DOK 2020

E14: Wenn die Welt den Atem anhält

Dem DOK Leipzig mangelt es wohl kaum an aktuellen Themen. Als eines der ersten Festivals weltweit zeigt die 63. Ausgabe sogar Filme über die Corona-Pandemie. "E14" berichtet über den schrägen Alltag in mitten des Lockdowns.
Blick in eine Wohnung des Londoner Viertels E14

Die Corona-Pandemie versetzte seit März einen Großteil der Arbeitnehmenden unfreiwillig ins Homeoffice. Während einige Berufe gut von Zuhause auszuüben sind, müssen viele eine Zeit lang ihre Arbeit komplett niederlegen. Doch nicht der britische Dokumentarfilmer Peiman Zekavat. In guter alter Hitchcock-Manier nimmt er sich den Lockdown zum Anlass, um aus dem Fenster seines Londoner Apartments die Welt, die Häuser und vor allem die Menschen in seiner Umgebung zu filmen.

Unser grauer Planet

Auf den ersten Blick erinnert "E14" an Tierdokumentationen, wie wir sie tagtäglich im Fernsehen finden können. Unbemerkt aus der Entfernung filmt der Kameramann das nichtsahnende Geschöpf bei seinem täglichen Kampf ums Überleben. Doch statt der afrikanischen Savanne mit gefährlichen Löwen sehen wir hier eine leergefegte Hochhauschlucht und gelangweilte Großstädter. Und auch hier rückt ein Erzähler die gesehenen Bilder immer wieder in einen neuen Kontext. So entstehen neben einigen witzigen Momenten auch ernste Diskurse über wichtige gesellschaftliche Themen wie Immobilienspekulation und Urbanisierung. Der Film geht in seinen knapp 20 Minuten dabei nicht so sehr in die Tiefe, wie es andere Dokumentationen vor ihm getan haben. Trotzdem eröffnet er durch aussagekräftige Bilder neue Blickwinkel auf altbekannte Themen.

Das Fenster zum Hof

Es hat etwas stark Voyeuristisches an sich, die Menschen durch ihre Fenster hindurch oder auf ihren Balkonen zu beobachten. Während man in die Wohnungen fremder Leute blickt und ihnen bei ihrer morgendlichen Zigarette zusieht, fragt man sich immer wieder: Ist das denn legal? Darf man einfach andere Menschen ohne ihr Einverständnis filmen? Aber ehe man diesen Gedanken beendet hat, schwenkt die Kamera bereits auf den nächsten Balkon. Im Zweifel überwiegt die Neugier.

Die Welt steht still

Wie über ein Wimmelbild schwenkt die Kamera von Balkon zu Balkon. Und immer wieder findet man sich selbst in den Bildern wieder. Die eigenen Erinnerungen an diese Zeit könnten nahtlos neben den Aufnahmen aus London stehen. Der letzte Lockdown ist erst wenige Monate her und wirkt trotzdem so fremd. Dagegen steht der nächste bereits vor der Tür und niemand weiß so recht, was uns in der Zukunft erwartet. Der Ausnahmezustand wird zur Normalität. Zekavat erschafft eine Momentaufnahme von genau diesem Gefühl. Und während man sich in den nächsten Wochen wieder von Freunden und Verwandten distanzieren muss, erinnert "E14" daran, dass man deshalb noch lange nicht allein ist.

 

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E14 feierte seine Europapremiere auf dem 63. Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm.

 

Regie: Peiman Zekavat

Laufzeit: 19 Minuten

Land: Großbritannien

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