teuer sein. Oft werden Frauen schlechter bezahlt - und wenn sie dieses Geld dann ausgeben wollen, müssen sie häufig besonders viel für bestimmte Produkte bezahlen.
Pink Tax auf rosa Rasierer & "Lukussteuer" auf Tampons.
Pink Tax auf rosa Rasierer & "Lukussteuer" auf Tampons.

mephisto 97.6-Redakteurin Lara Lorenz über die inoffizielle "rosa Steuer" und die offizielle "Luxussteuer":

Pink Tax und Tampon Tax - ein Kommentar von Lara Lorenz
2106 Pink Tax

Pink Tax

Identifizieren Sie sich als Frau? Kaufen Sie Produkte, die für Frauen produziert werden, zum Beispiel lila Rasierschaum oder rosa Deo? Dann zahlen Sie die Pink Tax, also die rosa Steuer. Die kriegt übrigens nicht der Staat oder so. Das Geld behalten die Unternehmen. Die Pink Tax ist schließlich keine offizielle Steuer.

Der Begriff steht für den Mehrpreis, den es oft auf Produkte für Frauen gibt. Besonders gut sieht man das in Drogeriemärkten. Dort gibt es lilane und blaue Einwegrasierer, rosafarbene Deoroller, die nach Blumen duften und blaue Deoroller, die nach Ozean riechen – sehr männlich. Studien, Reportagen und Selbsttests zeigen - meist sind diese Produkte fast identisch: gleiches Material, gleiche Verpackung, gleiche Inhaltsstoffe. Nur winzige Details wie die Farbe oder der Geruch unterscheiden sich. Trotzdem ist die rosa Variante in den meisten Fällen teurer – und zwar nicht nur ein bisschen.

Schauen wir uns ganz simple Einwegrasierer an: Wenn man den Stückpreis ausrechnet, kostet ein grüner Einwegrasierer 15 Cent, ein Lilafarbener 17 Cent. Das ist ein Preisunterschied von 13 Prozent. Noch krasser wird es beim Rasierschaum. Die rosa Varianten sind zum Teil doppelt so teuer wie die für Männer – nur, weil sie rosa sind und nach Erdbeere riechen.

Vielleicht fragen Sie sich gerade, warum Ihnen das noch nie aufgefallen ist. Nunja, die Pink Tax wird sehr elegant versteckt. Die Männer- und Frauenvarianten der entsprechenden Produkte stehen in den seltensten Fällen direkt nebeneinander. Meist muss man ein paar Regalreihen weiterlaufen – da fällt der Preisvergleich natürlich schwer. Es wird auch oft mit der Packungsgröße gespielt. Bei Parfüm sind die Männer- und Frauenvarianten oft gleich teuer. Erst auf den zweiten Blick bemerkt man: in der Frauenvariante ist weniger drin.

Warum es diesen Preisunterschied gibt, will niemand so genau sagen. An den Material- und Produktionskosten kann es meist nicht liegen. Oft heißt es, Frauen seien einfach bereit mehr Geld für ihr Aussehen auszugeben – sie sind ja auch das schöne Geschlecht. Oder so. Es ist einfach eine himmelschreiende Ungerechtigkeit.

Man könnte natürlich auch einfach auf pinke Produkte verzichten: Wem die rosa Farbe und der blumige Duft kein extra Geld wert sind, kann einfach die grüne, blaue oder schwarze Männervariante kaufen. Das Grundproblem wird dadurch aber nicht gelöst.

#tampontax

Was, wenn ich körperlich auf diese Produkte angewiesen bin? Ich denke jetzt nicht an rosa Rasierschaum – kein Mensch braucht den wirklich. Die Rede ist von Menstruationsprodukten. Knapp 50 Prozent der Menschheit menstruieren drei bis sieben Tage im Monat, durchschnittlich 40 Jahre lang. Meistens sind es Frauen.

In einigen Ländern wird ihr Alltag dadurch stark eingeschränkt. Sie können zum Beispiel nicht in die Schule oder in die Arbeit gehen - weil ihnen keine Menstruationsprodukte zur Verfügung stehen - und alles vollbluten ist irgendwie auch nicht optimal.

In Deutschland sind wir in der großartigen Situation, dass es überall Menstruationsprodukte gibt - man hat sogar die Wahl zwischen Binden, Tampons, Menstruationstassen und Co. Aber als so richtig notwendig werden diese Produkte hierzulande anscheinend nicht eingestuft. Zumindest wirkt das so, wenn man einen Blick darauf wirft, wie die Produkte besteuert werden.

In Deutschland gibt es den normalen Steuersatz von 19 Prozent, umgangssprachlich wird der auch "Luxussteuer" genannt. Und es gibt einen verminderten Steuersatz von sieben Prozent. Der soll für notwendige Produkte gelten, damit auch Menschen mit wenig Geld sich bestimmte Grundlagen leisten können. Also Milch zum Beispiel. Oder Schokolade. Oder Kaffee, Schnittblumen und Maulesel - lebensnotwendige Produkte für den täglichen Gebrauch.

Raten Sie doch mal, welcher Steuersatz für Menstruationsprodukte gilt. Überraschung – der höhere. In Deutschland werden Tampons also mit 19 Prozent besteuert. Die Luxussteuer gilt für die Produkte, die ich brauche, um nicht einmal im Monat alles voll zu bluten.

Danke für nichts.

Oder, wie es die australische Künstlerin Mia Lethbridge formuliert: Drop it coz it's rot.

 

 

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Die Verbraucherzentrale Hamburg hat 2015 und 2016 die Preise von Männer- und Frauenprodukten in verschiedenen Drogeriemärkten verglichen und Preisunterschiede zwischen 17 und 200 Prozent gefunden.

Die Pink Tax gibt es nicht nur bei Körperpflegeprodukten. Auch für bestimmte Dienstleistungen wie Reinigung zahlen Frauen oft mehr.

2016 schlug der ehemalige britische Premierminister David Cameron der EU-Kommission vor, dass es den Mitgliedsstaaten möglich sein sollte, Menstruationsprodukte mit Null Prozent zu besteuern. Die Kommission begrüßte den Vorschlag. Bisher gab es von der EU die Vorgabe, Hygieneprodukte mit mindestens fünf Prozent zu besteuern, in vielen Ländern liegt der Steuersatz jedoch höher.

Auch in Ländern außerhalb der EU ist die "Tampon Tax" ein Thema. Der Protest in Australien hat bisher noch nichts erreicht: Die Regierung erhebt noch immer die GST auf Menstruationsprodukte. Das ist die Steuer, die auf "nicht-notwendige Produkte" angewendet wird. Aber es gibt auch positive Beispiele: Nigeria und Kanada haben die "Tampon Tax" inzwischen abgeschafft.