Livebericht vom Dour Festival

"DOUUURREEEUH!"

Das Festival, auf dem man nicht "HEELGAA" sondern "DOUREUUH" schreit: Wir sind an diesem langen Wochenende auf dem Dour Festival in Belgien und berichten täglich vom kunterbunten Musikwahnsinn.
Dour1
Nahezu alle Bühnen befinden sich in Zelten auf dem Dour Festival

Eins muss vorweg gesagt werden: Das Dour-Festival ist irgendwie so ein bisschen wie Inselhopping. Inselhopping? Das ist doch diese stressige Art Urlaub, während der man immer nur in der Gegend herum eilt und nicht einmal entspannen kann. Auf dem Dour ist das Ganze ein bisschen anders. Die Inseln sind in diesem Fall die Bühnen - 9 (neun!) an der Zahl. Allesamt werden sie von mittags bis spät in die Nacht bespielt. Ein bisschen abwechselnd, aber schon immer gleichzeitig. Um einen umfassenden Bericht zu schreiben, bräuchte es also knapp 10 Personen. Die sind aber nicht da. Man könte nun versuchen sich zu teilen - viel besser ist es aber, wenn man sich einfach treiben lässt und von dem Spektakel zumindest auszugsweise berichtet. 

Sonntag, 17. Juli

Letzter Tag! Und die Hitze macht zu schaffen. Auch wenn die Temperatur mit knapp 25 Grad eigentlich perfekt ist, ist das Wetter drückend. Die vier Tage Camping stecken inzwischen auch schon in den Knochen. Wie das Sonntags auf Festivals häufiger der Fall ist, reisen auch schon einige während des Tages ab. Die Arbeit wartet vermutlich schon am nächsten Morgen wieder. Aber: Nur die Harten kommen in den Garten! Deswegen wird auch am Sonntag noch einmal alles gegeben. An dieser Stelle sollte übrigens endlich mal die gute Organisation des Dour Festivals hervorgehoben werden. Die Wege sind breit genug, es gibt kein Massengedrücke, für ein Bier muss man weniger als eine Minute warten und auch die Toiletten sind zwar nicht immer unbedingt sauber, dafür aber zahlreich vorhanden. Einzig die Schlangen an den Duschen könnten kürzer sein. Darauf kann man aber ja auch mal verzichten. Eine weitere schöne Idee: Jeden Tag werden die Besucher mit einer vierseitigen Zeitung auf den neusten Stand der Dinge gebracht. Eine schöne Übersicht des Zeitplans ist auch immer dabei. Man merkt definitiv, dass es dieses Festival nicht zum ersten Mal gibt (zum 28. Mal übrigens). Um Müll zu vermindern, haben sich die Organisatoren ein ganz besonderes Spielchen ausgedacht, das so ein bisschen an das gerade unvermeidbare Pokemon-Go erinnert: Becher sammeln! Da alle Getränke ohne Pfand in Plastikbechern serviert werden, werfen viele Besucher diese gerne weg. Der Deal: Begib dich auf die Suche. Wenn du ca. 40 Becher eingesammelt hast, kannst du sie gegen ein Drink-Voucher (ein kleines Bier) eintauschen. Nette Idee, mit der man an einem Abend ohne Probleme sechs mal umsonst an die Bar gehen kann. Tja, Pokemon-Go – da guckst du blöd! (Dafür hat man auf dem Dour Festival ein bisschen schmutzigere Hände).

Bombay1
 

Genug von witzigen Spielen und guter Organisation geredet. Der eigentliche Grund, wieso wir hier sind, ist die Musik. Die startet am Sonntag mit einem guten Konzert der holländischen Indie-Band Bombay. Das Trio aus Amsterdam hat Anfang des Jahres in neuer Besetzung sein zweites Album herausgebracht – sieht dieses aber quasi als neues Debütalbum. In 45 Minuten wird nur diese Platte („Show Your Teeth“) gespielt. Bombay passen sich an diesem Nachmittag der heißen Cannibal Stage an – und klingen deutlich rockiger und frecher als aus der Konserve. Das Konzert endet mit einem Publikumsbad von Sänger Matthias. Viele im Publikum wirken immer noch ein wenig müde. Was hilft da besser als eine Runde Auto-Scooter? Einmal auf die andere Seite des Geländes und los geht’s. Dafür ist immer Zeit.

Cubanisto Dancing
 

Nebenan sind schon wieder die Jungs von Salut c'est cool auf der Bühne. Ihr abschließendes 3-Stunden-Set (wir erinnern uns: die Franzosen spielen jeden Tag 180 Minuten) steht unter dem Motto „Oper“. Aha! Von opernhafter Verkleidung oder Gesang ist nichts zu sehen, dafür haben Salut c'est cool die Bühne und das Zelt mit Ästen geschmückt. Im Cubanisto-Dancing-Zelt fühlt man sich deswegen wie im tropischen Teil des botanisches Gartens. Kurz danach ist auf einmal sehr viel los in der Boombox. Die Bühne, die sich dem Hip-Hop widmet, wird am späten Nachmittag vom französischen Rapper Vald bespielt. Gefühlt halb Frankreich ist da und kann fast alle Texte auswendig. Diese klingen auf den Anhieb ein bisschen nach Sido und Bushido – mir wird aber versichert, dass hinter „suce ma bite“ ein tiefer Sinn steckt. Wie auch immer. Wenn man an diesem Sonntagabend über das Gelände flaniert, bekommt man gerne mal ein Drink- oder Food-Voucher von abreisenden Besuchern geschenkt. Dank dieser lässt es sich wunderbar entspannt der französischen Reggae-Band Danakil zugucken. Die kramen tief in der Trickkiste herum und packen eine Reggae-Version von Edith Piafs „Je ne regrette rien“ aus. Funktioniert in der untergehenden Sonne großartig.

Cannibal1
 

Ein paar hundert Meter weiter bahnt sich auf der Cannibal Stage die letzte große Gitarrenparty des Festivals an. Meint man zumindest. Denn wenn The Subways auf deutschen Festivals unterwegs sind, kann man sich eines immer sicher sein: die drei Briten haben Bock auf Party und bringen das Publikum zum Ausrasten. Aber: In Belgien scheint das anders zu sein. Vielleicht ist es auch einfach nur die Hitze oder der viele Alkohol der Vortage. Am Anfang kommt jedenfalls trotz Hits wie „Mary“ oder „Shake Shake“ nicht so richtig Stimmung auf. Erst gegen Mitte des Konzerts erkennt man den typischen Festival-Gig der Subways wieder. Circle-Pit zu „Turnaround“, Hinsetzen zu „Celebrity“ und Gänsehaut-Moment zu „With You“. „Rock'n'Roll Queen“ kommt als letztes und knallt wie immer so richtig rein. Sänger Billy nutzt den Mittelpart, um einen der Türme, die das Zelt halten, zu erklimmen. Lustig: wegen schlechter Erfahrungen aus dem Vorjahr sind an diesen Extra-Vorrichtungen, sodass man diese nicht hochklettern können sollte. Klappt aber trotzdem! Die Kletteraktion wird mit einem mutigen Sprung ins Publikum beendet.

Camping1
 

Es sind die letzten Stunden des Dour Festivals. In der Boombox spielen Oxmo Puccino ein umjubeltes Set. Anschließend gilt es Abschied zu nehmen mit zwei Konzerten auf der Hauptbühne (nicht falsch verstehen: auch am Sonntag geht auf vielen Bühnen die Party bis um vier Uhr morgens). Das Konzert der Pixies dient perfekt dazu, den Abschluss dieses Festivalblogs einzuleiten. Auch wenn danach während Boys Noize noch einmal eifrig getanzt wird: Während den Pixies ist vor der Hauptbühne The Last Arena nicht viel los; der Großteil des Publikums sitzt und lauscht entspannt der Musik. Frontman Frank Black ist genauso wie seine Bandkollegen ordentlich in die Jahre gekommen, das Konzert ist ganz nett – mehr aber auch nicht. Auf vielen Festivals wäre man von so einem Headliner sogar etwas enttäuscht gewesen. Das Dour Festival ist aber eins, das gar nicht durch seine großen Namen glänzt. Hier geht es viel mehr um das Gesamte. Klar, The Prodigy und Sigur Ros haben abgeliefert; beide Konzerte waren außerdem gut besucht. Wegen der großen Namen sollte man auf dieses Festival aber nicht fahren (dafür sind diese für den Preis auch zu schwach). Wunderbar ist aber, was man für eine breite Auswahl an Musik und vor allem auch Menschen vorfindet. In diesem Sinne: mit heiserer Stimme im Zug auf dem Rückweg nach Leipzig sitzend, erstmal ein lautes „DOUURREEEUUH“.

Samstag, 16. Juli 

Party

Samstag Morgen auf dem Dour Festival: Die 5-Tagespass-Inhaber haben zu kämpfen - es ist bereits der vierte Tag! Vereinzelte "DOURREUUH"-Rufe werden nur noch ansatzweise beantwortet. Daneben sehen die Tagespass-Besitzer noch deutlich fitter aus, während sie morgens zum Camping laufen. Auf dem Dour Festival darf man nämlich auch als Tagesbesucher campen - wenn man denn noch einen Platz findet. So langsam kommen die meisten aus ihren Löchern gekrochen und das zurecht. Um 15:30 spielt die amerikanische Post-Hardcore Band Being As An Ocean ein 45-Minuten-Set. Es ist verdammt heiß auf der Cannibal Stage. Deswegen dauert es nicht lange, bis Sänger Joel Quartuccio sein Shirt auszieht und einen Ausflug in die Menge wagt. Das Set ist - wie auch die Musik von Being As An Ocean - emotional. Das liegt vor allem auch an mitreißenden Ansagen, die den traurigen Ereignissen der Vortage in Frankreich und der Türkei kraftvoll entgegenstehen.  

FEWS1

Bühnenwechsel! Nach einer intensiven Dreiviertelstunde geht es auf eine etwas größere Bühne: La Petite Maison Dans La Prairie. Hier spielen vor allem Indie-Bands. Das Quartett FEWS wirkt im großen Zelt zunächst was verloren, zumal nicht sehr viele Leute da sind. Die Band freut sich aber, dass überhaupt Leute da sind. Auf der Bühne wird viel Wein getrunken und FEWS zeigen, dass sie das Zeug zum neuen Ding der Indie-Szene haben. Die Reverb- und Delay-lastige Musik würde in einem kleinen Club zwar besser funktionieren, Songs wie "10 Things" oder das lange Finale "Ill" überzeugen aber auch im Großformat. 

Dub Corner

Nach einem spannenden Start in den Nachmittag ist nun Zeit sich ein bisschen zu entspannen und sich unter den Leuten umzuhören. Viele sind begeistert von der Elektrobühne "De Red Bull Elektropedia". Hier gibt es pro Tag über 12 Stunden Elektro von bekannten Acts wie Black Sun Empire oder Kollektiv Turmstrasse. Dazu bieten bekannte VJs abgefahrene Visuals, die auf mehreren Leinwänden im 360-Grad-Format gezeigt werden. Andere Besucher sind eher von den Überraschungen begeistert, die man auf der Indie-Bühne La Petite Maison Dans La Prairie findet. Nahezu alle sind sich aber einig über den starken Auftritt von Gramatik. Der slowenische DJ bringt mit seinem funky und jazzigem Electro die Open-Air Bühne am frühen Abend zum Ausrasten. Danach ist mal wieder Zeit zum Entspannen (der aufmerksame Betrachter merkt, dass das Pause-machen von Tag zu Tag exponentiell steigt). Dafür eignet sich nach wie vor der Dub Corner bestens, um zu chilliger Musik von Alpha & Omega ein bisschen zu dösen. Als Nächstes steht eine kleine Stärkung auf dem Campingplatz an. Nicht aber, ohne an den zahlreichen Shops am Eingang des Geländes vorbeizukommen. Hier kann man von Sonnenbrillen zu orientalischer Kleidung alles kaufen, was man zuhause vergessen hat. Immer wieder eine nette Stimmung, wenn man vorbeigeht.

Shopping

Auf dem Campingplatz kann man die Zeit hin und wieder ein bisschen vergessen. Zurück auf dem Festival geht es zum abgefahrenen Gig der Fat White Family. Die Indie-Rock Band mag auf Platte zwar auch schon gut und ein bisschen verrückt klingen, ist live aber nicht damit vergleichbar. An dieser Stelle Fotos zu zeigen, wäre nicht jugendfrei, da Sänger Lias Kaci Saoudi gerne seinen Allerwertesten raushängen lässt und generell mit halbnacktem Popo auf der Bühne herumturnt. Das Publikum quittiert diese Leistung mit viel Tanz und Pogo. Als das Konzert um Mitternacht vorbei ist, treibt es viele Leute zur Cannibal Stage. Dort spielen die Franzosen Highlight Tribe. Auf Wikipedia wird ihr Stil als "Akustischer Trance" beschrieben. Wie immer man es auch nennen will: auf der Bühne macht ihre orientalische Tanzmusik sehr viel Spaß. Sogar außerhalb des Zeltes, in dem die Bühne ist, bewegen sich die Leute. Nach so viel Bewegung ist dann mal wieder Zeit zu dösen. Dieses Mal dient dazu Le Bar Du Petit Bois, ein kleiner Ort (der Einlass ist auf 150 Personen limitiert), der neben Getränken auch Platz zum Entspannen bietet. Ups, komplett eingeschlafen! Noch schnell eine Runde dem DJ-Set Bicep zuschauen und dann geht es um halb vier mal wieder in Richtung Campingplatz. Dort gibt es noch eine After-Party, die der frühe Vogel beim Aufwachen immer noch hört. Geiler Tag war das, Dour! Und jetzt noch einmal Batterien aufladen für den abschließenden Sonntag.

 

Freitag, 15. Juli

Jeanne Added

Erkenntnis des Freitags: Musikinstrumente sind der Gegenpart zu Vampiren auf dem Dour Festival. Wieso das? Weil sie im Nachtlicht nahezu ganz verschwinden. DJs übernehmen die Bühnen und lassen ab Einbruch der Dunkelheit die Menge kochen. Doch erstmal ein paar Stunden zurück: Nachdem einige die Nacht zum Tag gemacht haben, bereitet der Freitag beim Erwachen eine schöne Überraschung: Sonnenschein. Nicht lange dauert es, dass die ersten Personen mit Sonnenbrand zu entdecken sind. Da helfen auch die interessanten Stände im NGO-Village am Eingang des Festivals nichts. Den Nachmittag über gibt es viel handgemachte Musik. Zwischendurch fragt man sich ein bisschen, wo eigentlich die Leute bleiben. Knapp 50.000? Dafür sind die Bühnen tatsächlich relativ leer. Es gibt trotzdem intensive, spannende Konzerte, wie zum Beispie von der Französin Jeanne Added. 50 Minuten lang bietet sie mit ihrer Band hymnischen Electro-Pop. Die aufwendige Lichtshow funktioniert auch um vier Uhr nachmittags - dem Zelt als Bühne sei Dank. Highlight ist die 10-minütige Version ihres Songs "Lydia", mit dem Jeanne Added das Konzert gebührend abschließt. 

Gießkanne

Anschließend gilt es, den Stammgästen des Festivals einen Besuch abzupassen. Die "Anti-Band" Salut c'est cool spielt jeden Nachmittag von 16 bis 19 Uhr auf der Cubanisto Dancing Bühne. Wie man sich die Musik der verrückten Franzosen vorstellen kann? So wie wenn Leipziger Hipster nach einer Party auf der Eisenbahnstraße um 5 Uhr morgens ihre MIDI-Keyboards auspacken und technomäßig jammen. Dazu gibt es eine Second-Hand-Klamotten Fashion Show und Low-Budget Visuals (Beispiel: im Hintergrund spielt ein Bandmitglied ein Computerspiel oder zeichnet "lustige" Sachen in Paint). Auf jeden Fall ein Erlebnis! Nebenan spielt das belgische Pendant Kenji Minouge. Die spielen zwar live mit richtigen Instrumenten - qualitativ hochwertiger wird es dadurch trotzdem nicht. 

Programm

Nach so viel schrägen Eindrücken muss sich ein armer Musikredakteur erstmal entspannen. Das geht gut auf der Hauptbühne The Last Arena, wo man entspannt sitzend die Hip-Hopper von Mobb Deep bestaunen kann. Hier ist das größte Erlebnis das belgische Bier und - so viel zum Klischee - die belgischen Fritten, die man für ca. vier Euro erwerben kann. Gestärkt geht es dann zum Duo Compact Disk Dummies, die den schweren Job haben, die abgesprungenen Roots Manuva zu vertreten. Die beiden Musiker sehen so aus, als wären sie direkt aus "The Big Bang Theory" entsprungen. Vor allem, wenn sie an ihren Raumstation-Synthesizern drehen. Die Show ist abgefahren und ganz nett, so richtig will der Funke aber nicht überspringen. Das ist anders bei La Femme - DER französischen Indie-Band des Moments. Die sechs Pariser spielen sowohl alte Hits wie "La femme ressort" wie auch neue Songs vom im Herbst erscheinenden Album. Oberkörperfrei oder in komischen Kostümen bringen sie die Masse zum Tanzen - verkalkulieren sich zeitlich aber dezent: Das Konzert endet fast zehn Minuten zu früh. Als La Femme das merken, kommen sie wieder auf die Bühne zurück und spielen noch ein Lied. Zu Beginn ohne Ton, da selbst der Soundmischer dachte, das Konzert sei vorbei. So was passiert eben auch immer noch bei Profis.

So langsam wird es dunkler, und die Musik somit elektronischer. Die amerikanische Band Polica spielen ein schönes Set vor wenigen Menschen. Bei der Elektro-Pop Band muss man sich jedoch immer wieder fragen, wieso sie eigentlich zwei Schlagzeuger haben. Fast alle Synthesizer kommen vom Band, aber es sitzen zwei Männer an den Percussions, die nahezu dauerhaft ähnliche Dinge spielen. Deutlich mehr Leute sehen sich in der selben Zeit die Skandal-Ikone Peaches an. Die Kanadierin steht ihrem Ruf in Nichts nach. Sie simuliert Gruppensex auf der Bühne und singt "put your dick in the air". Definitiv interessant anzuschauen.  

Stuff.

Die Nacht ist eingebrochen und es ist an der Zeit, wieder über Vampire zu reden. Ab 23 Uhr tut man sich schwer, "richtige" Instrumente zu finden. Auf der großen Bühne spielt die französische Electro-Band Birdy Nam Nam ein etwas uninspiriertes, aber gut tanzbares Set. Dem Publikum gefällt's, auch wenn deutlich weniger Leute da sind als beim Donnerstag-Headliner The Prodigy. Von dem Moment an hört man von allen Bühnen ausschließlich Beats. Die Cannibal Stage steht im Rahmen des Dubsteps und ist vollkommen überfüllt. Generell fällt auf, dass die Bühnen nachts deutlich voller sind als noch nachmittags. Etwas mehr Platz ist im Cubanisto Dancing Zelt, in dem Poirier etwas massentauglichere Musik spielt. Auf der Suche nach Live-Bands stößt man letztendlich auf eine Bühne mit dem Namen "Le Labo". In diesem Zelt soll fortschrittlicher und abgefahrener Musik eine Bühne gegeben werden. Zu später Stunde spielt dort die Band STUFF.. Das Quintett liefert eine instrumentale, wahnsinnige Mischung aus Jazz, Electro, Funk und anderen Genres. Eine schöne Spätabend-Entdeckung. Als Gute-Nacht-Act gibt es für mich dann noch ein paar Minuten Four Tet. Hier ist die Devise: Kann man gut drauf tanzen. Nach knapp 12 Stunden Festival-Gelände ist dann aber auch mal gut. Deswegen ab ins Betti, es gibt ja noch zwei weitere Tage (bei denen sich "früh" aufstehen ja lohnt, wenn man handgemachte Musik sehen will).

Donnerstag, 14. Juli

Deluxe1

Nachdem am Mittwoch Abend die Hauptbühne (The Last Arena) von Netsky und The Vaccines eröffnet wurde, legt am Donnerstag das gesamte Programm los. Bevor die Türen geöffnet werden, darf aber erstmal der Campingplatz inspiziert werden. Drei riesige Teile, der weiteste ca. 15-20 Minuten vom Gelände entfernt. Die Stimmung ist trotz frischem Wetter von Beginn an sehr gut. Auf dem Weg zu den Bühnen schreien Besucher immer wieder "DOUURREEUH" - der Schlachtruf des Festivals. Das Publikum ist weitesgehend belgisch und französisch (kein Wunder: die Grenze ist sehr nah und Frankreich hat dank Nationalfeiertag ein langes Wochenende). So kommt es auch, dass das erste große Highlight der Auftritt vom französischen Sextett Deluxe ist. Klingen die sechs Schnurrbart-Verfechter auf ihrem tollen Album "Stachelight" doch eher etwas chillig und gemächlich, packen sie live die volle Röhre aus. Zum souligen Pop-Rock gesellen sich auch elektronische Töne (bis zu Dubstep und DnB). Dem Publikum gefällt's, es wird gesprungen und getanzt. 

Dub Corner

Nach einer Stunde in der Jupiler Dance Hall (tagsüber Platz für soulige, tanzbare Musik), gilt es erstmal einen Spaziergang über das Gelände zu machen. Von der Cannibal Stage dröhnen Hard Rock Töne: Hier spielt die Band Brant Bjork, die jedes Hard Rock Klischee erfüllt. Lange Haare, große Marshall-Verstärker und eine Flying V-Gitarre - hier finden sich die Rocker wieder. Für die etwas Chillbedürftigeren gibt es direkt nebenan den Dub-Corner. In dieser Ecke des Festivals, die direkt neben der Stadt ist, fühlt man sich wie auf einem Hippie-Festival. Dazu passend wird natürlich auch ordentlich geraucht (und weiteres...) - wie auf dem gesamten Festival. Der Stimmung tut es auf jeden Fall keinen Abbruch. Zum Set von den kanadischen Indie-Chillern Mac DeMarco wird ordentlich mitgewippt.

  

Etwas härter geht es (natürlich) auf der Cannibal Stage zur Sache. Zu Band Of Skulls sind nicht so viele Leute vor der Bühne. Dafür werden diese vom Garage-Blues-Rock des Trios umso mehr mitgerissen. Danach heißt es für viele Besucher: Abstecher zum Campingplatz. Mit Wegbier und Sweatshirt (den kalten Temperaturen zugrunde) ausgestattet, geht es wieder zurück. Kein Wunder: einer der wenigen großen Namen bespielt um 0:30 die Hauptbühne. The Prodigy sind inzwischen zwar schon alt geworden, begeistern aber immer noch. Trotz üblicher Verspätung heizen die Engländer so richtig ein. Von "Breathe" über "The Day Is My Enemy" bis zu "Invaders Must Die" ist wieder alles dabei. Das gut angetüdelte und feierwütige Publikum hat Bock: der Moshpit ist am Start. Um 2 Uhr ist dann für einige Schluss. Wer immer noch nicht genug hat, kann auf fünf Bühnen bis um 4 Uhr morgens weiter tanzen. Für mich ist heute Schluss. Auf dem Heimweg zum Zelt trifft man viele Personen, die ganz woanders sind. Trotzdem schreien immer noch alle "DOUUURREUUUH" - und das jetzt noch drei weitere schöne Tage.

 

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