Filmkritik: Queen and Slim

Die schwarzen Bonny und Clyde

Aus Notwehr erschießen Angela und Ernest einen Polizisten. Statt sich zu stellen, entscheiden sich die beiden zu fliehen. Der Beginn eines Roadtrips, der nicht nur ihr Leben, sondern auch das vieler schwarzer Amerikanerinnen und Amerikaner verändert.
Queen & Slim
EIn schnelles Bild wird zum Symbol für Gerechtigkeit.

Die Filmkritik zum Nachhören:

Filmrezension "Queen and Slim" von Vincent Schmitt
Filmkritik: Queen and Slim

Der Jahreswechsel ist traditionell nicht nur die Zeit der guten Vorsätze, sondern auch die des Zurückblickens. Mit Statistiken wird versucht die Vergangenen 12 Monate in Zahlen zu festzuhalten. So erfreulich manche davon sein mögen, desto erschreckender sind dagegen andere. 2019 wurden allein in den USA 212 schwarze Amerikaner von der Polizei erschossen. Diese Woche erscheint der Film Queen & Slim in den deutschen Kinos der dieses Thema auf eine ganz besondere Weise beleuchtet.

Auf dem Nachhauseweg von ihrem eher mittelmäßigen ersten Date geraten Angela (Jodie Turner Smith) und Ernest (Daniel Kaluuya) in eine Polizeikontrolle. Was mit Polizeischikane beginnt endet mit zwei Schüssen und einem Toten Polizisten. Obwohl sie aus Notwehr gehandelt haben, fliehen die Beiden. Ohne es zu wollen, werden sie somit zu den meistgesuchten Verbrechern der USA und gleichzeitig zu Helden für viele schwarze Bürgerinnen und Bürger, die sich durch Polizeigewalt bedroht fühlen.

Cooler Look, cooler Soundtrack

Queen & Slim ist der erste Langfilm der afroamerikanischen Regisseurin Melina Matsoukas. Bekannt wurde sie vor allem durch ihre Musikvideos von Künstlern wie Beyoncé und Rihanna. Und das merkt man dem Film auch an. Der Soundtrack ist gespickt mit Sounds der Hip-Hop und R'n'B Szene. Selbst wenn man kein Fan dieses Genres ist, trägt die Musik entscheidend zum Charme des Films bei.

Unterstützt wird der Soundtrack von den Bildern die Matsoukas hier auf die Leinwand bringt. Die meisten Filme der letzten Jahre haben ein sehr glattes und steriles Bild, da sie mit Digitalkameras gedreht wurden. Bei Queen & Slim entschied man sich hingegen für 35mm Filmrollen. Diese verleihen dem Ganzen einen nostalgischen Look, der sehr an die Filme der 80er und 90er Jahre erinnert.

Ein eher ungewöhnliches Stilmittel, das mehrmals im Film genutzt wird, sind Szene, bei denen die Figuren im Bild nicht sprechen, aber ihr Dialog per Voiceover zu hören ist. Meistens blicken die Figuren dabei sehnsuchtsvoll in die Ferne, während im Hintergrund emotionale Musik ihren Dialog untermalt. Das sorgt zwar für den ein oder anderen Gänsehautmoment, wirkt aber leider oft so, als versuche man Gesprächen künstlich Tiefgang einzuhauchen.

Queen and Slim
Mit der Gesetzlosigkeit kommt auch die Freiheit.

Black Lives Matter!

Der Film zeigt immer wieder wie Menschen in den USA diskriminiert werden und besonders, welche Folgen sich daraus ergeben. Drehbuchautorin Lena Waithe war es ein besonderes Anliegen mit diesem Film ein Zeichen gegen Polizeibrutalität zu setzen. Der Film schafft es dabei trotzdem die Trennung zwischen schwarz und weiß zu durchbrechen. Denn nicht jeder Polizist ist weiß und jeder Weiße ein Rassist.

Auf ihrer Flucht treffen Angela und Ernest einige Menschen mit ganz unterschiedlichen Einstellungen zu ihren Verbrechen. Leider wirken die meisten Nebenfiguren recht eindimensional. Oft wirkt es, als würden sie nur existieren, um dem Zuschauer unterschiedliche Meinungen zu präsentieren. Trotzdem ist es durchaus interessant, die Bandbreite an Positionen zu sehen.

Ein ungleiches Paar

Dafür können die Schauspieler der Protagonisten durchaus überzeugen. Daniel Kaluuya, bekannt aus dem Film Get Out, kauft man den gläubigen Familienmenschen Ernest durchwegs ab. Dagegen liefert die Schauspielerin Jodie Turner-Smith mit ihrer Figur Angela eine nach außen hin starker Frau, der es aber schwerfällt, sich anderen Menschen zu öffnen. Diese Konstellation sticht erfrischend aus dem üblichen Mann-/Frau-Schema hervor, das man nur allzu gut aus Hollywood kennt.

So verfolgt man gerade zu Anfang gespannt den Handlungen der Protagonisten. Leider schafft es der Film nicht, die Spannung über den ganzen Film zu halten. Im Mittelteil verliert er sich teilweise zu sehr in der Liebesgeschichte zwischen den Beiden. Diese wirkt nicht immer glaubwürdig für Menschen, die sich gerade auf der Flucht befinden.

Queen and Slim
Der Fokus liegt auf der Liebesgeschichte.

Gut, aber mehr auch nicht

Alles in allem bekommt man mit Queen & Slim trotzdem einen soliden Film, der immer wieder mit starken Bildern glänzt. In einer sonst von Männern geprägten Filmlandschaft ist es schön, einen Film zu sehen, der von Frauen geschrieben und inszeniert wurde. Dabei darf man kein tiefgründiges Drama erwartet, das noch lange zum Nachdenken anregt. Wer aber Spaß an einem Liebesfilm mit politischer Botschaft hat, kann sich auf diesen Film auf jeden Fall freuen.

 

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Vincent Schmitt
13.01.2020 - 17:28
  Kultur