Georgia im Interview

Dieser eine Moment

Georgia Barnes ist eine echte Powerfrau. Auf ihrem Debüt-Album "Georgia" erfindet sie mit ihrem unverwechselbaren Sound eine neue Art von HipHop. Beim Appletree Garden Festival haben wir die britische Musikerin auf eine Mate getroffen.
Die britische Musikerin Georgia ist eine echte Powerfrau.
Für ihren sonnigen Auftritt beim Appletree Garden Festival hat Georgia ihre Regenjacke zu Hause gelassen.

mephisto 97.6: Viele Kinder und auch Erwachsene träumen davon, ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen. Ich glaube aber, dass die wenigsten das tatsächlich schaffen. Kannst du beschreiben, wie sich das anfühlt?

Georgia: Ja klar. Ich meine, ich bin schon lange dabei. Von daher war es ein langer Weg dahin, tatsächlich auszubrechen und eigene Musik zu machen. Ich wusste aber ungefähr, was auf mich zukommt, weil ich lange für andere Bands gespielt habe. Ich kannte die Abläufe und Prozesse dahinter. Aber das jetzt tatsächlich zu leben, bei einem Label unter Vertrag zu sein, Konzerte zu spielen, das ist ein unbeschreibliches Gefühl. Wie ein Traum, der für mich wahr geworden ist. Es ist aber harte Arbeit. Ich meine, ich könnte hier sitzen und dir nur davon vorschwärmen wie toll es ist aber ich denke es ist wichtig zu wissen, wie hart diese Welt eigentlich ist.

Ich bin einfach Visionärin.

Georgia

Dein Album „Georgia“ hast du komplett alleine aufgenommen. Du hast aber auch schon viel mit anderen Musikern zusammengearbeitet. Was gefällt dir daran alleine zu arbeiten?

Ich glaube ich bin einfach Visionärin, wenn man das so sagen kann. Ich habe die ganze Musik im Kopf und mir macht es tatsächlich Spaß am Computer, am Mischpult und hinterm Keyboard zu sitzen. Eben im Studio. Das macht mir Spaß. Ich mache das alles gerne alleine. Ich glaube auch, dass ich zu diesem Zeitpunkt meiner Karriere keinen großen zweiten Einfluss brauchen kann. Ich weiß selbst, wie es laufen soll. Zusätzlich geht auf diese Weise auch alles schneller wenn ich alleine bin. Ich kann mich in diese andere Welt versetzen und muss mich nicht auf eine andere Energie konzentrieren und werde so nicht abgelenkt. Auf der anderen Seite ist es auch schwierig ständig alleine zu sein. Ich hasse manchmal das Gefühl isoliert zu sein. Und es ist auch nicht schlecht zwischendurch Feedback zu bekommen. Anderen etwas vorzuspielen und Dinge zu verändern. Deshalb habe ich für mein neues Zeug mit einem Soundengineer zusammengearbeitet, um einfach manche Sounds zu perfektionieren. Also das ist glaube ich der nächste Schritt für mich. Trotzdem mache ich zum Großteil noch alles alleine.

Die Musik sollte einzigartig sein und gleichzeitig wollte ich versuchen, einen guten Popsong zu schreiben. Diese Mischung macht es cool und hörbar.

Georgias Auftritt auf dem Appletree Garden Festival 2016.
 

Wo du schon den Sound erwähnst - ich hatte bei meiner Recherche häufig das Gefühl, dass dir vor allem der Sound wichtig ist. Weniger die Texte. Kannst du das nachvollziehen?

Als ich mein erstes Album gemacht habe wollte ich, dass es einzigartig klingt und zur gleichen Zeit sollten sich Leute hineinversetzen können. Das ist meiner Meinung nach die Aufgabe von Texten. Menschen können die Texte nachvollziehen. Man kann jemanden verstehen der über Liebe oder was auch immer singt. Also das war mein Gedanke. Die Musik sollte einzigartig sein und gleichzeitig wollte ich versuchen, einen guten Popsong zu schreiben. Diese Mischung macht es cool und hörbar. Also ich denke nicht, dass das eine wichtiger ist als das andere. Beides ist gleich wichtig. Aber wenn ich persönlich eine Platte höre und da ist dieser eine Sound, diese eigenartige Keyboardmelodie oder dieser andere Vocal Effect. Dann ist das für mich das neue und frische daran. Also beides ist wichtig.

 

In einem Interview hast du gesagt, dass der Song „Hold It“ der Sound ist, den du in Zukunft erreichen willst. Der Song kommt ohne Schlagzeug aus, du warst aber lange Schlagzeugerin. Wie passt das zusammen?

Ja das stimmt. Bei meinem neuen Zeug habe ich versucht sehr sparsam mit dem Schlagzeug zu sein aber viel mit rhythmischem Keyboard zu arbeiten. Ich habe also versucht, mit verschiedenen Soundschichten einen neuen Rhythmus zu erzeugen. Was ich bei neuer elektronischer Musik oder auch Hip Hop, wie bei Drake, liebe ist, dass man sich nicht so sehr auf das Schlagzeug konzentriert. Es gibt diese komischen und interessanten Loops und alles ist viel minimalistischer. Da wollte ich mit dem neuen Zeug also hin. Und bei „Hold it“ ist eben das Keyboard sehr rhythmisch und erzeugt so einen neuen Beat. Aber klar gibt es noch coole Drum-Sounds in den neuen Songs. Ich versuche einfach gedeckter damit zu sein. Wenn du dann nämlich diese schweren Drum-Sounds hörst, klingen sie umso massiver. Es ist total witzig zu hören was ich damals gesagt habe. Manchmal passiert es dann ja doch nicht so wie man es erwartet hat. Aber das stimmt tatsächlich.

Georgia 'Move Systems' from Rollo Jackson on Vimeo.

 

Das ganze Interview mit Georgia Barnes zum Nachhören:

Musikredakteurin Isabel Woop im Gespräch mit Georgia.
 

 

 

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