Musikalische Komödie

Dracula– zur Unsterblichkeit verdammt

Der schauerromantische Mythos vom blutsaugenden Grafen mit seiner dämonisch- erotischen Anziehungskraft auf Frauen, gehört zu den beliebtesten Motiven. Sowohl auf der Leinwand, in der Literatur als auch auf der Bühne. Am Samstag war Premiere.
Dracula und seine Bräute
Blutdurstig: Dracula (Andreas Wolfram) und seine Bräute haben Appetit auf Jonathan Harker (Jeffery Krueger)

Frank Wildhorns Musical vom Mythos des unsterblichen Vampirs nach Bram Stokers Roman feierte am Samstag Abend in der Musikalischen Komödie seine Premiere. Der zu ewigem Leben verdammte Vampir pendelt als seelenloses Wesen zwischen den Welten. Nur der Tod seiner Opfer erhält ihn am Leben, doch endgültige Erlösung kann er nur durch seinen eigenen Tod finden. Diese Tragik spiegelt sich auch in Frank Wildhorns Musical wider, dessen Titelfigur eben nicht nur ein blutrünstiges Monster, sondern ein ambivalenter Charakter ist, der zwischen Begierde und dem Wunsch nach ewigem Frieden schwankt. Denn durch den Selbstmord seiner Braut wurde Dracula zu dem, was er ist. Und als er in Mina, der Verlobten des Anwalts Jonathan Harker die Wiedergeburt seiner verstorbenen Geliebten zu erkennen glaubt, weiß er, dass nur sie ihn erlösen kann. Diese Kombination von Drama und düsterer Romanze versetzt Chefregisseur Cusch Jung aus dem viktorianischen Zeitalter in die 1930er Jahre, was optisch ungemein passend und reizvoll wirkt. Videoprojektionen (Karl-Heinz Christmann) im Hintergrund erzeugen zusätzlich unheimliche Stimmung: Gewitterwolken, Blitze und Regen– vermischt mit Wolfsgeheul und Glockenschlägen stimmen den Zuschauer auf das Kommende ein und erzeugen ein wohliges Gruseln.

Die Redakteurin Eva Hauk war am Samstag in der Premiere und fasst im Gespräch mit Moderatorin Lisa Hofmann zusammen, wie viel von der literarischen Vorlage im Stück wiederzufinden ist:

Redakteurin Eva Hauk im Gespräch mit Moderatorin Lisa Hofmann zur Premiere von "Dracula"
Redakteurin Eva Hauk im Gespräch mit Moderatorin Lisa Hofmann zur Premiere von "Dracula"
Draculas neues Opfer
Dracula ruft Lucy (Anna Preckeler) zu sich

Gruselromanze mit düsteren Schatten

Das Bühnenbild (Karin Fritz) ist passend zum Thema und den Handlungsorten (Schloss des Grafen, Friedhof, Irrenanstalt) ebenfalls düster und hauptsächlich in schwarz gehalten. Die üblichen Horroringredienzen, wie etwa von Nebelschwaden umwaberte Grabsteine, düstere Schatten und wehende Vorhänge– (warum lässt das Opfer immer das Fenster offen, obwohl es Angst vor dem Besuch eines Vampirs hat?!)– sind in dieser romantisch- gruseligen Inszenierung von Bram Stokers Gothic Novel selbstverständlich auch enthalten und erfreuen das Auge des erwartungsvollen Zuschauers. Wie es sich für ein Vampirstück gehört, fließt natürlich ordentlich Blut.

Mit der Besetzung der schwierigen Titelrolle hat man an der Musikalischen Komödie mit Andreas Wolfram die Idealbesetzung schlechthin gefunden. Er verkörpert die Mischung aus dämonischer Gefahr und dunkler Erotik absolut überzeugend, sowohl in stimmlicher als auch in darstellerischer Sicht. Lisa Habermann, als zwischen Treue und Versuchung zerrissene Mina, stellt sowohl die mädchenhaft- unschuldige, als auch die abgründige Seite ihrer Rolle glaubhaft dar und singt ihre Songs mit schöner, ausdrucksvoller Stimme. Gleiches gilt für Anna Preckelers Lucy, die der Anziehungskraft des Grafen nicht lange widerstehen kann. Obwohl die Rolle des Jonathan Harker eher blass angelegt ist, schafft Jeffery Krueger es mit seinem strahlenden Tenor, die wenigen Soloszenen optimal für sich zu nutzen und dadurch zu glänzen. Ähnlich sieht es bei Sabine Töpfer aus, die trotz der kleinen Nebenrolle als irrer Patient Renfield heraussticht und glaubhaft den Wahnsinnigen gibt. Fabian Egli gibt einen unerschrockenen, für einen Professoren jedoch recht jungenhaft wirkenden van Helsing. Diesem stehen Lucys schüchterner Mann Arthur Holmwood (Patrick Rohbeck), der breitspurige Texaner Quincey Morris (Milko Milev) und der distinguierte Arzt Dr. Jack Seward (Radoslaw Rydlewski) bei der Vampirjagd mit Kruzifix und Knoblauch zur Seite. Die musikalische Leitung übernimmt Christoph- Johannes Eichhorn, der die romantischen bis rockigen Melodien mit Gefühl und Schwung dirigiert.

Die Musik von Frank Wildhorn lebt von einer Mixtur aus gefälligen Balladen und Duetten, sowie einigen wenigen Ensemblenummern. Das ist nichts absolut Bahnbrechendes oder gar Neues. Gelegentlich gleitet sie auch etwas ins Seichte ab, aber wer "Jekyll und Hyde" oder "Der Graf von Monte Christo" mag, wird an diesem "Grusical" seine Freude haben. Am Schluss gab es viel Applaus und Standing Ovations vom  Publikum, welches diesmal, im Gegensatz zu den sonstigen Premieren, erfreulicherweise auch aus zahlreichen jungen Leuten bestand.
Das Fazit lautet demnach: Für Fans des gepflegten Grusels und eingängiger Songs ist es bestens geeignet.

Mina und Dracula
Mina (Lisa Habermann) gewährt Dracula (Andreas Wolfram) den ersehnten Frieden

 

 

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Weitere Vorstellungen: 22. Oktober 2016 / 23. Oktober 2016 / 15. November 2016 / 16. November 2016 / 07. Februar 2017 / 08. Februar 2017
 

 Trailer zu "Dracula" an der Musikalischen Komödie
https://www.youtube.com/watch?v=XQFvnnE8YBc