CD der Woche

Die Skandinavische Sehnsucht

Von ganz oben im Norden hörten die Skandinavier schon immer den Ruf der Welt. Der klingt nach Fernweh und Sehnsucht. Oder wie das neue Album der Band Kakkmaddafakka.
Kakkmaddafakka
Die Band um die Brüder uAxel und Pål Vindenes braucht ab und zu einen Regenschirm.

Wenn es eine Sache gibt, die die Skandinavier vereint, dann ist es das Gefühl, skandinavisch zu sein. Die Rede ist nicht von einem guten Gefühl für trendige Inneneinrichtungen oder niedliche Kindernamen. Sondern von einer unbestimmten, unstillbaren Sehnsucht. Von den weltbereisenden Wikingern bis hin zum norwegischen Welterklärer Thor Heyerdahl – die Skandinavier hörten schon immer von ganz oben im Norden den Ruf der Welt. Das gilt auch für die Bands des Nordens. Eine von denen ist Kakkmaddafakka – acht Jungs aus Bergen, die seit elf Jahren Musik machen. Dabei waren es vor allen Dingen ihre letzten beiden Alben, Hest (2011) und Six Months is a Long Time (2013), die die Band in Deutschland bekannt machten. Gitarrenlastige Melodien, schnelle Rhythmen und eingängige Textzeilen waren damals das Erfolgsrezept, das bis heute die alten Hits der Band für jede Indieparty unverzichtbar macht. Mit der Party ist es jetzt allerdings erst mal vorbei.

Es wird ernst

KMF ist anders als seine beiden Vorgänger. Das zeigt gleich der erste Song Galapagos. Zwar vermittelt der kurz den Eindruck, hier sei alles beim Alten: Sänger Alex Vindenes nuschelt noch immer im schlechten Englisch Indie-Zeilen ins Mikrophon. Die Gitarre beherrscht mit ihren Halleffekten noch immer den Klang. Und auch der Beat ist noch immer tanzbar. Doch aus dem hedonistischen Indie-Pop wird ernst. Galapagos ist keine Indie-Hymne mit Spaßgarantie. Stattdessen schwingt in dem Opener das Gefühl von jener skandinavischen Sehnsucht mit. Das macht den Song zur perfekten Ouvertüre von KMF. Denn das Album erzählt eine Geschichte von Fernweh und von einer Beziehung, die nicht mehr das ist, was sie war.

Bergen statt Ballermann

Kakkmaddafakka gönnen sich einen Hit nach dem anderen. Der zweite Track May God ist Gitarrenpop vom Feinsten. Gleichzeitig erzählt Vindenes von einem nutzlosen Versuch, an jener Beziehung festzuhalten.

You tell me: Don't listen to the rumors / Even though they say, that tomorrow you'll walk away / May God punish who tries to seperate you and I 

Der nächste Song erzählt diese Geschichte gnadenlos weiter. In Young You verabschieden sich Kakkmaddafakka von der Vergangenheit – und legen vielleicht den bisher besten Song ihrer Karriere hin. Das Keyboard verleiht dem Song seinen unverkennbaren Sound, die Percussions klingen nach Latino-Rhythmen und machen aus Young You einen gefühlvollen Sommersong, wie man ihn von einer Indieband niemals erwartet hätte. Nur spielt der eben nicht an den Partystränden Südeuropas, sondern am Fjord irgendwo in der Nähe von Bergen,

Das geht eine Weile gut. Doch je länger das Album dauert, desto mehr geht Kakkmaddafakka die Puste aus. Songs wie Lilac oder Language klingen einfach zu sehr nach den großen Erfolgen der Band. Außerdem gibt es mit Superwoman einen Song, für den man sich ein bisschen schämen möchte, wenn Alex Vindenes singt:

Oh, she's strong / no one can tell her she's wrong / she's a superwoman.

Das mag zwar gut gemeint sein, klingt aber im Vergleich zum Rest des Albums inspirationslos und platt. Dabei wird genau das den schwächeren Momenten von KMF zum Verhängnis. De facto sind die nämlich eigentlich gar nicht so schlecht. Die Höhen sind schlichtweg zu hoch. Das beweist auch der letzte Titel Empty Streets, der zu dem besten zählt, was das Album zu bieten hat. Tatsächlich macht kaum ein Song so viel Lust auf das Album, wie der Rausschmeißer. Hier entlädt sich die Sehnsucht von KMF in rührenden Zeilen und einem Sound in allerbester Kakkmaddafakka-Manier. Wenn dann kurz vor Ende des Songs die ganze Band in den Chor einsteigt und singt: „You can do whatever you want“, weiß man nicht, ob das eine gutgemeinte Aufmunterung sein soll, oder eine endgültige Abfuhr. So innerlich zerrissen wie KMF ist, lässt die Band ihre Hörer zurück.

Fazit

Dem ganzen Skandinavien-Kitsch von „schöner heiler Welt im Norden“ trotzen Kakkmaddafakka mit einem Album voller Sehnsucht und Fernweh. Der Wandel von der jungen Indietruppe zur reifen Indieband ist ihnen jedenfalls gelungen. Wer sich von Ballermannstränden fernhalten will und lieber alleine den Sand zwischen den Füßen feiert, ist bei KMF genau richtig.

 

 

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Isabel Woop, Lars-Hendrik Setz
14.03.2016 - 10:52
  Kultur

Kakkmaddafakka: KMF

Tracklist:
  1. Galapagos*
  2. May God
  3. Young You*
  4. Change
  5. 30 Days
  6. Fool
  7. No Cure*
  8. Language
  9. Lilac
  10. Superwoman
  11. True
  12. Empty Streets*

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 18.03.2016
Bergen Mafia

Kakkmaddafakka im Web 2.0:

Dass aus Skandinavien schöne Dinge mit schrägen Namen kommen, ist dank IKEA ja bekannt. Dass die Skandinavier jedoch scheinbar selbst ein Problem damit haben, ist neu. Ein norwegischer Fernsehsender bat Menschen, den Bandnamen Kakkmaddafakka vorzulesen. Dass das nicht so gut klappt, beweist dieses Video.

Als Band genießen Kakkmaddafakka das Reisen und die Touren. Das hat die Band mit KMF mal wieder deutlicht gemacht. Wie eine Tour der Band allerdings genau aussieht, zeigt diese kurze Dokumentation.

Konzerte:
Kakkmaddafakka spielen am 07.04.2016 im Täubchenthal.