Kultur im Hinterhof

Die Zündkerzenwerkstatt

Fragt man Leipziger nach der Dresdener Straße, stößt man auf ratlose Gesichter. Der Leipziger Osten ist weitesgehend unbekannt. Dabei gibt es dort einige Überraschungen, beispielsweise in einer alten Zündkerzenwerkstatt.
Aufgang zum Fotoaltelier "Grüne Tür"

„Vorsichtig, steile Treppe“ steht auf einem handgeschriebenen Zettel zum Aufgang der Zündkerzenwerkstatt. Bis Ende 2012 wurden hier noch Zündkerzen von Hand repariert.

"Und das fanden wir so interessant und eigentlich auch bemerkenswert, dass das noch so ein Überbleibsel aus DDR-Zeiten war, dass wir den Namen einfach übernommen haben."

Kerstin Köppen hat die Ateliergemeinschaft gegründet. Die Zündkerzenwerkstatt ist zugleich Ort und Dachverband für Privatpersonen, die zusätzlichen Raum für ihre Kunst benötigen. Viele von ihnen haben eine Voll- oder Teilzeitstelle und gehen ihrer Kunst eher in ihrer Freizeit nach. Man findet eine bunte Mischung aus traditionellem Handwerk, Druck- und Wortkunst sowie Malerei und Fotografie. Einige sind unter dem Namen Atelier Zündwerk vereint.

Verkauft wird über das Internet oder auf den eigenen Kulturveranstaltungen. Obwohl der Eingang auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, funktioniert das Konzept Kultur im Hinterhof.

Warum eigentlich der Leipziger Osten?

Was für einen Neu-Leipziger noch originell klingen mag, kennen viele Leipziger bereits. Ungewöhnlich ist jedoch, dass die Zündkerzenwerkstatt nicht im hippen Plagwitz, der Südvorstadt oder Lindenau zu finden ist. Die Adresse lautet: Dresdener Straße 84.

Kerstin Köppen war schon länger auf der Suche nach einem Raum für ihre Idee. Von Anfang an hat sie dabei bewusst auf den Leipziger Osten als Standort gesetzt.

"Vom Herzen her und von der Inspiration her war das schon irgendwie ein Blickpunkt. Und durch Zufall bin ich darauf gekommen, habs gefunden und gleich in Beschlag genommen sozusagen."

Man merkt ihr an, dass sie mit der alten Zündkerzenwerkstatt das perfekte Umfeld für sich und ihre Mitstreiter gefunden hat.

Auf gute Nachbarschaft: Kultur und Ort der Begegnung

Kerstin Köppen betont, dass ihre Ateliergemeinschaft großen Wert auf gute Nachbarschaft legt:

"Wir wollen die unmittelbare Nachbarschaft mit einbeziehen, damit auch wirklich Alt und Jung hineinkommen. Damit die sehen, was hier an Handwerk stattfindet, an Kultur."

Regelmäßig finden Konzerte, Theater oder Literaturfrühstücke statt. Das neueste Projekt ist das sogenannte „Hinterhofrauschen“ – ein Garagenflohmarkt.

Gleichzeitig ist der Hinterhof aber auch Treffpunkt, verfeinert mit der ein oder anderen Gaumenfreude. Die kulinarische Unterstützung für ihre Veranstaltungen bekommen sie von Lokalen aus der Nachbarschaft. Auch bei auswärtigen Kulturveranstaltungen sind sie vertreten.

Werkstattgebäude mit Charme

Auf dem kleinen Holzschild am Eingang zum Hof steht zwar: Kunst Kultur Handwerk, aber die Zündkerzenwerkstatt ist mehr: Sie ist authentisch und ursprünglich. Urig, wie Kerstin Köppen sagt. Ein Gebäude mit Charme und Atmosphäre. Die Innenräume scheinen aus einer anderen Zeit zu stammen: Angefangen bei der alten Tapete, über den alten Holzfußboden und dem obligatorischen Ofen in jedem Raum. Abgesehen von notwendigen Modernisierungen, wurde so wenig wie möglich verändert.

Wandel im Leipziger Osten

Man blickt über den Tellerrand. Und beobachtet manchmal etwas argwöhnisch die Veränderungen jenseits der eigenen Vier Wände. Rund um die Dresdener Straße tut sich was. Auch hier steigen die Mieten. Viele der ansässigen Läden und Vereine können sich nicht mehr behaupten.

Kerstin Köppen und ihrer Mitstreiter haben Glück: Sie haben die Unterstützung ihres Vermieters und ihrer Nachbarn. Und man kennt sie über ihre Straße hinaus:

"Wie wir das schon gemerkt haben, sind wir recht bekannt im Leipziger Osten."

Als kulturelle Größe im Leipziger Osten kann sich die Zündkerzenwerkstatt hoffentlich auch in Zukunft behauptet. Der Blick in die Zukunft stimmt optimistisch. Einfach weil die Zündkerzenwerkstatt besonders ist. Authentisch, kreativ und immer mit der Balance zwischen Alten und Neuem.

Ein Beitrag über die Zündkerzenwerkstatt von Marie Christin Becker und Carsten Richter.
Zündkerzenwerkstatt
 

Kommentare

Kommentieren

Marie Christin Becker
04.09.2014 - 12:40
  Kultur

Die Zündkerzenwerkstatt, ist seit 2012 im Hinterhofgebäude der Dresedener Straße 84 zu Hause. Im Erdgeschoss befinden sich Werkstatt-, im Obergschoss Aterlierräume. Die Mitglieder sind unterschiedlichsten Alters und vertreten verschiedene Kunstrichtungen. Von Grafik, Malerei, über Linoldruck, hin zu Fotografie, Wortkunst, Musik oder Textildesign und Naturkosmetik. Einige der Künstler haben sich unter dem Namen "Atelier Zündwerk". Weiter Informationen gibt es hier.

 

Kerstin Köppen ist gelernte Holzbildhauerin und Kunstpädagoging. Sie ist die Hauptmieterin des Werkstattgebäudes und fungiert als Ansprechpartner.