Konzertbericht: Die Orsons

Durchgetaktete Anarchie

Aus dem Felsenkeller wird Orsons Island: Die Orsons zu Gast in Leipzig.
Die Orsons auf Orsons Island
Die Orsons auf Orsons Island

Kapitel 1: Die Rückkehr

Die Orsons und Leipzig, das scheint eine echte Liebesbeziehung zu sein: Im August auf dem Highfield, im September im Boiler Room, im Oktober im Felsenkeller. Und obwohl es der dritte Auftritt innerhalb kurzer Zeit im Kreis Leipzig ist, scheinen weder die Band, noch das Publikum Ermüdungserscheinungen aufzuweisen. Schon bei den ersten drei Songs „Grille“, „Vodka Apfel Z“ und „Ventilator“ gibt es die ersten Moshpits - der ganz normale Wahnsinn eben. Überhaupt dominiert bei den Orsons, wie so oft, das Absurde. Das Bühnenbild besteht aus einer riesigen, aufblasbaren Grille, die überdimensional über den vier Bandmitgliedern, dem Schlagzeuger und DJ Jopez thront.

Kapitel 2: Die Gefühle

Zum Wahnsinn der Orsons gehören aber auch die plötzlichen Wechsel in Stimmung und Dynamik. Denn kaum ist die Anfangshysterie abgeebbt, warten die Orsons mit den gefühlvollsten Stücken ihrer neuen Platte „Orsons Island“ auf. Besonders Tua beeindruckt mit seinen Gesangspassagen in „Feuer & Öl“, aber auch die emotionalen Verse von Kaas und Bartek in „Sog“ reißen den Saal mit. Einen weiteren Höhepunkt stellt Maeckes‘ Performance auf „Nimm’s leicht“ dar. Dessen Lyrics sind nämlich nicht nur clever, sondern nehmen auch das Publikum mit.

Kapitel 3: Der Teil, in dem plötzlich gerappt wird

Nur einmal geht das Publikum nicht hundertprozentig mit: Als Kaas und Maeckes den Non-Album-Track „Phase“ hervorragend kompromisslos durchrappen, wirken die Zuschauer gehemmt. Das sind plötzlich nicht mehr die emotional aufwühlenden oder Gute-Laune-Orsons, die die Fans kennen. Der Song wird locker und gleichzeitig herrlich arrogant vorgetragen. Vielleicht auch deswegen wird die großartige Rap-Performance der Orsons nicht so richtig angemessen gewürdigt. Erlösung findet das Publikum dann aber bei Maeckes‘ Partykirche. Auf den Händen der Zuschauer schreitet er über durch den Felsenkeller. Das wirkt alles total chaotisch, gleichzeitig aber bis ins letzte Detail orchestriert.

Kapitel 4: Die Zugabe

Und bei den letzten Songs zeigen die Orsons nochmal, was für einen Hitkatalog sie auffahren können: bei „Jetzt“ werden die Feuerzeuge in die Luft gestreckt, Zuschauerchoreo bei „Rosa, Blau, Grün“, pure Ekstase bei „Schwung in die Kiste“. Und natürlich die Schlusspointe mit „Dear Mozart“. „Wie findest du Rap?“ Ich find’s ganz gut persönlich. Und die Orsons anscheinend auch.

 

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Scott Heinrichs
22.11.2019 - 15:39
  Kultur

Wer? Die Orsons

Wann? 23. Oktober 2019 · Einlass: 19:00 Uhr · Beginn: 20:00 Uhr

Wo? Leipzig, Felsenkeller

Support? Future Franz

Veranstalter? Landstreicher Konzerte