Filmrezension

Drogen... Techno... Axolotl?

Als der Roman Axolotl Roadkill vor sieben Jahren herauskam, entbrannte um ihn eine riesige Debatte in der Literaturszene. Jetzt wurde er verfilmt, Regie führte die Autorin Helena Hegemann selbst. Ob das funktioniert hat?
Mifty verbringt ihre Zeit lieber mit ihrer ominösen Liebhaberin Alice im Hotelbett als in der Schule.
Mifty verbringt ihre Zeit lieber mit ihrer ominösen Liebhaberin Alice im Hotelbett als in der Schule.

Eine Berliner Jugend

Die 17-jährige Mifty möchte nicht erwachsen werden. Als sie das erste Mal einem Axolotl begegnet, fühlt sie sich dem kleinen Tier direkt verbunden, denn: Er bleibt sein ganzes Leben im Larvenstadium und wird so tatsächlich nie erwachsen. Aber was bedeutet es eigentlich, erwachsen zu sein? Die Probleme der arbeitstätigen Bevölkerung sind für Mifty jedenfalls Lichtjahre entfernt. Sie lebt in Berlin, in einer WG mit ihren zwei älteren Halbgeschwistern. Die Beziehung zu den beiden ist sehr instabil und gibt Mifty wenig Halt. Auch ihr Vater schenkt ihr keine Nähe, er ist Kulturschaffender und interessiert sich mehr für Kunst als für Menschen. Mifty geht kaum zur Schule, verbringt ihre Tage im Bett und die Nächte in Technoclubs, oder bei ihrer viel älteren Liebhaberin. Als sie sich dann noch mit der drogenabhängigen Schauspielerin Ophelia anfreundet, droht Mifty vollends abzurutschen.

Starke Motive

Helena Hegemann gestaltet ihren Film wie schon die Romanvorlage: Sehr fragmentarisch und aufgeladen mit Eindrücken. Protagonistin Mifty taumelt durch ein Berlin der Reizüberflutung. Das schlägt sich auch in den Bildern nieder. Sie sind dynamisch, bunt, radikal geschnitten und oft absurd komponiert. Immer wieder tragen Tiere zu dieser Absurdität bei. Ob es ein gestohlenes Alpaca vor der Berliner Skyline ist, Miftys Axolotl, oder ein Pinguin im Wohnzimmer. Bei allem Humor haben die Tiere in Axolotl Overkill auch eine wichtige Funktion: indem sie zu einer Art Kontrastprogramm zu den menschlichen Beziehungen im Film werden, zeigen sie die deren Komplexität. Die Charaktere im Film stoßen einander ab wie atomare Teilchen, sie nähern sich einander an und sind dann doch immer wieder unfähig, Verbindungen einzugehen. Mifty wird dabei zum personifizierten Ausdruck einer sexuell befreiten, dabei jedoch gleichgültigen Generation.

Ein brillanter Albtraum

Im Endeffekt ist jede Figur allein mit sich selbst. Das zwischenmenschliche Hin und Her wirkt sinnentleert. Verstärkt wird dieser Eindruck noch durch die materielle Situation Mifties. Ihr Vater ist reich, sie muss sich keine Sorgen um ihre Zukunft machen. Sind die Existenzängste weg, gleicht das Leben einem Traum. Auch wenn es eher ein Albtraum ist, den die Regisseurin da zeichnet. Es gibt erstaunlich viele Parallelen zum Undergrounderfolg „Der Nachtmahr“ von 2015. Auch dort spielten die Technokultur, emotionale Abstumpfung und das Erwachsenwerden eine wichtige Rolle. Der Film ließ viel Spielraum für eigene Interpretationen, das ist bei Axolotl Overkill nicht anders. Hegemann ist ein brillantes Regiedebüt gelungen. Nach Ende des Films bleibt man atemlos und mit reichlich Stoff zum Nachdenken zurück. Ich muss zugeben: mir persönlich haben sogar ein wenig die Hände gezittert!

Die volle Rezension zu Axolotl Overkill von Maximilian Enderling.
Axolotl
 

Kommentieren

Maximilian Enderling
17.07.2017 - 21:14
  Kultur