Prepper auf Youtube

Die Suche nach dem absoluten Schutz

Klimakatastrophe, Atomkrieg, Zukunftsängste: Das Apokalyptische ist Motiv unserer Zeit. Die "Prepper" bereiten sich auf diese Szenarien vor. Ihre Youtube-Kanäle verdrängen die Angst vor dem Tod mit dem Wiederaufleben eines männlichen Heldentums.
Prepper im Bunker
Youtuber Survival Mattin in seinem Bunker

Die Analyse zum Nachhören:

"Prepper auf Youtube" - eine Analyse von Frederike Moormann
Prepper auf Youtube

Der Mensch der Postapokalypse lebt in Bunkern. Schließlich ist die Welt unbewohnbar geworden. Sogenannte Prepper bereiten sich genau auf diesen Tag X vor: Sie lagern Vorräte, machen Survival- und Waffentrainings und bauen sich eben Bunker.

Es ist unfassbar ruhig hier unten. Ich bin in meinem Schutzkeller. Dieser Schutzkeller ist nicht direkt unter dem Haus, sondern etwas versetzt. Der Eingang ist verschlossen. Und ich habe mich jetzt hier in diesem Keller verbarrikadiert, weil ich davon ausgehen muss, dass bald ein Atomkrieg die Welt und somit auch die Zivilisation zerstören wird.

So der Vlogger Odenwald Cyclist. Sein Youtube-Kanal ist einer unter vielen über das Preppen: die Vorbereitung auf den Weltuntergang. Im Gegensatz zu älteren Bunker-Bauenden haben die jüngeren Youtuber den kalten Krieg nicht miterlebt. Sie waren in ihrem Leben weder einer physischen Bedrohung ausgesetzt, noch mangelte es ihnen an etwas. Und doch fühlen sie sich diffus bedroht: von möglichen Bürgerkriegen, Umweltkatastrophen, Epidemien.

 

Die Angst vor dem Anderen

Nicht nur die Umwelt, sondern besonders auch die anderen Menschen werden dabei als Gefahr betrachtet.

Gleich mal Regel nummer eins: Wenn ihr sowas habt, erzählt es niemand anderem. Weil wenn hier jetzt was passiert, stürmen euch die Anderen die Bude ein.

Der Bunker von Survival Mattin ist mit einer Vorrichtung ausgestattet, die fremde Eindringlinge vergast. Survival Mattin hat nicht nur Angst vor seinen Mitmenschen sondern im Allgemeinen auch vor “dem da draußen”.

Ich habe mich vorbereitet. Hier unten befindet sich mein Fallout Shelter, mein Krisenraum, meine Kommando zentrale, mein Prepper Room. Hierhinter verbirgt sich quasi der absolute Schutz vor dem, was hier draußen ist.

Aus dieser Angst vor der menschlichen und natürlichen Umwelt ergibt sich ein Wunsch nach Vorbereitung. Und das heißt hier: Einer Kontrolle und Herrschaft über Natur und Mensch.

 

Männlichkeit und Martialische Sprache

Die in den Prepper-Vlogs dargestellten Männer sind hart und stark. Sie baden im Eis, machen 1000 Liegestütz in einer Stunde und reden ständig von einer “Challenge”. Challenges auf dem Kanal “Naturensöhne” sind zum Beispiel der Ausbau eines Bunkers oder in einem Biwak zu übernachten. In einem Video messen sich die “Naturensöhne” mit dem Bodybuilder Kevin Wolter im Axtwurf.

Wir sind heute wieder unterweges und haben einen ganz besonderen Gast dabei. Wen denn andi? Kevin Wolter. Ist einer der größten Kraftsport-Youtuber auf Youtube [...] Der hat richtig Bock auf Outdoor.

Wolter selbst ist im Gegensatz zu den Naturensöhnen kein Prepper. Aber er teilt mit ihnen Männlichkeitsideal, Heldentum und die martialische Sprache.

 

Computerspielästhetik

Ein anderer Prepper - Fritz Meinecke - besteht auf seinem Kanal nicht nur Outdoor-Challenges, sondern lebt schon heute die Postapokalypse: Einsam streift er durch verlassene und verfallene Gebäude - sogenannte “Lost Places”. Meist sind dies ehemalige Militärgebäude.

Auch die Anlage, in der wir uns gerade befinden, war ein nationalsozialistisches Geheimobjekt. Hey Leute ich bin’s Fritz und ich bin wieder in der Unterwelt unterwegs. Ich würd sagen. Tauchen wir gemeinsam ab. Los gehts.

Meinecke wird von einem Computerspiel finanziell unterstützt. Die Ästhetik seiner Streifzüge und der des Computerspiels ähneln sich stark. Nicht nur das, Meinecke prüft auf seinem Kanal auch nach, ob sich die Kampftechniken aus dem Computerspiel im realen Leben anwenden lassen. Das Skript des Computerspiels kann auch als Skript für die Untergangsphantasien der Prepper gelesen werden:

Einige Jahre zuvor wurde die Welt von einer mysteriösen Pandemie befallen. Die Erde wurde entvölkert, viele Menschen starben und Abermillionen verwandelten sich in geistlose, wilde Kreaturen. Die Überlebenden müssen sich in einer Welt zurechtfinden, in der Ressourcen knapp, sowie Gewalt und Mord an der Tagesordnung sind.

 

Lust am Weltuntergang

Stets sind die Prepper Helden, die sich nur noch knapp aus lebensbedrohlichen Situationen retten können. Und das nur dank ihrer Härte und Stärke. In ihrer Welt herrscht wieder das Recht des Stärkeren. So ist das Preppertum einerseits eine Antwort auf Angst und das Gefühl einer diffusen Bedrohung. Andererseits ist es auch eine Weise mit dem eigenen Tod umzugehen: Die Angst vor dem eigenen Tod überträgt sich auf einen allgemeinen Weltuntergang. In dieser erdachten Extremsituation stilisiert man sich selbst zum Helden, zum Auserwählten, zum Einzelkämpfer. Im Gegensatz zum Tod kann man sich auf die Herausforderungen eines fiktiven Weltuntergangs gut vorbereiten. So ergibt sich schließlich aus dem Gefühl der eigenen Macht und Fähigkeit auch eine Lust am Weltuntergang. Die Wiederentdeckung des männlichen Heldentums ist aber allenfalls eine Verdrängung realer Herausforderungen.

 

 

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