Jobcenter Leipzig

eAkte stoppt Papierberge

Das Leipziger Jobcenter stellt auf ein elektronisches Aktensystem um. Es soll dadurch effektiver und leistungsfähiger agieren. In Zukunft wird alles auf digital umgestellt. Doch was bedeutet das und worauf muss man sich in Zukunft einstellen?
Job-Center-Archiv
Veraltete Aktenregale

Von kühlen Neonleisten erleuchtete, lang gezogene Korridore. Endlos durchnummerierte Regalreihen, gefüllt mit verstaubten Aktenordnern, soweit das Auge reicht. Ungefähr so darf man sich das Archiv des Jobcenters Leipzig vorstellen. Doch damit soll bald Schluss sein, denn ab Montag wird die "eAkte" eingeführt. Was im Zeitalter von Ipad, Virtual Reality und co. längst überfällig erscheint, wird nun umgesetzt. Ein Abbau der Papierberge steht bevor und das dank des Wunders der Digitalisierung.

Digital wird es einfacher

Fast 70.000 Menschen erhalten in Leipzig Leistungen durch das Jobcenter mit Sitz in Gohlis. Tausende Anträge werden monatlich bearbeitet und hinzu kommen ca. 25.000 Anrufe im Call-Center. Dass dies unweigerlich mit einer Menge Bürokratie zusammenhängt, liegt auf der Hand. Doch ab Juli soll vieles einfacher werden. Die Papierakten müssen dann nicht mehr durch die langen Korridore von A nach B geschleppt werden. Vielmehr werden sie in digitaler Form überall abrufbar sein.

Die speziellen Schulungen für die Mitarbeiter des Jobcenters werden noch im Juni abgeschlossen. Die Vorbereitungen für das neue System gleichen also einer Punktlandung. Ein zweiter Monitor wird weitere Aktenwagen in den Büros der Mitarbeiter ersetzen. Die unterschiedlichen Teams des Jobcenters können in Zukunft ohne Zeitverlust auf die jeweilige Akte zugreifen. Bislang musste diese noch vom einem Büro ins Andere getragen werden. Besonders das Call-Center soll durch die eAkte an Effizienz gewinnen. Den Leistungsberechtigen soll nun schneller mit aussagekräftigen Informationen geholfen werden als bisher. Man verspricht sich davon weniger Frustration am anderen Ende der Leitung.

Arbeitsplatz
Schreibtisch eines Jobcenter-Mitarbeiters mit neuem Monitor

Kritik wird angebracht

Doch trotz zweifellos vieler Vorteile der Umstellung gibt es auch Aspekte, die kritisch wahrgenommen werden. Hauptkritikpunkt ist das Thema Datenschutz. Kathrin Rösler von der Erwerbsinitiative Leipzig macht deutlich wie sensibel die Daten sind, die in Zukunft im Netz abgerufen werden sollen. Sie hält es dabei für besonders problematisch, dass die Unterlagen von einem externen Scandienstleister digitalisiert werden. Die Daten werden also aus den Händen des Jobcenters gegeben und von Dritten bearbeitet.

Außerdem bemängelt Rösler, dass deutsche Gerichte es nicht als rechtskräftig anerkennen, wenn Unterlagen per Mail eingereicht werden. Dies hätte zur Folge, dass viele leistungsberechtigte Menschen die Kosten für Kopien und Scans selbst zahlen müssten. Diese Personen lebten finanziell allerdings soweit am Limit, dass das Bauchschmerzen bereiten kann.

Dauert jetzt alles länger?

Rösler befürchtet darüber hinaus, dass gerade zu Beginn der Umstellung mit Verzögerungen zu rechnen sei. Für besonders hilfsbedürftige Menschen seien solche Verzögerungen allerdings nicht tragbar. Das Job-Center Leipzig gibt in dieser Hinsicht Entwarnung. Pressesprecher Ronny Schleicher bekräftigt, dass dringende Fälle auch zu Beginn der Umstellung auf digitale Daten schnell bearbeitet werden.

Noch ein Jahrzehnt auf Lager

Ab Montag werden keine neuen Papierakten zum Anfassen mehr aufgenommen. Die bestehenden Aktenregale werden sich allerdings nur langsam leeren. Das Gesetz schreibt vor, dass die bestehenden Papierakten mindestens 10 Jahre aufgehoben werden müssen. Erst dann dürfen sie vernichtet werden damit im Keller des Jobcenters neuer Raum entsteht.

Sämtliche Infomationen können sie im Beitrag von mephisto 97.6-Redakteur David Seeberg nachhören:

EIn Beitrag von David Seeberg
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David Seeberg
29.06.2017 - 21:46

Mehr zum Thema:

Homepage des Jobcenters Leipzig.

Homepage der Erwerbslosenhilfe Leipzig.