Theater

Dinieren und Resümieren

Das Theater der Jungen Welt Leipzig bittet zu Tisch! - Mit dem Stück "My name is Peggy" bietet das Theater erstmalig ein Gastro-Event an.
Peggy in Gedanken versunken
Peggy auf der Suche nach der Liebe

Bekanntlich ist man in einer Beziehung auch nur weniger allein. Singles helfen solche Weisheiten freilich nicht weiter. Auf der Suche nach dem richtigen Partner versprechen auch Umwege über Datingportale das große Glück. Dumm nur, wenn bei Treffen mit Online-Bekanntschaften betretenes Schweigen oder Ernüchterung auf den ersten Blick den Funken ersticken, der ja eigentlich überspringen sollte.

Mit "My name is Peggy" bringt das Theater der Jungen Welt ein Stück von Marc Becker auf die Bühne, das mit "glückverheißenden Cyberdatingagenturen" abrechnet. mephisto 97.6-Redakteurin Theresa Strohbach mit Eindrücken einer Inszenierung, die Zuschauer mit Fragen zurücklässt:  

Theresa Strohbach zum Stück am Theater der jungen Welt.

Der Aperitif : Ein abrupter Einstieg

Der Abend beginnt abrupt. Ein Mann mit Sonnenbrille tritt auf. Er wirkt wie eine Kopie von „Tech-Nick“ aus der Werbung eines bekannten Elektromarktes. Stumm hält er dem Publikum sein Handy entgegen und deutet auf die Uhrzeit. Er versucht das Publikum um Ruhe zu bitten, wird jedoch nicht beachtet. Die Gäste unterhalten sich unbeirrt weiter. Erst als der Mann die Lichteinstellung verändert und Musik einspielt, verstummt das Publikum.

I am Peggy
 

 

Peggy zündet eine Totenkerze und stellt sie Kerze auf einen Tisch. Dann erzählt Peggy von ihrem verstorbenen Hündchen Bernd. Immer wieder deutet sie auf den Tisch. Dort steht das Foto ihres flauschigen Hundebabies. Sie schildert Bernds tragischen Unfall, bis sie sich selbst unterbricht.

Dann folgt ein selbstreflexiver Monolog über ihr Leben. Peggy erzählt von ihren bisherigen Liebesbeziehungen und wie diese gescheitert sind. Auch der Zuschauer beginnt sich selbst zu hinterfragen.

Peinliche Dates

Ein Hauptgang, der schwer im Magen liegt

Zwanghaft wirkende Witze, laszive Selbstinszenierungen, fragwürdige Drogenphantasien. – Es fällt schwer einen Zugang zu der Inszenierung zu finden. Dabei will das Stück eigentlich auf Probleme aufmerksam machen. Es ist die Geschichte einer verzweifelten Single-Frau, die auf der Suche nach einem Partner ist. Sie kämpft sich durch schreckliche Date-Erfahrungen und klammert sich an jede hoffnungsverheißende Bekanntschaft.

Die Inszenierung hinterfragt die Oberflächlichkeit von schnelllebigen Bekanntschaften. Auf der Suche nach der Liebe wird die Protagonistin immer wieder enttäuscht. Dabei sieht das Stück den Grund nicht nur bei den Fehlern des Anderen. Es kritisiert auch Erwartungshaltungen; beispielsweise die Vorstellung von einer „glückliche Beziehung“. – doch was bedeutet „glücklich sein“? Ein ewiges Versteckspiel, um den Partner zu gefallen? – oder doch allein bleiben und sich selbst verwirklichen?

Der inhaltliche Anspruch der Inszenierung überzeugt – die Umsetzung hinkt jedoch hinterher. Der Wechsel von flachen Witzen zu nachdenklichen Momenten erfolgt schnell. Der Zuschauer hat kaum Zeit, sich auf tiefgründigere Fragen einzulassen. Das ist einerseits Peggys Charakter geschuldet. Aber auch ihr Spiel springt immer wieder hin und her.

Eine weitere Schwierigkeit bildet auch die Geräuschatmosphäre. Parallel zur Veranstaltung sind weitere Besucher im Restaurant zu Gast. Nur mit Mühe kann sich die Schauspielerin Gehör verschaffen.

 

Das Single Dasein
 

Das Dessert: War wieder zu schnell verzehrt

Die Vorstellung endet schließlich ebenso schlagartig, wie sie begonnen hat. Mit einem Ausbruch der Schauspielerin. Dieser schlägt plötzlich in einen Appell an den Zuschauer um.

Damit entlässt Peggy die Zuschauer. Die können sich jetzt auf das mittlerweile aufgebaute Buffet stürzen. Bei Hähnchen und Wein ist dann auch die unglückliche Peggy bald vergessen.

 

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Die Besetzung von "My Name is Peggy" im Theater der jungen Welt:

Regie: Jürgen Zielinski

Bühnenbild: Carsten Schmidt

Kostüme: Doreen Winkler

Musikkomposition: Jörg Leisner

Besetzung: Sonia Abril Romero, Carsten Schmidt

Stück: von Marc Becker

 

 

weitere Termine:

02.12.2015, 20:00 Uhr

03.12.2015, 20:00 Uhr

04.02.2016, 20:00 Uhr